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Volksabstimmung

Drei Themen, aber kein grosses Interesse

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Wirtschaft  
Die drei Themen werden kaum einen grosse Ansturm auf die Wahllokale auslösen.Legende:

Die drei Themen werden kaum einen grosse Ansturm auf die Wahllokale auslösen. (AFP)

Von Andreas Keiser, swissinfo.ch
17. Juni 2012 - 12:00

Managed Care, Staatsverträge und Bausparen: Darüber hat die Schweiz am Wochenende an der Urne abgestimmt. Laut letzten Umfragen der SRG SSR zeichnet sich ein dreifaches Nein ab. Mit unter 40% werde die Stimmbeteiligung unterdurchschnittlich ausfallen.

Die Umfragen im Vorfeld des Abstimmungswochenendes deuten auf ein dreifaches Nein hin. Am deutlichsten werde dieses zur so genannten Managed-Care-Modell ausfallen. 58% der Stimmenden hätten ein Nein in die Urne geworfen, wenn Ende Mai abgestimmt worden wäre. Anfang Mai hatten lediglich 44% angegeben, Nein stimmen zu wollen.
 
Managed Care, das sind Ärzte-Netzwerke, zu denen sich verschiedene Ärzte (Hausärzte, Spezialärzte, Physiotherapeuten etc.) zusammenschliessen und die Betreuung der Patienten untereinander koordinieren. Das Parlament und der Bundesrat erhoffen sich von dieser Revision des Krankenversicherungs-Gesetzes eine Eindämmung der Gesundheitskosten.

"Zweiklassenmedizin" oder "mehr Effizienz"?

Dass eine Behördenvorlage im Vorfeld der Abstimmung so schlecht wegkomme, bezeichnete gfs-Studienleiter Claude Longchamp als "aussergewöhnlich und sehr selten". Ungewöhnlich sei auch, dass das Nein quer durchs Land, die Sprachregionen und die Anhänger der politischen Parteien gehe.
 
Die Befürworter führen in der Abstimmungskampagne die "bessere Qualität der Behandlung" und "mehr Effizienz" als Argumente für Managed-Care-Modelle ins Feld. Die Gegner sprechen im Falle eines Ja von einer "Zweiklassenmedizin" und dem Ende der "freien Arztwahl".

Riegel schieben

Ebenfalls auf ein Nein deuten die Umfragen im Falle der beiden Volksinitiativen "Eigene vier Wände dank Bausparen" und "Staatsverträge vors Volk". Auch hier hat das jeweilige Nein-Lager in den vier Wochen zwischen erster und zweiter Befragung deutlich zugenommen.
 
Die Staatsvertrags-Initiative verlangt, dass alle völkerrechtlichen Verträge dem Volk zur Abstimmung unterbreitet werden müssten. Wenn am 29. Mai darüber abgestimmt worden wäre, hätten 55% Nein gestimmt. Lediglich die Anhänger der SVP befürworten die Initiative mehrheitlich. In allen andern Parteien und in allen Landesteilen dominiert die Ablehnung.
 
Laut den Initianten der Initiative muss der Aushöhlung der Souveränität ein Riegel geschoben werden. "Schlechte Verträge, wie das Schengen-Abkommen, könnten so eher abgewendet werden", sagt Hans Fehr, Nationalrat der SVP gegenüber swissinfo.ch. "Wir haben heute die Situation, dass lediglich ganz zentrale Weichenstellungen wie ein EU- oder NATO-Beitritt dem obligatorischen Referendum unterstellt sind."
 
Bei allen andern wichtigen Bereichen, wie den Kohäsions-Zahlungen und der Ausweitung der Personenfreizügigkeit sei das nicht der Fall. "Das höhlt die Souveränität der Schweiz und unsere Volksrechte aus. Da wollen wir einen Riegel schieben".

Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit

Der Bundesrat und die Mehrheit des Parlaments lehnen die Volksinitiative ab. Die Initiative würde die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz schmälern, weil Wirtschaftsabkommen erst mit ein paar Monaten Verspätung in Kraft treten könnten, sagte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann bei der Lancierung der bundesrätlichen Kampagne gegen die Initiative.
 
Über "alles, was die Schweizer Bevölkerung als wichtig erachtet", könne bereits heute abgestimmt werden, sagt CVP-Nationalrat Gerhard Pfister gegenüber swissinfo.ch und verweist auf die Möglichkeit, das Referendum zu ergreifen.
 
"Insofern sind die Mitspracherechte des Volkes schon jetzt gewährleistet. Der Verdacht drängt sich auf, dass die Initianten nicht eine höhere Volksbeteiligung wollen, sondern mit dem Ausgang von Volksentscheiden nicht zufrieden sind und nun Hürden aufbauen wollen, um diese Entscheide in ihre Richtung zu drehen", so Pfister.

Volk- und Ständemehr notwendig

Die Bauspar-Initiative, die landesweit steuerliche Abzüge für Bauspareinlagen ermöglichen will, kommt auf einen Nein-Anteil von 45%. Dieser werde jedoch – wie bei Volksinitiativen üblich – bis zur Abstimmung tendenziell eher zunehmen, sagte Longchamp. Das linke Lager und auch die Christdemokraten sind gegen das Begehren. Dafür sind die bürgerlichen Parteien und der Hauseigentümerband.
 
Die beiden Initiativen verlangen jeweils eine Verfassungsänderung. Für eine Annahme sind das Volks- und das Ständemehr notwendig. Bei der Gesundheits-Vorlage würde das Volksmehr genügen.

Andreas Keiser, swissinfo.ch

 
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