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Volksinitiative eingereicht Schweizer stimmen über Totalverbot synthetischer Pestizide ab

Mehr als 2000 Menschen gingen am 19. Mai 2018 auf die Strasse, um für eine ökologischere und sozialere Landwirtschaft zu demonstrieren.

(Public Eye)

Am Freitag wurde bei der Bundeskanzlei eine Volksinitiative eingereicht, die synthetische Pestizide in der ganzen Schweiz verbieten will. Mehr als 140'000 Personen unterzeichneten das radikale Anliegen.

Etienne Kuhn hat die Herausforderung gemeistert: Der in der Musikindustrie tätige 40-Jährige steht hinter der Volksinitiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizideexterner Link", die im November 2016 von einer Gruppe unpolitischer Bürgerexterner Link aus der Region Neuenburg lanciert wurde.

Pestizide in der Politik

Pestizide werden in den kommenden Jahren im Mittelpunkt der politischen Agenda stehen. Nebst der oben erwähnten Initiative wurde am 18. Januar auch die Initiative "Sauberes Wasser für alleexterner Link" in der Bundeskanzlei eingereicht. Diese fordert, dass zukünftig nur Landwirte Subventionen bekommen, die ohne Pflanzenschutzmittel oder prophylaktischem Einsatz von Antibiotika produzieren. Beide Volksinitiativen werden voraussichtlich innerhalb von zwei Jahren zur Abstimmung gebracht.

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Mit mehr als 140'000 Unterschriften in 18 Monaten ist die Initiative auf beachtliche Sympathien in der Bevölkerung gestossen. Die Vorlage will den Einsatz von Pestiziden in der Schweiz ganz verbieten, ebenso den Import von Lebensmitteln, die Pestizide enthalten. Die positive Resonanz macht Kuhn Hoffnungen.

swissinfo.ch: Wie wurde Ihre Initiative in der Phase der Unterschriftensammlung aufgenommen?

Etienne Kuhn: Die Begeisterung war unglaublich! Auf der Strasse konnten wir fast neun von zehn Personen überzeugen, den Text zu unterschreiben. Neben den Tausenden von Unterschriftenblättern, die per Post zurückgeschickt wurden, erhielten wir auch mehr als 20'000 Dankesbriefe aus der ganzen Schweiz. Wir sind mehr denn je davon überzeugt, dass wir für die Menschen sprechen. Die politischen und wirtschaftlichen Eliten haben das Ausmass des Misstrauens gegenüber Pestiziden nicht begriffen.  

swissinfo.ch: Sie waren dennoch gezwungen, Studenten zu bezahlen, um die Unterschriftensammlung abzuschliessen....

E.K.: Unser Initiativkomitee besteht aus sieben Personen, die alle im Beruf sehr engagiert und eigentlich völlig politikfremd sind. Wir haben dieses Abenteuer ohne die finanzielle Unterstützung oder Kommunikationskraft einer politischen Partei oder Nichtregierungsorganisation auf die Beine gestellt und dabei einen grossen Teil unserer Abende und Wochenenden geopfert.

Wir haben es vor allem der Mund-zu-Mund-Propaganda zu verdanken, dass unsere Initiative auch in Uri oder Lugano bemerkt wurde. Das dauerte seine Zeit und angesichts der 18-monatigen Frist für die Sammlung von Unterschriften war externe Hilfe unerlässlich. Aber wir haben immer noch zwischen 70 und 80% der Unterschriften selbst gesammelt. Mit den bescheidenen Mitteln, die aus Crowd-Funding über Internet zusammenkamen, halte ich das für ein gutes Verhältnis.

swissinfo.ch: Während der parlamentarischen Beratung Ihrer Initiative und der darauffolgenden Abstimmungskampagne werden Sie gegen die mächtigen Lobbys der Landwirtschaft und Agrochemie antreten müssen. Ist das nicht ein Kampf mit ungleichen Spiessen?

E.K.: Natürlich. Wir haben weder das riesige Budget noch die Kommunikationskanäle, die unseren Gegnern zur Verfügung stehen. Ich bin trotzdem sehr zuversichtlich, was das Abstimmungsergebnis betrifft. Politiker brauchen Wähler, und weil unsere Initiative in der Öffentlichkeit grosse Sympathie geniesst, könnten wir unerwartete Unterstützung bekommen. Wir haben den Ehrgeiz, mit unserer Initiative die traditionelle Links-Rechts-Spaltung zu überwinden und so viele Menschen wie möglich um dieses wichtige Thema zu versammeln.

swissinfo.ch: Schweizer sind nicht gerade für Revolutionen an den Urnen bekannt. Ist Ihre Initiative nicht zu radikal, um eine Mehrheit der Stimmbürger zu überzeugen?

E.K.: Absolut nicht. Die Initiative sieht eine Umsetzungsfrist von zehn Jahren vor, die es den Landwirten ermöglicht, sich schrittweise auf eine nachhaltige Produktion umzustellen. Gegenwärtig dauert es durchschnittlich vier bis fünf Jahre, um von einer konventionellen auf eine biologische Produktion umzustellen. Also ist unser Vorschlag ganz vernünftig.

Kontaktieren Sie den Autor auf Twitter: @samueljabergexterner Link


(Übertragung aus dem Französischen: Sibilla Bondolfi)

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