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Spielzeug mit Hintergedanken

Der Chlätterbär ist beliebt bei den Kindern.

(swissinfo.ch)

An der "Suisse Toy"-Messe in Bern stellen die Grossen der Branche ihre Neuheiten aus Plastik und Elektronik dem Publikum vor.

Eine spezielle Nische besetzt die Schweizer Gewa, die mit sozialem Anspruch Holzspielzeug herstellt.

Die nationale Spielwarenmesse "Suisse Toy" öffnete am Mittwoch die Tore der BEA-Hallen in Bern. Auf 22'000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentieren rund 200 Aussteller ihre Spielsachen.

Damit lassen sich die Spielzeug-Hersteller im Vergleich zur Computerbranche nicht lumpen: An der geschrumpften Orbit/Comdex, die am Vortag in Basel aufgegangen ist, belegen die Austeller nur einen Drittel mehr Fläche - insgesamt 32'000 Quadratmeter. Allerdings kostet der Quadratmeter in Basel fast doppelt soviel.

Auch die Tickets sind viermal teurer für die Computer-Spezialisten als für die Spielzeug-Interessierten - aber schliesslich sind ja auch alle Menschen Fachleute, was Spielzeug angeht.

Die Grossen zeigen ihre Logos

Doch während in Basel die Branchen-Grössen fehlen, zeigen sich bekannte Namen in Bern: Nintendo präsentiert neue Games für seine Gamecube-Konsole, die amerikanische Hasbro feiert einen runden Geburtstag des Plastik-Agenten "Action Man" und auch Ravensburger zeigt seine neuen Spiele.

Skwisch, Regenbogen und Parkgarage

Zwischen Plastik und Elektronik, gibt es aber auch mindestens eine Ausnahme: Die Berner Gewa zeigt an der Messe Holzspielzeug aus ungewöhnlicher Produktion.

Dabei geht das Angebot der Gewa weit über klassische Bauklötze und Holzpuzzles hinaus. Da gibt es das vielarmige Schnurgebilde "Skwisch multicolor", den Rasselturm oder den Nuckelhund. Mobile Regenbogen, Poststellen oder Parkgaragen sollten auch anspruchsvolle Kinder beschäftigen können.

Holzspielzeug mit sozialem Anspruch

Die Gewa - ausgedeutscht: "Gemeinsam wagen" - beschäftigt Menschen mit psychischen Problemen. Gegründet wurde die Firma vor 16 Jahren vom ehemaligen Leiter der Psychiatrischen Uni-Klinik Bern, Martin L. Ryser. "Wir begleiten Menschen einige Schritte auf ihrem Weg", sagt er.

Ziel der Gewa mit Sitz in Zollikofen bei Bern ist die berufliche Integration von Menschen mit psychisch bedingten Leistungs-Einschränkungen. Personen also, die nur schwierig in andern Betrieben arbeiten können, weil sie wenig belastbar oder nur bedingt stresstolerant sind. Auch Menschen mit geringer Sozialkompetenz oder Selbstvertrauen finden in der Gewa Arbeit.

Gewinn als Wunder

"Es gibt einen Widerspruch zwischen Profit und Mitgefühl. Wir wollen leistungsfähig sein, ohne unsere Mitarbeitenden unter Druck zu setzen. Auch sollen sie ihren Wert in der Gesellschaft erfassen können", sagt Ryser.

Seit zwei Jahren erwirtschaftet Gewa Gewinn. "Ein Wunder", meint der Gründer. Die Organisation beschäftigt derzeit 200 Personen, 50 davon als Ausbildner und Teamleiterinnen.

Im "Chlätterbär" Holziges kaufen

Der wohl bekannteste Ableger der Gewa ist ihr Spielwarengeschäft in der Berner Altstadt. Im "Chlätterbär" (Kletterbär) empfangen die Besuchenden Teddybären, Puppen, Schaukelpferde, Holz-Bagger, Stelzen und alle andern Gewa-Spielzeuge.

Marketing-Leiter Roland Margot sieht die stetige Faszination von Holzspielzeug anhalten. "Holz ist ein natürliches, warmes Material. Menschen fühlen sich sicher und geborgen damit", sagt Margot.

Dem Markt verschliessen kann sich Gewa jedoch nicht ganz. Die Holzspielzeuge werden zwar immer noch in der Schreinerei in Zollikofen gefertigt, das Rohmaterial - Schweizer Holz aus nachhaltig bewirtschaftetem Wald - wird aber in der Tschechischen Republik vorgesägt.

Breite Palette für alle Bedürfnisse

Die Gewa stellt nicht nur Spielzeug her, sondern bietet eine breite Palette von Produkten und Dienstleistungen an. In ihren beiden Produktionsstätten werden Lampen zusammengebaut und Schirme geflickt, Computer wiederverwertet, Teile für Hörgeräte gefertigt und Keramik getöpfert. Andere Mitarbeitende erledigen Verpackungs-Jobs für Büros oder sind draussen in Gärten.

Andrea Ledergerber arbeitet seit einem Jahr bei der Gewa. "Es ist grossartig, wie die Teamleiter die Arbeit den Beschäftigten anpassen." So habe sie schnell von ihrer Aufgabe, Kartonkisten zu falten, zu einer Näh-Arbeit wechseln könne, die ihr besser gefalle. "Seit ich hier bin, bin ich viel stabiler geworden", fügt sie an.

Mehr als nur ein Messeauftritt

Mit dem Gang an die Suisse Toy macht die Gewa einen wichtigen Schritt. Jedes verkaufte Spielzeug ermöglicht es der Organisation, weiter ausgegrenzten Menschen zu helfen. Was für die Messebesuchenden vielleicht nur ein Spielzeug ist, ist für die Gewa-Beschäftigten das Ticket in ein besseres Leben.

swissinfo


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