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Weniger Immatrikulationen


Boom an internationalen Schweizer Schulen ist vorbei


Von Catherine McLean, Winterthur


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Die Ausbildungsmöglichkeiten für ausländische Schüler in der Schweiz nehmen ab. (Keystone)

Die Ausbildungsmöglichkeiten für ausländische Schüler in der Schweiz nehmen ab.

(Keystone)

Eine Zweigniederlassung der Zurich International School schloss im Juli ihre Tore, nachdem die Neuimmatrikulationen unter den Erwartungen geblieben waren. Sie ist nicht die einzige. Was steckt hinter der Schliessung mehrerer Privatschulen in der Ostschweiz, die auf den Nachwuchs von Expats ausgerichtet sind?

Lawrence Wood, Direktor der Swiss International School Winterthur SIS, beaufsichtigt an diesem späten Werktag-Nachmittag eine Handvoll Schüler auf dem Dachspielplatz die Seile hochklettern oder Bällen hinterher jagen.

Die Immatrikulationszahlen an seiner 14-jährigen Schule liegen mit 112 Studierenden auf einem Allzeithoch. Aber Wood muss – nach der Schliessung einer anderen internationalen Schule in der Stadt – besorgte Eltern beruhigen, dass seine Schule erhalten bleiben werde.

Während des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrtausend zügelte manche internationale Firma in die Schweiz und brachte Arbeitskräfte aus dem Ausland mit. Die Einwanderer wollten ihren Kindern eine internationale Ausbildung anbieten. In der Folge entstanden vielerorts im Land neue, auf die wachsende Zahl junger Expats ausgerichtete Schulen.

Weniger grosszügige Arbeitsverträge als Folge der ökonomischen und politischen Entwicklung in der Schweiz haben inzwischen eine Auswirkung auf die internationalen Schulen, besonders ausserhalb der grösseren Städte, wo viele Ausländer leben. Im Mai schloss die International School Winterthur nach einem Konkurs ihre Tore. Im Juli wird die Zurich International School ihren Campus in Baden schliessen. Auch die International School of Zug and Luzern plant, ihre Schule in Luzern im nächsten Jahr zu schliessen.

"Es gibt keinen Zweifel: Der Wettbewerb auf dem Expat-Markt ist hart", sagt Wood später im Gespräch in seinem Büro. "Wenn diese Familien hierher ziehen, muss man sein Bestes geben, um sie zu bekommen und zu behalten. Man kann nicht zurücklehnen und hoffen, dass sie von selber kommen. Diese Zeiten sind vorbei."

Gesetzesänderung

Während der Boom-Jahre war Wood überzeugt, dass Winterthur für zwei internationale Schulen gross genug sei, obwohl die Stadt nur etwas mehr als 100'000 Einwohner hat. In Winterthur sind mehrere globale Unternehmen ansässig. Dort niedergelassen haben sich auch Expats, die in Zürich arbeiten.

Die Schliessung der International School Winterthur (ISW) kam überraschend. Die Schule nannte zur Begründung verschiedene Faktoren. Einerseits seien weniger Firmen bereit, die Studiengebühren der Internationalen Schulen für die Kinder ihrer Angestellten gänzlich zu übernehmen. Eine Entwicklung, die auch von anderen internationalen Schulen in der Schweiz beobachtet wurde.

Kantonales Reglement

Nachdem ein Entscheid des Kantons Zürich von 1998 allen Eltern das Recht gab, ihre Kinder ohne Rechtfertigung an internationale Schulen zu schicken, machten immer mehr Eltern davon Gebrauch. Viele wollten ihren Kindern den Zugang zur englischen Sprache erleichtern.

Diese Entwicklung wollte die kantonale Bildungsbehörde stoppen und erliess 2011 ein Reglement, das schulpflichtigen Kindern im Kanton den Besuch von fremdsprachigen Privatschulen nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt:

  • Wenn die Eltern nur vorübergehend im Kanton Zürich wohnen.
  • Wenn die Eltern glaubhaft machen können, dass sie beabsichtigen, ihren Wohnsitz in ein fremdsprachiges Land zu verlegen.
  • Wenn die in einem nicht deutschsprachigen Kanton oder Land begonnene Schullaufbahn abgeschlossen werden soll.

Andererseits hat ein Reglement im Kanton Zürich von 2011, das den Kindern aus der Region den Besuch einer internationalen Schule nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt (Vgl. rechte Spalte), für niedrigere Schülerzahlen gesorgt. 2013 waren laut der lokalen Zeitung "Der Landbote" 200 Studierende an der ISW immatrikuliert. In diesem Frühjahr waren es noch 100.

Auch wirtschaftliche Probleme drücken auf die Nachfrage. Die Finanzkrise von 2008, der starke Frankenkurs sowie die Ungewissheit im Zusammenhang mit einem Immigrationsstopp, zu dem das Stimmvolk 2014 Ja gesagt hatte, lassen einige Firmen zwei Mal darüber nachdenken, ob sie sich in der Schweiz niederlassen wollen. Damit sinkt auch die Anzahl potentieller internationaler Schüler.

Einige Regionen sind stärker betroffen als andere. In der Region Genf zum Beispiel nimmt die Nachfrage für private Schulen wieder zu. 2013 hat die Gems World Academy im waadtländischen Etoy ihrer Tore geöffnet.

Für die Aufnahme an der International School of Geneva, die in Genf auf drei Campus acht Schulen betreibt, gibt es nach wie vor Wartelisten. Die Immatrikulationszahlen befänden sich im laufenden Schuljahr auf einem Allzeithoch, teilt die Schule mit. Stark sei die Nachfrage auch seitens der Schüler aus der Region, sagt Michael Kewley, Marketingdirektor der Schule. Die Präsenz der internationalen Organisationen wie der UNO, der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie zahlreicher Nicht-Regierungsorganisationen in Genf gewährleistet eine stabile Anzahl Immatrikulationen.

"Wir sind nie selbstzufrieden und beobachten den externen Marktplatz sowie verschiedene ökonomische und gesetzliche Faktoren sehr genau. Derzeit können wir keine Bremsspuren erkennen", teilt Kewley in einer E-Mail mit.

Bildungsmarkt im Wandel

Die Schliessung der ISW zwingt betroffene Eltern und Schüler, eine Lösung zu finden für den Abschluss des Ausbildungsjahres. Um die Lücke zu füllen, hat die International School of Schaffhausen 30 Schüler übernommen.

Die Schaffhauser Schule, die erst 1999 ihre Tore öffnete, gehört zu den Neuanbietern auf dem Schweizer Bildungsmarkt. Die Schule, an der mehr als 270 Schüler eingeschrieben sind, steht im Wettbewerb mit grossen internationalen Schulen in Zürich. Die Übernahme der Winterthurer Schüler bietet der Schaffhauser Schule eine Möglichkeit zu zeigen, was sie kann.

"Es war eine beträchtliche Zunahme", sagt Gundula Kohlhaas, Direktorin der Schaffhauser Schule. "In den ersten wenigen Tagen hatten wir nicht genug Stühle, und wir mussten ein paar zusätzliche Tische hineinstellen. Für die Familien und die Schüler war es wichtig, dass sie weiterhin jeden Tag zur Schule gehen konnten."

In der kleinen Stadt Baden in der Nähe von Zürich, die bei Expats beliebt ist, hatten die Eltern mehr Zeit zur Verfügung, für ihre Kinder eine neue Schule zu suchen. Dort schliesst eine weitere internationale Schule ihre Tore. Die Zurich International School (ZIS), die seit mehr als 50 Jahren existiert, hatte in Baden 2007, als die ökonomischen Aussichten für die Region vielversprechender waren, einen neuen Campus errichtet.

"Während des ersten Jahrzehnts des Millenniums gab es einen extremen Globalisierungsboom", sagt ZIS-Sprecherin Urte Sabelus. "Viele global tätige Firmen zogen damals in die Schweiz und brachten zahlreiche international mobile Familien mit." Aber die wirtschaftliche Entwicklung kann sich schnell wandeln, sagt sie. "Die Schulen müssen in dieser Hinsicht sehr flexibel sein."

Das Wachstum an der Badener Schule, wo 150 Schüler auf zehn Klassen verteilt sind, ist abgeflacht. Die Schülerzahl war nicht hoch genug, um die Kosten der Schule zu decken, und die Zukunftsaussichten verfinsterten sich, als einer der grossen Arbeitgeber in der Region beschloss, seine Energiesparte an General Electric zu verkaufen.

Zu Beginn des neuen Schuljahres liess die ZIS die Eltern wissen, dass der Badener Campus diesen Juli geschlossen werde und die Schüler auf einen der vier anderen ZIS-Campus in der Region Zürich gehen könnten, wo normalerweise 1500 Kinder eingeschrieben sind und lange Wartelisten existieren.

Weniger Schüler

Auch die International School of Zug und Luzern (ISZL), die ihre Schule in Luzern, an der rund 80 Schüler eingeschrieben sind, 2016 schliessen will, legt den Fokus auf ihre ursprüngliche Niederlassung in der international ausgerichteten Wirtschaftsregion Zug. Dort sind 750 Studierende immatrikuliert. Die meisten Schüler, die von der Schliessung in Luzern betroffen sind, werden nun nach Zug wechseln.

ISZL, die ausschliesslich auf internationale Familien ausgerichtet ist, hatte ihre Luzerner Niederlassung 2006 eröffnet. Als die internationalen Firmen weniger ausländische Angestellte mitbrachten, nahmen die Immatrikulationen ab. Nach 2013, als die Anzahl eingeschriebener Schüler wieder über 100 betrug, nahmen die Immatrikulationen laut ISZL-Sprecherin Laura Schoepfer wieder ab.

"Das Umfeld ist gereift", sagt Schoepfer. "Zuvor hatten wir ein starkes Wachstum. Jetzt befindet sich der Markt in einer Stagnationsphase. Ich denke, dass wir Stabilität haben werden."

Auch die Winterthurer SIS plant langfristig. Die Schule offeriert eine zweisprachige Ausbildung in Deutsch und Englisch. Das Konzept soll zu Wachstum verhelfen, trotz schwierigerer ökonomischer Bedingungen, sagt Ursula Gehbauer, Geschäftsführerin der SIS Swiss International Schools in Switzerland, die seit 1999 ein Netzwerk von 16 Schulen in der Schweiz, Deutschland und Brasilien aufgebaut hat.

Dank dem Zweisprachen-Konzept war die SIS Winterthur nicht von den bereits erwähnten Restriktionen des Kantons betroffen und hat seine lokalen Studierenden nicht verloren. Seitdem die Schüler auch Deutsch lernen, sind sie flexibler und können bei Bedarf in eine lokale Schule übertreten, was die Eltern sehr schätzen.

Dass die Zeiten des explodierenden Wachstums vorbei sind, stellt auch die SIS fest. Während es bei anderen SIS-Schulen in Zürich immer noch Wartelisten gibt, gibt sich die Winterthurer Schule damit zufrieden, langsam zu wachsen und in ihrem gegenwärtigen Gebäude in der Nähe des Bahnhofs zu bleiben.

 "Es ist möglich, dass wir etwas grösser werden, aber eine Wachstumsexplosion wie sie am Zürichsee oder in Basel stattgefunden hat, steht uns nicht bevor", sagt Wood.

Internationale Schulen in der Schweiz

Die Swiss Group of International Schools (SGIS) umfasst 44 internationale Schulen. Die Anzahl Schüler, die Privatschulen besuchen (zu denen auch internationale Schulen gehören), variiert stark von Kanton zu Kanton.

Am höchsten war der Prozentsatz der Schüler an Privatschulen im Schuljahr 2012/13 im Kanton Basel Stadt mit 12,6%. Den zweithöchsten Wert erreichte der Kanton Genf mit 9,1%, gefolgt von den Kantonen Tessin (6,3%), Zug (5,2%) und Zürich (5%). Am niedrigsten war der Wert im Kanton Graubünden mit 0,6%.

Die meisten internationalen Schulen unterrichten in englischer Sprache nach den Standards des "International Baccalaureate" – einem international anerkannten Hochschulzugang.


(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler)

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