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Vor Olympischen Spielen in dicker Luft

Eine Welle für den Bundespräsidenten: Pascal Couchepin besucht im Olympiadorf das Schweizer Team.

(Keystone)

Einen Tag vor Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking hat Bundespräsident Pascal Couchepin die Schweizer Sportler im Athletendorf besucht. Welche Spiele werden sie erleben?

Am Freitag steigt im Vogelnest genannten Nationalstadion in Peking die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Das olympische Feuer wird dort bis am 24. August brennen.

Aber bevor die Schweizer Sportler am Donnerstag zu Bett gingen, hatten sie noch einen wichtigen Termin: Bundespräsident Pascal Couchepin besuchte sie im olympischen Dorf. Dabei überbrachte er den Schweizer Athletinnen und Athleten seine besten Wünsche für die Wettbewerbe.

Der Dachverband Swiss Olympic hat für Peking fünf Medaillen budgetiert. Aber wenn sich die Schweizer Sportler die Wünsche Couchepins so richtig zu Herzen nehmen, könnten es bis zur Schlusszeremonie gar doppelt so viele sein.

Edelmetall auf der Strasse?

Allein das Rad-Team ist für fünffaches Edelmetall gut (Fabian Cancellara, Karin Thürig, das Bahnduo Franco Marvulli/Bruno Risi, die Mountainbiker Christoph Sauser und Florian Vogel).

Den Tenniscracks Roger Federer und Stanislas Wawrinka ist zweimal Edelmetall zuzutrauen (Einzel/Doppel). Sehr hoch hängen die Trauben in der Leichtathletik. Dank seiner "Form des Lebens" und der mentalen Stärke gehört der Schweizer Marathon-Express Viktor Röthlin zum engeren Favoritenkreis über die 42,195 Kilometer.

Bei guter Tagesform und etwas Wettkampfglück liegt noch mehr drin: Fechter Michael Kauter könnte für einen Exploit sorgen, ebenso Flavio Marazzi/Enrico di Maria (Segeln). Auch bei den Reitern, die in Hongkong antreten, und den Triathleten liegt Edelmetall in der Luft.

Dicke Luft,...

Diese Luft könnte für die besten Athleten der Welt zu einem Problem werden. Die Luftqualität Pekings ist so schlecht wie noch nie an Olympischen Spielen. Die Behörden versuchen, den enormen Anteil an hochschädlichem Feinstaub zu senken. Doch die drastischen Einschränkungen des privaten Autoverkehrs sowie Umsiedlungen von Industrie-Dreckschleudern brachten bisher kaum Verbesserungen.

Der Asthmaspray ist deshalb in Peking treuer Begleiter nicht nur der Schweizer Sportler. Missions-Arzt Beat Villiger hatte im Vorfeld alle Athleten untersucht. Fast der Hälfte empfiehlt er den Griff zum Spray.

Ein Ratschlag, der nicht von allen Schweizer Athleten goutiert wird. Das Medikament darf zwar mit ärztlichem Attest in beschränkter Dosis inhaliert werden. Aber es figuriert auf der Dopingliste.

... saubere Spiele?

Womit wir beim Thema sind. Noch nie haben Verbände unmittelbar vor Beginn der Spiele so viele Athleten zurückgezogen. Russland suspendierte am 31. Juli sechs Läuferinnen. Bulgarien bleibt dem Gewichtheben fern, nach acht internen Dopingfällen. Nach Athleten aus China, Italien, Jamaika sind zwei russische Geher als vorläufig letzte Athleten aus dem Verkehr gezogen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wird in Peking 4500 Kontrollen machen. IOC Präsident Jacques Rogge rechnet mit rund 40 erwischten Betrügern. Die deutschen Werner Franke und Ines Geipel, zwei der profiliertesten Kämpfer gegen Doping, rechnen mit viel weniger.

Nur die dümmsten Athleten würden sich erwischen lassen, so Franke. Denn für die "neuen" Renner wie Wachstumshormone und Insulin gibt es immer noch keine hieb- und stichfesten Nachweise. Zudem sind laut Franke rund zehn neue EPO-Mittel auf dem Markt, die im herkömmlichen Bluttest unentdeckt bleiben.

Geipel - eine ehemalige ostdeutsche Sprinterin aus dem die jahrelang staatlichen DDR-Dopingprogramm - schreibt in ihrem neuen Buch "No Limit. Wie viel Doping verträgt die Gesellschaft?", dass Gendoping in chinesischen Spitälern bereits Realität sei. Trifft dies zu, sind Betrüger den Dopingfahndern nicht nur drei, sondern sieben Schritte voraus.

Sport vs. Menschenrechte

Doping ist aber nicht das unliebsamste Problem, mit dem sich Gastgeber China herumschlagen muss. Schwerer dürfte Peking die Kritik an der chinesischen Menschenrechtspolitik auf den Magen schlagen.

Trotz allgegenwärtiger Polizeipräsenz und rigoroser Zensurmassnahmen ist es in den letzten Tagen vor Eröffnung der Spiele zu Protesten gekommen. Das Schicksal von vier ausländischen Demonstranten ist immer noch unbekannt, die Anfang Woche in Peking verhaftet worden waren. Sie hatten auf Transparenten die Freiheit Tibets gefordert.

Dem unvoreingenommenen Zuschauer wird sich am Freitag ein Spektakel präsentieren, wie es die Welt bei der Eröffnung der Sommerspiele noch nie gesehen hat. Mit dem Feuerwerk als einem der Höhepunkte. Tausende von Raketen werden das Vogelnest in ein gleissenden, farbiges und irreales Licht rücken.

Für China ist es der Auftakt, um sich in den kommenden gut zwei Wochen als perfekte Gastgeber zu präsentieren - zur Mehrung des Ruhmes von China und der kommunistischen Partei.

swissinfo, Renat Künzi

"SÄUBERUNGEN" IN PEKING

Im Vorfeld der Spiele kritisierte Amnesty International (AI) die "Säuberung" der Strassen in der chinesischen Hauptstadt. Diese ist gegen Bettler, illegale Taxis, Süchtige und falsche Ärzte gerichtet.

Man habe zwar Verständnis dafür, dass die Behörden präventiv und sanktionierend gegen Betrügereien vorgehen würden, so AI. Doch dies gehe nur unter Einhaltung der Menschenrechte, denn bei dieser "Säuberung" würden Menschen ohne Prozess festgehalten.

Ke Yousheng von der chinesischen Mission in Genf ist anderer Meinung. Jeder, der festgehalten würde, habe auf dem Rechtsweg einen Prozess erhalten.

Als Bürger von Peking begrüsse er das Vorgehen der Behörden gegen die Scharlatane. Deren Praktiken könnten den Tod ihrer Patienten provozieren.

Was die Süchtigen betrifft, beteuert Yousheng, Peking und andere Städte hätten Rehabilitierungszentren, in welche diese von ihren Familien oder von Spezialisten hingeschickt würden. China würde nicht anders handeln als andere Länder.

Vor der Eröffnung protestierten in Peking zudem Bewohner, die aus ihren Häusern vertrieben wurden, weil das ganze Quartier abgerissen wird.

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