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Serie: Elternsein in der Schweiz Erwachsene Kinder ziehen immer später aus

Lachende Männer

Szene aus dem Film "Wir Eltern".

(swissfilms.ch)

Den Schweizer Jungen gefällt es im Hotel Mama: Sie ziehen immer später aus und lassen sich von den Eltern nicht nur bei der Hausarbeit bedienen, sondern auch durch Schule und Ausbildung bringen. Die Folge: Es wächst eine orientierungslose Generation heran, wie ein Film komödiantisch zeigt.

Serie: Elternsein in der Schweiz

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"Mammoni" gibt es nicht nur in Italien, sondern auch in der Schweiz: Seit den 1970er-Jahren sind Kinder beim Auszug aus dem Elternhaus immer älter. Im Schnitt zieht der Nachwuchs mit 24 oder 25 Jahren aus.

Laut Bundesamt für Statistikexterner Link liegt der Hauptgrund in der länger andauernden Ausbildung. Eine Umfrage von Comparisexterner Link zeigt, dass nebst finanziellen Gründen auch Bequemlichkeit ausschlaggebend ist: Die Jungen bleiben bei den Eltern wohnen, weil sie nicht kochen oder putzen wollen.

Der Film "Wir Eltern" bringt in einer Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm das Problem komödiantisch auf den Punkt.

Trailer

Filmtrailer

"Wir zeigen im Film die Angst mancher Eltern, die Kinder los- und in die weite Welt gehen zu lassen; und umgekehrt die Angst mancher Jugendlicher, in die Welt rauszugehen", sagt Regisseur Eric Bergkrautexterner Link gegenüber swissinfo.ch. Seine Lebenspartnerin, die Schriftstellerin Ruth Schweikertexterner Link, hatte die Initial-Idee und schrieb überwiegend das Drehbuch.

Sie hätten gewusst, dass viele Familienmitglieder gerne und gut spielten, etwa Schultheater. "So kam eins zum anderen und der Film wurde zu einem Familienabenteuer", sagt Bergkraut. Sprich: Die drei gemeinsamen Söhne standen vor der Kamera, zusammen mit dem Vater, Regisseur und gelernter Schauspieler, der 30 Jahre lang nicht mehr gespielt hatte. Die Rollen waren aus dem Leben gezogen, und doch spielte niemand sich selber. Für die Rolle der Mutter wurde mit Elisabeth Niederer eine Schauspielerin engagiert, die der Familie vertraut war, aber nicht zu dieser gehört.

Der Film "Wir Elternexterner Link" ist eine autofiktionale Groteske der Familie Schweikert-Bergkraut. 

Ein Zürcher Elternpaar glaubt, alles richtig gemacht zu haben. Doch die halbwüchsigen Kinder blockieren das Familiensystem. Bis die Eltern ausziehen. 

Der Film wird derzeit in Schweizer Kinos gezeigt, ab April auch in Deutschland.

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Dass Kinder in der Schweiz immer später ausziehen, führt Bergkraut darauf zurück, dass die Welt mit diesen vielen Freiheiten auch Furcht einflössen kann. "Wir leben nicht im Zeitalter des Abenteuers", meint Bergkraut. "Es ist nicht eine Zeit und eine Welt, die einem Jungen zuruft: Komm, es braucht dich. Das empfinde ich als ziemliche Herausforderung für junge Menschen."

Angst vor dem sozialen Abstieg

Im Film kommen Szenen vor, in denen die Eltern dem Sohn Thema und Konzept für die Maturarbeit vorkauen. Das klingt absurd und überzeichnet – ist es aber nicht. Tatsächlich helfen Eltern in der Schweiz ihren Kindern immer häufiger und intensiver bei den Hausaufgaben, bei der Lehrstellensuche und teilweise sogar beim Universitätsstudium. Laut Bergkraut wäre es besser, die Eltern würden den Kindern zumuten, den eigenen Weg zu finden. "Aber die Versuchung ist gross, ihnen zu helfen." Denn nicht zuletzt die Eltern selbst haben Angst, dass ihr Kind den von aussen gestellten Anforderungen nicht genügt und sozial "absteigt", wie ein Experte im Film sagt.

Die Fixierung auf Leistung ist laut Bergkraut keine Schweizer Besonderheit, sondern ein Industriestaaten-Phänomen. "Es versteckt sich quer durch alle Gesellschafts- und Altersschichten sehr viel Angst", findet Bergkraut.

Erwachsenwerden in einem reichen Land

Dass Elternsein in der Schweiz besonders schwer ist, will Bergkraut jedoch nicht unterschreiben. "Es wäre sehr wehleidig, zu sagen, in einem der reichsten Länder der Welt sei Elternsein besonders schwer", meint er. Bergkraut reist beruflich häufig in die Ferne. Kürzlich war er in Tunesien, einem Land mit einer Jugendarbeitslosigkeit von fast 35%externer Link.

"Es ist für Junge heute nicht einfach, in der Schweiz ihren Platz zu finden", räumt Bergkraut ein. "Aber es wäre kitschig, das mehr zu beweinen als die Situation anderer, die ökonomische Grundschwierigkeiten haben."

Materieller Wohlstand sei die Herausforderung, sich nicht in der Beliebigkeit zu verlieren. "Es wäre aber unangemessen, sich darüber zu beklagen", sagt Bergkraut. Denn: "Mit Freiheit umgehen zu lernen, ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein tolles Abenteuer."

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