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Wahnsinnstat in Zug - Medien suchen nach Worten

Das Blutbad in Zug war das Hauptthema in den nationalen Medien.

(swissinfo.ch)

Das Blutbad, das ein Amokläufer am Donnerstag im Kantonsparlament von Zug anrichtete, sorgte für Schlagzeilen im In- und Ausland. Zeitungen, Radio und Fernsehen berichteten von der schrecklichen Tat.

Am Donnerstag schockierte ein Amokläufer die Schweiz. Der Mann stürmte schwer bewaffnet in das Zuger Kantonsparlament und erschoss 14 Menschen, drei Regierungsräte und elf Abgeordnete. Viele weitere Politiker und Journalisten wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Motiv der schrecklichen Tat sollen Rachegefühle gegenüber den Behörden gewesen sein. Das Blutbad prägte die Berichterstattung der nationalen, wie auch der internationalen Medien.

"Die Schweiz ist in Trauer", titelt das Boulevardblatt "Blick". Schwarzweisse Bilder der vierzehn Toten sind zu sehen sowie eine Fotografie von Nationalratspräsident Peter Hess und Bundespräsident Moritz Leuenberger, wie sie erschüttert vor den Stufen des Zuger Regierungsgebäudes stehen.

"Wut liess ihn zur Waffe greifen", schreibt die "Aargauer Zeitung" und spricht aus, was wohl viele denken: "Nein, nicht schon wieder! Schon wieder dieses Ringen nach Worten, dieses Suchen nach Vergleichbarem, diese schreckliche Einsicht, abermals einen 'Rekord' erlebt zu haben: 'So etwas' gab es in unserem Land noch nie."

Der Gedanke an die Terroranschläge in den USA kommt sofort auf, obwohl die Tat in Zug ohne jegliche Verbindung zur amerikanischen Tragödie ist. Entsprechend führt die Zeitung aus dem Mittelland weiter aus: "Der Bauch rebelliert, schluckt auch die Beruhigungspille 'kein Terror' nicht. 7000 Tote dort, 15 Tote hier, für die Angehörigen macht das keinen Unterschied. Jetzt ist auch 'bei uns' unwiederbringlich etwas anders geworden, nicht nur in der Restwelt."

Ähnliches beschäftigt auch den Kommentator des Zürcher "Tages Anzeigers": "Nichts ist mehr so, wie es war. Krieg, Bombenexplosionen, Selbstmordattentate: Fast schon gelangweilt haben wir jeweils die Berichte darüber zur Kenntnis genommen. So ganz direkt schien uns das in der sicheren Schweiz ja nicht anzugehen. Über die Amokschützen, die in amerikanischen Schulen und anderswo wahre Blutbäder anrichteten, schüttelten wir bloss den Kopf. So krank ist unsere Gesellschaft nicht, beruhigten wir uns, so etwas wird bei uns nicht so schnell passieren."

Und doch: es ist geschehen. "Zoug, 10 h 30 Démence": Mehr als das Wort Wahnsinn schreibt die welsche Zeitung "Le Temps" nicht im Titel; mehr muss wohl auch in diesem Moment nicht gesagt werden. Zweifellos wird die Tat aber noch scharfe Fragen nach der Sicherheit unserer Politiker und unserer Regierungsgebäude aufwerfen. "Institutionen und Amtsträger werden 'nach Zug' anders geschützt werden (müssen) als bisher", ist die "Basler Zeitung" überzeugt.

Es ist eine Schweizer Tradition, dass die politischen Debatten auf nationaler, kantonaler oder Gemeinde-Ebene grundsätzlich öffentlich gehalten werden. Der Zutritt zu den Parlamenten ist offen gestaltet. Wie dies allerdings in Zukunft gehandhabt werden soll, darüber wird man sich Gedanken machen müssen. Die "Neue Zürcher Zeitung" spricht die Problematik an: "Diese Tat bedroht das Vertrauen in die offene Gesellschaft, konkret in die unserem Land eigene Direktheit im Umgang mit Vertretern der politischen Institutionen."

Die Tat stiess - vielleicht weil die Welt seit dem 11. September sensibler auf solche Wahnsinnstaten reagiert - auch im Ausland auf grosses Interesse. Medien und Gesellschaft zeigten sich schockiert. Die deutsche Regierung und die parlamentarische Versammlung des Europarates gedachten der Opfer in einer Schweigeminute. Das italienische Parlament und die Regierung Liechtensteins reagierten mit Bestürzung und Anteilnahme auf die Tat.

Grosse Fernsehanstalten in Europa, aber auch CNN berichteten davon. Ausländische Zeitungen wie "Die Welt" oder "Bild" schrieben davon: "Ein Massaker, so blutig, so unfassbar. Und das in der friedlichen Schweiz." Die englisch-sprachige Presse sieht die Reputation der Schweiz als sicheres Land erschüttert: "Switzerland's reputation as one of the safest countries in the world was rudely shattered", so "The Financial Times". "The International Herald Tribune" zitiert den Zuger Bürgermeister, der in der Wahnsinnstat auch einen Angriff auf die schweizerische Demokratie sieht.

Carole Gürtler

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