Wirtschaft soll friedensfördernd wirken

Immer wieder sind Rohstoffe die Auslöser von Konflikten: Das ist das Fazit der Studie.

(Keystone)

Eine von der Schweiz unterstützte UNO-Studie ersucht die grossen Konzerne um Mithilfe bei der Bewältigung von grossen Konflikten.

Das Projekt legt Richtlinien vor, um von Krieg oder Krisen betroffene Wirtschafts-Systeme wieder in Gang zu setzen.

Die Privatwirtschaft kann die Lage in Konfliktgebieten erheblich beeinflussen. Die von der Schweiz mitfinanzierte Studie "Enabling Economies of Peace" wurde am Donnerstag im UNO-Hauptsitz in New York vorgestellt.

Öl, Minen, Gas und das Geschäft mit den Rohstoffen sind nach der Studie oft die Ursache von Konflikten oder beeinflussen diese dramatisch.

Weiter zeigt die Studie Möglichkeiten auf, wie Regierungen und internationale Organisationen die Privatwirtschaft zu "konflikt- sensitiver" Geschäftsführung anhalten können. Nun sollen Regeln eingeführt werden, welche die Wirtschaft friedensfördernd entwickeln.

Wenn der Umgang mit Rohstoffen diskutiert werde, müssten neben Regierungen auch Wirtschaftsvertreter am Tisch sitzen, sagte der Schweizer Botschafter bei den Vereinten Nationen, Peter Maurer bei der Vorstellung der Studie.

Maurer machte auf die Kommmission zur Friedensförderung aufmerksam, die im Zuge der UNO-Reform gegründet werden soll. Die Kommission soll auch die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft pflegen.

Kritische Stimmen

Nichtregierungs-Organisationen stehen dem Global Compact nicht vorbehaltlos positiv gegenüber.

So sagt Peter Niggli, Geschäftsleiter der Arbeitsgemeinschaft der sechs grossen Schweizer Hilfswerke "swisscoalition", zu swissinfo: "Wir haben gegenüber dem Global Compact eine kritische Haltung, wegen seiner mangelnden Verbindlichkeit. So können Firmen profitieren und ihr Image verbessern, ohne grosse Anstrengungen dazu unternehmen zu müssen."

Als nutzlos will Niggli den Pakt zwischen Politik und Wirtschaft jedoch nicht bezeichnen: "Allein schon, dass im Rahmen des Global Compacts darüber diskutiert wird, welche Rolle die Wirtschaft bei Friedensbemühungen einnehmen könnte, ist für sich schon positiv."

16 von 2000

Die Studie wurde vom UNO-Programm "Global Compact" kommissioniert. Dem 1999 von UNO-Generalsekretär Kofi Annan ins Leben gerufenen Bund mit der Privatwirtschaft gehören mittlerweile über 2000 Unternehmen an.

Auch 16 Schweizer Firmen, darunter Grössen wie ABB, Adecco, Credit Suisse, Holcim, Novartis, Nestlé und UBS, haben die Initiative unterschrieben.

Mit Grundsätzen zu besserer Unternehmungspolitik

Die dem Global Compact der Vereinten Nationen beigetretenen Unternehmen verpflichten sich zur Umsetzung von zehn Grundsätzen im Rahmen ihrer Unternehmungspolitik.

Die zehn Grundsätze orientieren sich an der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der Erklärung über die grundlegenden Prinzipien und Rechte bei der Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und den Grundsätzen der Erklärung von Rio zu Umwelt und Entwicklung.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Der Global Compact wurde 1999 am Weltwirtschafts-Forum in Davos durch UNO-Generalsekretär Kofi Annan lanciert.

Die Unterzeichner sollen sich an die "good corporate practices" halten, 10 ethische Regeln, welche die Auswirkungen der Globalisierung für alle Menschen positiver gestalten sollen.

Die Regeln basieren auf der Achtung der Menschenrechte, der Arbeitsrechte sowie dem Umweltschutz auf der Basis der Rio-Grundsätze und sollen freiwillig beachtet werden. So sind auch keine Sanktionen bei Nichteinhaltung vorgesehen. Gerade dies wird von Kritikern beanstandet.



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