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Wilderei Afrikas Tierwelt blutet

Nashörner sind Statussymbole.

(AFP)

In Afrika ist das grösste Massaker der letzten Jahre an Elefanten und Nashörnern im Gange. Die Wilderer sind immer besser organisiert und die Nachfrage boomt. Der Kampf gegen den illegalen Handel mit freilebenden Tierarten ist laut WWF gescheitert.

“Wenn es in diesem Tempo weitergeht, ist das Aussterben von grossen Säugetieren besiegelt“, sagt Pierrette Rey, Pressesprecherin von WWF Schweiz gegenüber swissinfo.ch.

2012 seien 10'000 Elefanten aus den Wäldern und der afrikanischen Savanne verschwunden. Allein in Südafrika wurden pro Tag zwei Nashörner getötet. Bis 2007 war es durchschnittlich ein Tier pro Monat, das von Wilderern erlegt wurde.

Wie man einem Bericht des WWF vom 12. Dezember entnehmen kann, ist die aktuelle Wilderei in Afrika die schlimmste seit Jahrzehnten. Für die Organisation mit Sitz in Gland, Kanton Waadt, gibt es keinen Zweifel: Der globale Kampf gegen den illegalen Handel mit freilebenden Tieren "ist gescheitert“.

Opfer der Wilderer

2012 wurden in Südafrika auf ein Bevölkerungstotal von rund 25'000 Personen 618 Nashörner illegal getötet (Stand vom10. Dezember). 2011 waren es 448 und 2007 13 getötete Tiere.

2011 wurden 5'250 Elefantenzähne  (23 Tonnen) beschlagnahmt. Die Anzahl von afrikanischen Elefanten ist von 5 Millionen im Jahr 1940 auf rund 600'000 zurückgegangen.

Jedes Jahr werden 100 Millionen Tonnen Fisch Opfer von illegalem Handel. Hinzu kommen noch 1,5 Millionen lebende Vögel und 440'000 Tonnen Heilkräuter.

Der illegale Handel mit freilebenden Tierarten generiert einen geschätzten Umsatz von 19 Milliarden von Dollar jährlich.

(Quelle: WWF, Umweltministerium von Südafrika)

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Ein Horn ist wie ein Ferrari

Die Gründe für dieses Fiasko sind vielfältig. Vor allem ist es aber die Haltung der Regierungen jener Länder, die am meisten Schuld auf sich geladen haben, unter ihnen die Republik Zentralafrika, Kamerun, die Demokratische Republik Kongo oder Kenia. "Sie haben der Wilderei nicht genügend Wichtigkeit eingeräumt. Es gibt kein Einvernehmen und keine Zusammenarbeit unter den Staaten. Es ist ein Problem des Willens, aber auch der finanziellen Ressourcen“, erklärt Pierrette Rey.

Nach  Ansicht des WWF sind die abschreckenden Mittel, die Strafverfahren und die Sanktionen "unglaubwürdig“. In der Nordwest-Provinz in Südafrika riskieren die Wilderer eine Busse von höchstens 14'000 Dollar. Der Handel von fünf Gramm Kokain wird hingegen mit einer Strafe von fünf Jahren Gefängnis geahndet.

Der WWF richtet sein Augenmerk auf die Empfängerländer. Vietnam, China und Thailand “sind klar verantwortlich für den Anstieg der Nachfrage nach Elfenbein und dem Horn der Nashörner“, unterstreicht Pierrette Rey.

In Vietnam sind es besonders die gut situierten Leute, die dem illegalen Handel Vorschub leisten. Nicht nur die angeblich aphrodisiakischen und krebsverhindernden Eigenschaften des Horns sind für die "neuen Reichen“ attraktiv. Es ist auch der soziale Status, der mit dem Produkt einhergeht.

"Ein Horn zu besitzen ist wie einen Ferrari zu besitzen, es ist ein Symbol für Reichtum“, sagte der südafrikanische Journalist Julian Rademeyer der Zeitung Le Temps.

"Auch in China, dem wichtigsten Exportland für Elfenbein, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Anstieg der illegalen Elefantenjagd und dem Anstieg der Kaufkraft der Konsumenten“, ist in einem Bericht des WWF nachzulesen.

Wilderer in Helikoptern

Um den weltweiten Bedarf nach freilebenden Tierarten zu befriedigen, benutzen kriminelle Gruppen die neuesten Technologien, wie das weltweite Netzwerk für das internationale Artenschutzprogramm TRAFFIC feststellt.

"Wir konnten in Südafrika  zum ersten Mal Wilderer beobachten, die Helikopter, ausgestattet mit Nachtsichtgeräten und schweren Waffen benutzten“, so Tom Milliken, Verantwortlicher für das Elefanten- und Nashornprogramm von TRAFFIC. Ein Kurier kann innerhalb von 24 Stunden die Ware in Südafrika holen und in Vietnam mit den Hörnern der Nashörner im Handgepäck wieder einreisen.

Die Aktivitäten der Wilderer sind extrem lukrativ. Die Hörner der Rhinozerosse verkaufen sich für über 60‘000 Dollar das Kilo, ein Preis, der höher ist als der Goldpreis. Elfenbein wird als Fluchtwert betrachtet und der Preis steigt jährlich um 30%, erklärt TRAFFIC.

Nach dem Drogen-, dem Menschenhandel und den Fälschungen macht der Handel mit freilebenden Tieren und Pflanzen mit einem geschätzten Umsatz von 19 Milliarden Dollar jährlich ein Viertel des gesamten illegalen Handels aus.

Ein Markt, der die Biodiversität gefährdet  und die Verbreitung von Infektionskrankheiten erleichtert. Aber nicht nur. "Diese kriminellen Gruppierungen können die Stabilität und die Souveränität von afrikanischen Staaten in Gefahr bringen und so ihr Wachstum bremsen“, warnt Pierrette Rey. Oft wird der Gewinn für die Finanzierung von lokalen Konflikten und terroristischen Aktivitäten verwendet. Es ist beispielsweise offensichtlich, dass die der Al-Kaida nahe stehende, somalische Gruppe Al-Shabaab ihre Aktivitäten mit Geld aus dem Verkauf von illegalen Tierprodukten finanziert.

Bewusstsein entwickeln

Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, brauchen wir ein stärkeres Bewusstsein. Wir müssen uns systematischer und entschiedener dem Problem stellen. Die Handelswege und Umschlagplätze müssen wir akribisch unter die Lupe nehmen. Es braucht transnationale Strategien, und die minderbemittelten Länder brauchen Zugang zu modernen Instrumenten, wie zum Beispiel die genetische Kartographie für das Aufspüren der Herkunft von Produkten.

"Die Verantwortlichen müssen auf exemplarische Weise bestraft werden“, meint Pierrette Rey. Anfang November 2012 verurteilte ein Gericht in Johannesburg einen Thailänder wegen illegalen Handels mit Horn zu 40 Jahren Gefängnis. Dies ist die strengste Strafe, die jemals gegen einen Händler ausgesprochen wurde. "Ein erster Schritt in die richtige Richtung“.

Die Schweiz und das Elfenbein

Die Schweiz hat eine "unbedeutende Rolle als Durchgangsland für Elfenbein“ erklärt das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) gegenüber swissinfo.ch.

"Die Beschlagnahmungen in unserem Land belaufen sich auf zehn pro Jahr. Der grösste Teil des Elfenbeins ist für den privaten Handel, als Souvenir oder als Geschenk bestimmt", präzisiert Nathalie Rochat, Pressesprecherin des BVET.

"Es gibt zwar Händler, die durch die Schweiz reisen, doch wir können nicht von einer internationalen Drehscheibe sprechen“, bestätigt auch Pierrette Rey, Pressesprecherin von WWF Schweiz.

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Schweiz: Verschärfung

Auch in der Schweiz ist eine Verschärfung vorgesehen, sagt Mathias Lörtscher vom Bundesamt für Veterinärwesen. "Bis heute sind Strafen bis zu 40'000 Franken ausgesprochen worden - das vorgesehene Maximum.  Ab Mai 2012 wird ein neues Gesetz in Kraft treten, das Bussen bis zu einer Million vorsieht.“

In Zukunft müssen auch die Sensibilisierungskampagnen neu beurteilt werden. Bis anhin haben sie nicht die gewünschte Wirkung erzielt, räumt der WWF ein. "Sie wurden in einem zu engen Rahmen und in einer zu kurzen Zeitspanne durchgeführt“, stellt Pierrette Rey fest.

„Konsumenten, die an eine medizinische Wirkung eines Produktes glauben, sind schwer umzustimmen. Es ist jedoch unerlässlich aufzuzeigen, dass das Horn der Nashörner auf die Gesundheit keinen Einfluss hat. Doch dazu braucht es Zeit.“


(Übertragung aus dem Italienischen: Christine Fuhrer), swissinfo.ch

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