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Touristiker sauer über Visa-Flaschenhals in Asien

Touristen aus Asien machen die Einbrüche bei den Besuchern aus Europa wett.

(Keystone)

Die Schweizer Tourismusbranche ist doppelt unter Druck: Wegen des starken Frankens bleiben einerseits viele Gäste aus Europa aus. Andererseits kommen Schweizer Konsulate in Asien nicht nach, allen Touristen das notwendige Visum auszustellen.

In der Schweizer Tourismusbranche herrscht Unzufriedenheit: Ausgerechnet jetzt, wo die Gäste aus Europa wegen der Frankenhausse immer zahlreicher ausbleiben, ist im Geschäft mit den hochwillkommenen Kunden aus Asien Sand im Getriebe.

Die Visa-Anträge von Reisewilligen würden von den Mitarbeitern der Schweizer Konsulate in Asien nur schleppend behandelt oder gar versenkt, kritisiert die Branche. Gründe dafür seien zu wenig Personal in den Botschaften und zu viel Bürokratie.

Dabei setzt die Branche immer stärker auf Besucher aus den Wachstumsmärkten, allen voran China und Russland.

"Für unser Unternehmen ist Asien der interessanteste Markt, deshalb haben wir dort sehr viel investiert", sagt Thomas Pfister, Marketing-Chef der Jungfraubahnen,  gegenüber swissinfo.ch.

"Touristen aus Asien sind bereit, in der Nebensaison nach Europa zu kommen, beispielsweise im November, das macht sie für uns sehr interessant", sagt Pfister. Es wäre eine Schande, wenn dem Tourismus viel Geld verloren ginge, nur weil nicht genügend Visa ausgestellt werden könnten.

Kollision mit Reorganisation 

Ein Teil des Problems liegt darin, dass die Vertretungen in einigen wichtigen Ländern von Visa-Anträgen buchstäblich überschwemmt worden sind.

Hotelleriesuisse, der Verband der Schweizer Hotellerie, verzeichnete im letzten Jahr einen Anstieg der Übernachtungen von Gästen aus China um knapp 50%. Der Anstieg von Übernachtungen von Besuchern aus Indien betrug 21%, plus 13% waren bei Gästen aus den Golfstaaten zu verzeichnen.

Der Zustrom von Besuchern aus den Boom-Ländern macht die Rückgänge bei den Gästen aus Europa mehr als wett. Diese bleiben vermehrt aus, weil ihnen das Gastland Schweiz wegen der Frankenhausse schlicht zu teuer geworden ist.

Die Verschiebung der Zielmärkte des Schweizer Tourismus geschieht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn die Konsulate befinden sich mitten in einem Reorganisations-Prozess. Einige werden geschlossen, einige nach Europa transferiert, während die Vertretungen in den Wachstumsmärkten personell aufgestockt werden. Jetzt zeigt sich aber, dass die Aufstockungen nicht mit der Zunahme der Visa-Anträge schritthalten können.

Das Schweizer Konsulat in der indonesischen Hauptstadt Jakarta behandelt pro Reiseveranstalter und Tag nur fünf Visa-Anträge, berichtete die Zeitung Tages-Anzeiger. Die Folge: Unter den Reiseveranstaltern ist eine regelrechte Drängelei ausgebrochen, um alle benötigten Reiseermächtigungen rechtzeitig zu erhalten.

Nicht von heute auf morgen 

Das Aussenministerium und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) versuchen zu beschwichtigen und wollen den Problemen auf den Grund gehen. In einigen Ländern hat sich die Situation zwar etwas entspannt. Aber gerade in den wichtigen Boom-Ländern bereitet die Lage immer noch Kopfschmerzen.

"Es braucht weitere Verbesserungen. Aber bis die nötigen Kapazitäten aufgebaut sind, wird es noch dauern", sagt Seco-Sprecherin Marie Avet zu swissinfo.ch.

Das Beispiel der Jungfraubahnen zeigt, wie wichtig die Gäste aus Asien im Tourismusgeschäft mittlerweile geworden sind. 2010 machte das Unternehmen, welche die Gäste von Grindelwald via Kleine Scheidegg auf das knapp 3500 Meter hoch gelegene Jungfraujoch befördert, einen Gewinn von 22,6 Mio. Franken. Das Plus von 2,3% gegenüber dem Jahr davor kam dank des Anstiegs der Passagiere zustande, insbesondere derjenigen aus Südkorea.

Droht Destination Schweiz Streichung? 

Thomas Pfister von den Jungfraubahnen drängt darauf, die Engpässe aus der Welt zu schaffen, bevor die asiatischen Reiseveranstalter die Schweiz von ihrer Europa-Rundtour zu streichen beginnen.

Auch Schweiz Tourismus beschwerte sich bei den Behörden in Bern darüber, dass die nötigen Massnahmen zur Behebung der Engpässe zu lange auf sich warten liessen.

"Es ist gefährlich, denn Visa, die nicht schnell genug oder überhaupt nicht ausgestellt werden können, bedeuten Einbrüche bei Übernachtungen und Einkommen", sagt Véronique Känel, Sprecherin der Branchenorganisation, gegenüber swissinfo.ch.

Tourismus trotzt starkem Franken - bisher

Der Fremdenverkehr gehört mit einem Jahresertrag von rund 15 Mrd. Franken zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Schweiz.

Trotz des gestiegenen Frankenkurses nahmen 2010 die Übernachtungen um 1,7% auf 36,2 Mio. zu, (Quelle: Unternehmerverband der Schweizer Hotellerie).

Der Zuwachs ging einerseits auf Gäste aus dem Inland zurück (+2,2%),

Die wichtigen Boom-Länder, insbesondere jene in Asien, fingen den Einbruch bei den Gästen aus Europa mehr als auf.

Den grössten Anstieg verzeichneten die Gäste aus China (+49%), gefolgt von jenen aus Indien (+21%) und den Golfstaaten (+13%).

Infobox Ende


Übertragen aus dem Englischen: Renat Kuenzi, swissinfo.ch

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