Montag 20.05.2013  
 
 
 

 

Thomas Jordan: der eingeschworene Inflationsfeind

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Thomas Jordan, der neue SNB-Präsident.Legende:

Thomas Jordan, der neue SNB-Präsident. (Reuters)

Von Alexander Kuenzle, swissinfo.ch
18. April 2012 - 14:03

Anfang Jahr wurde dem Notenbank-Vize Thomas Jordan ad interim das Präsidium der Nationalbank übertragen. Nun hat der Bundesrat den erfahrenen Notenbanker und eher zurückhaltenden Akademiker definitiv zum Präsidenten der Nationalbank gewählt.

Neben Jordan und dem bisherigen Jean-Pierre Danthine ernannte der Bundesrat den Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Fritz Zurbrügg, zum neuen Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB).
 
Der neue Präsident des Direktoriums, der 48-jährige Bieler Thomas Jordan, ist bekannt für sein ruhiges Auftreten. Er hat sich längst als eingeschworener Inflationsfeind und kritischer Kenner der Europäischen Währungsunion einen Namen gemacht.
 
Als Person gleicht Jordan seinem Vorgänger Philipp Hildebrand nur äusserlich. Beide sind 1.90 Meter gross.
 
Sonst ist Jordan in Vielem das Gegenteil seines Vorgängers: Eher professoral, behäbig bis bedächtig, detailversessen und gewissenhaft. Er wirke im Vergleich zu Hildebrand "eher wohltuend nüchtern und zurückhaltend, im Auftritt sehr bestimmt", umschrieb ihn die Basler Zeitung vor einigen Wochen.
 
Jordan mag zwar anders als Hildebrand wirken, will jedoch dasselbe wie er: Die Untergrenze des Franken-Euro-Wechselkurses soll gleich – unverändert bei 1.20 Franken - bleiben, hatte Jordan vor Journalisten gesagt, nur wenige Tage, nachdem ihn der Bundesrat im Januar als Interimspräsident eingesetzt hatte.
 
Der Bundesrat hatte Thomas Jordan nach dem unfreiwilligen Rücktritt des SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand am 9. Januar zum Interimspräsidenten ernannt. Hildebrand war über umstrittene, weil in zeitlicher Nähe zu geldpolitischen Entscheiden der SNB getätigte Devisen-Transaktionen seiner Frau gestolpert.

Weisse Weste

Nachdem der Bankrat am 7. März bekannt gegeben hatte, Jordan habe eine Untersuchung über allfällige Eigengeschäfte ohne Makel überstanden, war der Weg frei für seine definitive Wahl zum Präsidenten der Nationalbank.
 
Die Presse, seit Jordans Einsetzung als Interimspräsident ungeduldig, titelte mit "Weisse Weste", "Bahn frei" und liess die Schweizer Wirtschaft zu Wort kommen, die bereits im Januar das zu langsame Prozedere im Bundesrat kritisiert hatte.
 
Die Wirtschaft, vor allem die Exportwirtschaft, will keinen verwaisten Notenbank-Chefsessel, weil sie sich grosse Sorgen wegen des starken Frankens macht. Dessen Aufwertung hatte die SNB im vergangenen September auf Biegen und Brechen glaubhaft auf ein Niveau von 1.20 Fr./Euro drücken können, nachdem vorher zum Entsetzen der Exporteure teils fast schon die Parität zum Euro erreicht worden war.
 
So kam der Rücktritt von Hildebrand der Wirtschaft alles andere als gelegen – umso mehr da dieser eine erfolgreiche und glaubwürdige Geldpolitik betrieben hatte.
 
"Ideologisch gefärbte Vorbehalte rund um den künftigen Kurs der Nationalbank sollten jetzt keine Rolle mehr spielen", kommentierte die Aargauer Zeitung nach der Bekanntgabe von Jordans 'Weisser Weste'. Die Fakten seien nun auf dem Tisch, der Bundesrat solle nun rasch handeln.
 
Grund: Nur als definitiv gewählter Präsident der Notenbank könne Jordan in den internationalen Gremien Einsitz nehmen, als interimistischer aber nicht. Das sei wichtig, besonders wenn es um die Euro-Rettung oder um die schärfere Regulierung der Finanzmärkte gehe.

Zwischen Finanz- und Werkplatz

Es sei kein Geheimnis, dass die Zürcher Bahnhofstrasse, respektive der Finanzplatz, eher auf eine stabile (starke) Währung und wenig Inflation setze, sagen neben dem ehemaligen Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm auch andere Schweizer Ökonomen bei der Einschätzung Jordans.
 
Während der Werkplatz, sprich die Exportindustrie und damit die Mehrzahl der Arbeitnehmer im Land, lieber einen abgeschwächten Franken und einige Prozente Teuerung als Einbrüche in der Beschäftigung in Kauf nähmen.
 
Jordans Vorgänger hatte ganz klar das Wechselkursziel priorisiert. Dennoch stand er schon lange Zeit vor den Vorwürfen der Devisentransaktionen seiner Ehefrau im parteipolitischen Sperrfeuer der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Um die 1.20 Franken-Untergrenze gegenüber dem Euro zu halten, ist er auch inflationsmässig hohe Risiken eingegangen.

 

Schweizerische Nationalbank

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führt als unabhängige Zentralbank die Geld- und Währungspolitik der Schweiz. Ziel ihrer Politik ist Preisstabilität, die laut ihren Angaben eine wesentliche Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand ist.

Die SNB stützt ihre geldpolitischen Entscheidungen auf eine mittelfristige Inflationsprognose ab. Der Referenz-Zinssatz ist der Dreimonats-Libor (London Interbank Offered Rate).

Die Nationalbank verfügt über das alleinige Recht, Banknoten auszugeben und setzt im Auftrag des Bundes auch die Münzen über ihr Bankstellennetz in Umlauf. Ihr Gewinn wird grob gesagt zwischen den Kantonen (2/3) und dem Bund (1/3) aufgeteilt.

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Glaubwürdige Politik

Als Jordan im Januar interimistisch das Präsidium der Nationalbank übernahm, sagte er gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung, die Geldpolitik der Nationalbank sei "nicht personenbezogen", sie werde vielmehr "bestimmt vom Mandat, welches das Parlament der Notenbank gegeben hat. Diese Geldpolitik wird vom Direktorium als Gesamtkollegium verantwortet".
 
Jordan studierte an der Universität Bern Wirtschaftswissenschaften. In seiner 1994 verfassten Doktorarbeit hatte er sich mit dem Pro und Kontra der europäischen Währungsunion beschäftigt.
 
Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA ernannte ihn die Universität Bern 2003 zum Honorarprofessor. 1997 ging er als wissenschaftlicher Berater zur Nationalbank. Anfang 2004 wurde er zum Direktor und anschliessend zum Leiter des Bereichs Finanzmärkte ernannt. Im April 2009 ernannte ihn der Bundesrat zum Vizepräsidenten der Nationalbank.

Alexander Kuenzle, swissinfo.ch

 
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