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Bestechungsskandal


Überraschender Rücktritt von FIFA-Präsident Sepp Blatter


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Joseph Blatter verlässt nach seiner Rücktrittsankündigung das Rednerpult. (Keystone)

Joseph Blatter verlässt nach seiner Rücktrittsankündigung das Rednerpult.

(Keystone)

Vier Tage nach seiner Wiederwahl zum FIFA-Präsidenten erklärte Sepp Blatter an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz am FIFA-Sitz in Zürich überraschend seinen Rücktritt. Bis zu den Neuwahlen nächsten Winter will er die Geschäfte weiterführen.

Er habe sich ernsthafte Gedanken über seine Präsidentschaft und die 40 Jahre bei der FIFA gemacht, sagte Blatter zu Beginn seiner in Französisch gehaltenen Rede. "Die Wahl ist vorbei, die Herausforderungen für die FIFA allerdings nicht." Die FIFA brauche tiefgreifende Reformen. Er habe zwar ein Mandat von den FIFA-Mitgliedern erhalten, spüre allerdings nicht die Unterstützung der gesamten Fussball-Welt. Er fühle sich verpflichtet, seine Präsidentschaft zur Verfügung zu stellen, dies sei das Beste für die Organisation. "Ich will für die FIFA und den Fussball nur das Beste", so Blatter.

"Wir brauchen einen tiefgreifenden Strukturwandel"

Der 79-jährige Walliser wird sein Amt niederlegen, sobald ein Nachfolger bestimmt worden ist. Dieser soll an einem ausserordentlichen, vom FIFA-Exekutivkomitee einberufenen FIFA-Kongress gewählt werden. Der Kongress soll zwischen Dezember 2015 und März 2016 stattfinden. Der nächste reguläre Kongress ist erst auf Mitte Mai 2016 in Mexico-City angesetzt. So lange will Blatter nicht warten: "Dies würde eine unnötige Verzögerung bedeuten."

Blatter kündigte hingegen an, er wolle sich in der Zeit bis zu seinem Rücktritt auf tiefgreifende Reformen im Weltfussballverband fokussieren. "Wir brauchen einen tiefgreifenden Strukturwandel", sagte der FIFA-Chef gemäss Redetext.

Platini: "Schwierige und mutige Entscheidung"

"Wir brauchen Amtszeitbeschränkungen nicht nur für den Präsidenten, sondern für alle Mitglieder des Exekutivkomitees." Zudem müsse das Exekutivkomitee verkleinert werden, und dessen Mitglieder müssten in Zukunft vom FIFA-Kongress gewählt werden. Blatter schloss seine Erklärung mit den Worten: "Was mir am wichtigsten ist: Wenn all das vorbei ist, soll der Fussball der Gewinner sein."

UEFA-Präsident Michel Platini, der Blatter einen Tag vor dessen erneuter Wahl den Rücktritt nahegelegt hatte, begrüsste Blatters Schritt: "Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung", erklärte Platini in einer schriftlichen Stellungnahme.

Auch er im Visier?

Blatter war am letzten Freitag im Zürcher Hallenstadion von den 209 Mitgliedern der FIFA für eine fünfte Amtsperiode wiedergewählt worden. Im Vorfeld des Kongresses war es zur Verhaftung von sieben FIFA-Funktionären wegen Korruptionsverdacht gekommen.

In den vergangenen Tagen war gemutmasst worden, dass Blatter nach den Verhaftungen von mehreren FIFA-Funktionären ebenfalls im Visier der US-Behörden stehen könnte. Diesbezüglich machte der scheidende Präsident vor den Medien keine Angaben. Am Samstag beginnt die Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen in Kanada, zu der Blatter erwartet wird.

Unklar ist, was juristisch auf Blatter zukommt. Die Bundesanwaltschaft (BA) plant zwar weiterhin kein Verfahren gegen Blatter. Der Rücktritt als FIFA-Präsident habe darauf keinen Einfluss. Das laufende Strafverfahren wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der Geldwäscherei sei gegen unbekannt eröffnet worden. Weitergehend äussere sich die BA nicht.

10 Millionen an Jack Warner

In den Korruptionsermittlungen in der Schweiz und den USA geht es um den Verdacht, dass bei der Vergabe von Grossereignissen wie Weltmeisterschaften Schmiergeld geflossen sein könnte. Wenige Stunden vor Blatters Rücktrittsankündigung hatte die Affäre weitere Kreise gezogen.

Die New York Times berichtete, die ins Visier der US-Behörden geratene Überweisung der FIFA von 10 Millionen Dollar an ihren früheren Vizepräsidenten Jack Warner solle von Generalsekretär Jérôme Valcke veranlasst worden sein. Der Weltfussballverband wies die Vorwürfe zurück.

"Kein Sündenbock"

Nachdem Verteidigungsminister Ueli Maurer den scheidenden FIFA-Präsidenten Sepp Blatter vergangene Woche noch gestützt hatte, nimmt der Bundesrat nun keine Stellung zum angekündigten Rücktritt des 79-Jährigen.

Dies sagte Bundesratssprecher André Simonazzi auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Maurer hatte am FIFA-Kongress in Zürich gesagt, es gehe nicht an, Blatter zum Sündenbock zu stempeln. Dieser habe "Hervorragendes" für den Fussball geleistet.

"Endlich! Blatter tritt zurück"

Zu Wort meldete sich am Dienstagabend dafür der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga: "Es brauchte seine Zeit, bis Sepp Blatter bewusst wurde, dass er das Problem ist!", schrieb Sommaruga auf Twitter. Auch Carlo Sommarugas Nationalratskollege Balthasar Glättli (Grüne/ZH) zeigte sich auf Twitter erleichtert: "Endlich! Blatter tritt zurück."

Sommarugas Partei hatte nach den Vorkommnissen von vergangener Woche mit Verhaftungen mehrerer FIFA-Funktionäre ein härteres Vorgehen gegen Korruption und Bestechung gefordert. Beim Korruptionsstrafrecht, das der Ständerat am Mittwoch berät, müsse Privatbestechung zum Offizialdelikt erklärt werden.

Ausserdem müsse der Status der FIFA als Verein in Frage gestellt werden. Die Schweiz mache sich lächerlich, wenn sie das Milliardenunternehmen FIFA rechtlich und steuerlich "gleich behandle wie einen Kaninchenzüchterverein".

Blatter, der seit 1975 bei der FIFA tätig ist, steht dem Weltfussballverband seit 1998 vor, als er die Nachfolge des Brasilianers João Havelange angetreten hatte.

swissinfo.ch und Agenturen

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