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UBS braucht einen Strategiewechsel

UBS-Chef Oswald Grübel ist Geschichte.

(Keystone)

Der für viele überraschende Rücktritt von UBS-CEO Oswald Grübel am Samstag ruft in der Schweizer Presse kein einheitliches Echo hervor. Kritik muss auch Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger einstecken. Wie es mit der UBS weiter geht, bleibt unklar.

Grübel hatte mit seinem Rücktritt die Verantwortung für den 2,3 Milliarden Dollar grossen Verlust übernommen, den ein UBS-Händler in London durch Fehlspekulationen verursacht hatte. Sein Nachfolger wird der 51-jährige Sergio Ermotti, bislang verantwortlich für das Geschäft in Europa und im Nahen Osten.

Die Berner Zeitung fragt: "Darf man nun aufatmen, weil Oswald Grübel seine Demission eingereicht hat?" Die Antwort: "Nein. Kaspar Villiger ist das Problem, nicht Grübel."

Für die Berner Zeitung ist die Ausrichtung des Investmentbankings ein strategischer Entscheid. "Und für die Strategie ist nicht der Konzernchef, sondern der Verwaltungsrat zuständig, der immer noch von Alt-Bundesrat Kaspar Villiger präsidiert wird. Zu wünschen wäre, dass sein Nachfolger, der deutsche Axel Weber, nicht erst 2013 das Ruder übernimmt, um einen Kurswechsel einzuleiten."

Auch der Tages-Anzeiger geht mit dem ehemaligen Finanzminister Kaspar Villiger hart ins Gericht und zählt auf, was ihm schon als Politiker misslang. Seinen Erfolg habe er seiner "Aura der Integrität" zu verdanken, weniger seinen fachlichen Qualitäten. "Bei der UBS blieb der Eindruck, Villiger verstecke sich hinter CEO Oswald Grübel. Auch bei seinen früheren Verwaltungsratsmandaten blieb Villiger passiv, wenn rasche Entschlossenheit gefragt gewesen wäre."

Wird es der Neue richten?

Sergio Ermottis Ernennung zum neuen UBS-CEO sei zwar kein personeller Fehlentscheid, meint der Tages-Anzeiger. Aber: "Wenn man schon einen Generationenwechsel an der Spitze durchführt und wenn man schon sagt, der neue Kapitän müsse durch schwierige Wasser steuern: Warum denn eine Interimslösung? Warum gibt man Ermotti nicht eine definitive Chance?"

Der Tagi beschreibt die Aufgabe des neuen Chefs als Herkulesaufgabe: "Die New York Times titelte letzte Woche, bei der UBS sei nicht nur ein Händler betrügerisch, sondern die ganze Bank."

Und auch Der Sonntag fragt: "Warum hat man Ermotti nicht gleich definitiv zum Chef gemacht?". Die Zeitung wirft zudem dem UBS-Verwaltungsrat Orientierungslosigkeit vor. Dieser lasse die Entschlossenheit vermissen, die Grübel mit seinem Rücktritt an den Tag gelegt habe.

Grübels umstrittenene Rolle

Die Neue Zürcher Zeitung bescheinigt dem vor zweieinhalb Jahren aus dem Ruhestand geholten CEO Oswald Grübel Grösse: "Er räumt gegen den Wunsch des Verwaltungsrates (…) den Platz." Grübel habe aber einiges erreicht, er habe "die UBS aus der Gefahrenzone gelotst, den bedrohlichen Abbau von Kundengeldern gestoppt, und vor allem hat er die Grossbank – das dritte Quartal ist ein Ausreisser – in die Gewinnzone geführt."

Die Basler Zeitung ist mit Grübels vorzeitigem Abgang nicht zufrieden: "Als UBS-Chef übernimmt er die Verantwortung für das windige Handeln eines 31-jährigen Angestellten in London, der mehr als zwei Milliarden Franken in den Sand gesetzt hat. Grübels Abgang wird hierzulande mehrheitlich gelobt. Aber ist er auch löblich? Nein. Grübel verlässt die UBS im Moment der grössten Krise der vergangenen drei Jahre. Doch ein Kapitän sollte das Schiff nicht in Seenot verlassen, er sollte es durch den Sturm in sichere Gewässer steuern."

Grübel habe die Konsequenzen aus dem Milliardenbetrug innert zehn Tagen gezogen, schreibt Der Sonntag. Dies sei ein "starker Abgang", wenn auch ein bitterer. Der 2-Milliarden-Skandal habe am Ende mehr gewogen als die "schon fast herkulische Leistung" Grübels, die UBS wieder in die Gewinnzone zu bringen.

UBS wie weiter?

Wie geht es weiter mit der Grossbank, die seit 2008 nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen herausfindet?

Die französischsprachige L'AGEFI betont, dass die Zukunft der Investmentbanking-Sparte der UBS noch im Dunkeln liege. "Aber der Rücktritt von Oswald Grübel ist an sich eine wichtige Klarstellung. Unabhängig von der Art ihrer Verantwortung für den Unfall des Handels in London, wird der Eindruck vermittelt, dass die Schweizer Bankengruppe in der Lage ist, schnell auf ihre Stabilität-Probleme zu reagieren."

Für den Westschweizer Le Temps wird jedoch der Abgang von Oswald Grübel nicht viel ändern. "Das Problem besteht bei der der Investmentbank UBS und ihrem Status als eine Too big to fail-Institution." Darüber hinaus hinterlasse die Wahl eines interimistischen CEO den "Eindruck mangelnder Vorbereitung des Nachlasses von Oswald Grübel, der ohnehin in ein oder zwei Jahren geplant war".

Kritisch betrachtet die Sonntagszeitung das mangelnde Risikobewusstsein der Bank, die Grübels "illusorischer" Gewinnmaximierungs-Strategie gefolgt sei. Es sei an der Zeit, dass der UBS-Chef für seine Bank endlich eine verbindliche Grenze einführe: "Eine Obergrenze für Risiken, Boni und Verluste".

Und die NZZ am Sonntag fordert, die UBS müsse zurück zu ihrem Kerngeschäft finden, der Vermögensverwaltung. "Es geht darum, aus der unkontrollierten Kapitalvernichtungsmaschine eine respektable Institution zu machen, die nachhaltige, aber wohl etwas langweilige Gewinne erzielt."

Der Abgang von Oswald Grübel bedeute nicht eine grundlegende Änderung der UBS-Strategie seit dem Absturz von 2008, meint La Liberté. Der weltweite Trend in der Risikokontrolle mache es bei der Grösse der Bank unumgänglich, dass bei den Arbeitsplätzen neue Schnitte vorgenommen werden müssten. "Es liegt an Herrn Ermotti, die schmutzige Arbeit, die Herr Grübel begonnen hat, fortzusetzen.

"Ob Ermottis temporäres Mandat in ein definitives umgewandelt wird, sollte sich laut dem Corriere del Ticino bald klären: "Ermotti muss zeigen, dass er das Zeug für einen CEO hat. Und die UBS muss klar machen, dass keine Unsicherheiten bestehen, am Kurs festzuhalten."

L'AGEFI erwartet den nächsten Schritt, wenn Axel Weber den Posten von Kaspar Villiger antritt. "Er könnte mit der Schaffung einer Umbrella-Holding eine Trennung der Aktivitäten vorantreiben."

Britisch-schweizerische Untersuchung

Die britische Financial Services Authority (FSA) und die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) haben gemeinsam eine Untersuchung zu den Spekulationsverlusten der UBS eingeleitet.

Die FSA teilte mit, es werde eine "umfassende, unabhängige" Untersuchung der Zusammenhänge rund um die Milliardenverluste geben.

Die Untersuchung soll von einer spezialisierten, von der UBS unabhängigen Firma durchgeführt werden. Die Kosten soll die UBS übernehmen.

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