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Uhrenexporte Unruhen in Hongkong bereiten Schweizer Uhrenindustrie Kopfschmerzen

Die Welle von Demonstrationen gegen die Regierung hat erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft Hongkongs. Die Metropole mit mehr als 7 Millionen Einwohnern ist Ende Oktober offiziell in die Rezession geschlittert.

(Keystone)

Im Oktober hat Hongkong seinen traditionellen Status als führende Destination für Schweizer Uhrenexporte verloren. Chinesische Touristen meiden derzeit die ehemalige britische Kolonie, die sich im Griff von gewalttätigen Demonstrationen und politischer Instabilität befindet. Dies drückt stark auf die Verkäufe von Schweizer Uhren, die um über 50% einbrachen.

Weltweit gesehen haben die Exporte von Schweizer Uhren im Oktober um 1,5% auf zwei Milliarden Franken zugenommen. Dies geht aus den neusten Zahlen der Schweizer Uhrenindustrieexterner Link hervor.

Der weltweite Anstieg wurde jedoch durch einen massiven Einbruch in Hongkong gebremst. Wegen der pro-demokratischen Demonstrationen in der südostasiatischen Metropole brachen die Exporte im Vergleich zum Oktober 2018 um fast 30% ein.

Hongkong, das seit über einem Jahrzehnt den ersten Platz in der Rangliste belegte, rutschte nun ab auf den dritten Platz der wichtigsten Importeure von Schweizer Uhren in der Welt, hinter die USA und China.

Die wichtigsten Exportmärkte für Schweizer Uhren

Grafik: Die wichtigsten Exportmärkte für Schweizer Uhren

Über das gesamte Geschäftsjahr 2019 gesehen – November und Dezember fehlen noch – hält sich Hongkong allerdings mit einem Rückgang von 8,8% recht gut. Aber Achtung, diese Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen: Sie spiegeln nur die Exporte wider und nicht den Endverkauf an Kundinnen und Kunden.

Wegen seiner Befreiung von Zöllen und Mehrwertsteuer ist Hongkong jedoch eine sehr wichtige Plattform für die logistische Distribution in andere asiatische Länder, allen voran China. "Die Umsatzrückgänge auf dem lokalen Markt liegen je nach Marke und Preissegment eher zwischen 50% und 70%", schätzt Olivier Müller, Uhrenexperte bei Luxeconsultexterner Link.

Langer Weg zurück zur Normalität

Das Klima der Unsicherheit und Instabilität in Hongkong verunsichert die chinesischen Touristen stark, die traditionellerweise dort einkaufen gehen. Es sei daran erinnert, dass die Metropole bereits 2015 stark von Demonstrationen betroffen war, die damals zur Schliessung von Geschäften und einem Rückgang des lokalen Tourismus führten.

"Sollte sich die aktuelle Situation, die nun seit mehreren Monaten anhält, weiter verschärfen, könnte sich der Rückgang fortsetzen", sagt Jules Boudrand, Direktor des Uhrensektors bei Deloitteexterner Link. "Auf jeden Fall dürfte eine Rückkehr zum Wachstum in Hongkong auch nach einer Beruhigung des Klimas sehr lange dauern."

Müller zeigt sich da etwas optimistischer: "Kurzfristig ist die Situation besorgniserregend. Aber ich bin überzeugt, dass sich das Geschäft normalisieren wird, wenn Ruhe und Ordnung nach Hongkong zurückkehren. Idealerweise vor dem chinesischen Neujahrsfest (25. Januar), das in der Regel die wichtigste Verkaufsperiode für Hongkong ist", sagt er.

Andere Märkte profitieren

Zum Glück für die Schweizer Uhrenhersteller wirkt sich der Rückgang der Exporte nach Hongkong derzeit nicht so stark auf den Appetit der chinesischen Kundschaft auf Luxusuhren aus.

"Die anderen wichtigen asiatischen Märkte entwickeln sich gut. China, Japan und Singapur, die hauptsächlich von der Verschiebung des Einkaufstourismus aus Hongkong profitieren, verzeichneten alle ein zweistelliges Wachstum", sagt Boudrand.

Seit März finden in Hongkong grosse Demonstrationen gegen eine Änderung des Gesetzes über die Auslieferung an China durch die Hongkonger Regierung statt.

(Keystone)

Für Müller wird Hongkong mit seinen Einkaufstempeln, die ganz dem Luxus gewidmet sind, noch lange Zeit ein bevorzugtes Einkaufsziel für chinesische Touristen bleiben. Diese kaufen fast jede zweite Schweizer Uhr der Welt.

Wie Singapur, Seoul oder Tokio steht die ehemalige britische Kolonie jedoch unter Druck von Peking. Die chinesische Führung hat in den letzten Jahren mehrere Massnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die Chinesinnen und Chinesen ihr Geld zu Hause ausgeben und nicht auf ihren Kurzreisen ins Ausland: Verbot der Einfuhr von mehr als einer Uhr für den Eigengebrauch, Senkung der Zölle, usw.

Besorgniserregender Mengenrückgang

Trotz der Unruhen in Hongkong wird einerseits erwartet, dass der Umfang der Schweizer Uhrenexporte in diesem Jahr um fast 3% steigen wird. Andererseits befindet sich die Anzahl der exportierten Uhren im freien Fall: Es wird erwartet, dass die Schweizer Uhrmacher etwas mehr als 20 Mio. Uhren über die Landesgrenzen hinaus verschicken werden, 3 Mio. Stück weniger als 2018.

Kurz gesagt verkauft die Schweiz immer weniger Uhren, diese dafür zu immer höheren Preisen. Wie die berühmte Swatch stehen auch die Einsteigeruhren heute in einem starken Wettbewerb mit Smartwatches und müssen strengere Vorschriften für das Label "Swiss Made" einhalten.

"Das ist das Hauptproblem der Schweizer Uhrenindustrie. Eine Branche kann sich nicht nur auf den Highend-Sektor verlassen, der mit wenigen Ausnahmen wie Rolex (1 Million Einheiten) oder Omega (750'000 Einheiten) für begrenzte Mengen steht. Um die Maschinen zu betreiben und Investitionen zu finanzieren, braucht man grössere Volumen", sagt Olivier Müller.

Dieser Meinung ist auch Jules Boudrand: "Weil Quarzuhren volumenmässig immer noch den grössten Anteil am Export ausmachen (rund 70% der Menge für nur 20% des Werts), könnte sich dieser Rückgang auf die industrielle Basis in der Schweiz auswirken. Marken und Konzerne, die im mittleren und gehobenen Segment tätig sind, könnten bis zu einem gewissen Grad mit höheren Produktionspreisen konfrontiert werden."

Müller bedauert, dass die Aufgabe des Einsteiger-Uhrensegments den Wettbewerbern ermögliche, einen Markt zu erobern, in dem die Margen höher seien. "Die Uhrmacher sollten die Geschichte der Automobilindustrie studieren und sich daran erinnern, was mit jenen europäischen oder amerikanischen Automobilherstellern geschah, die über ihre japanischen oder koreanischen Konkurrenten lachten."

Infobox Ende

Kontaktieren Sie den Autor dieses Artikels auf Twitter: @samueljabergexterner Link


(Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub)

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