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Schweizer Botschaft Berlin


Vom Niemandsland ins quirlige Leben


Von Petra Krimphove, Berlin


Die Schweizer Botschaft in Berlin: mitten im Regierungsviertel, aber dennoch ein Solitär auf Distanz. (Keystone)

Die Schweizer Botschaft in Berlin: mitten im Regierungsviertel, aber dennoch ein Solitär auf Distanz.

(Keystone)

Die Schweizer Botschaft in Berlin könnte ihre herausragende Präsenz im dortigen Regierungsviertel verlieren. Nach Plänen der Berliner CDU soll das derzeit noch solitär neben dem Kanzleramt stehende Gebäude wieder Teil eines lebendigen Viertels im dortigen Spreebogen werden.

Von allen Seiten weithin sichtbar thront das alte Palais derzeit mit seinem im Jahr 2000 eingeweihten modernen Anbau inmitten von Grünanlagen und mit gebührendem Abstand zur weiteren Bebauung. Auf dem Dach weht die Schweizer Fahne. Kein Zweifel, wer hier Hausherr ist. Die eidgenössische Botschaft ist ein Blickfang, der die visuelle Präsenz der Schweiz in der deutschen Hauptstadt merklich erhöht. Das gilt nicht nur für den Polit-Betrieb. Direkt nebenan tummeln sich täglich viele Tausend Besucher aus aller Welt auf der Wiese vor dem deutschen Parlament. Wer dieses vom Hauptbahnhof aus ansteuert, kann die Botschaft nicht verpassen, zumal es die einzige diplomatische Vertretung an dieser Stelle ist. Die meisten anderen Ländervertretungen reihen sich wenige Kilometer westlich entlang des Tiergartens auf.

Doch so attraktiv deren Lage, so unbestreitbar liegt die eidgenössische Vertretung in einer Art Niemandsland, die abends keinerlei Anziehungspunkt bietet. Von dem quirligen urbanen Berlin mit seinen Kiezen, Kneipen und Attraktionen ist hier wenig zu spüren. Botschafterin Christine Schraner Burgener geniesst aus ihrem Fenster zwar einen freien Blick auf die wichtigsten Gebäude im Berliner Regierungsviertel. Sie muss sich aber auch ein wenig vorkommen wie eine Burgherrin, abgeschnitten vom wahren Leben der Hauptstädter.

Das Regierungsviertel um 1930. (zVg)

Das Regierungsviertel um 1930.

(zVg)

"In dieser Ödnis könnte ein lebendiges Viertel entstehen", wünscht sich der Berliner Politiker Stefan Evers, Stadtplanungsexperte der Christlich Demokratischen Union (CDU) und stellvertretender Fraktionschef. Wieder entstehen, müsste es eigentlich heissen. Denn vor dem Zweiten Weltkrieg lag die Schweizer Botschaft inmitten eines vornehmen Wohnviertels mit eleganten Villen, nur einen Steinwurf von der Prachtmeile "Unter den Linden“ und dem Brandenburger Tor entfernt. Bombardierungen legten die meisten Gebäude zwischen 1943 und 1945 in Schutt und Asche – bis auf jene Villa, die schon damals dem Schweizer Staat gehörte.

Filetstück im Regierungsviertel

Wie ein Solitär stand sie in den folgenden Jahrzehnten nahe dem Todesstreifen, der die Stadt bis 1989 teilte. Die westdeutsche Regierung machte nach dem Zweiten Weltkrieg Bonn zu ihrer Hauptstadt, doch die Schweizer hielten in Berlin an ihrem Gebäude fest. Ein Versuch, es zu verkaufen, scheiterte. Zum Glück, mag man sich später gedacht haben. Denn als Berlin wieder zur Hauptstadt wurde, verfügten die Eidgenossen damit über ein Filetstück mitten im neu entstehenden Regierungsviertel. Berlins Fluss Spree, der hier einen grossen Bogen schlägt, diente den Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank damals bei ihrer Planung als roter Faden für das "Band des Bundes". Eigentlich sollte neben der Botschaft ein grosses Bürgerforum entstehen, doch das wurde aus Kostengründen verworfen. Seither wartet die Fläche auf eine neue Bestimmung.

"Isolierte Schweiz"

Ziel sei es, "das Parlamentsviertel zurück in die Stadt zu holen", sagt Evers gegenüber swissinfo.ch. Denn an die einstige Lebendigkeit konnte das Viertel bis heute nicht anknüpfen. Wie auch, es ist dominiert von gigantischen Regierungsgebäuden und grossflächigen Grünflächen, die allerdings wenig zum Verweilen einladen. Keine Gaststätte, keine Geschäfte weit und breit.

Neben Büros sollen Gastronomie, Handel und Wohnungen den Spreebogen beleben. Die Berliner CDU-Fraktion will sich in der nächsten Legislaturperiode für den Bau eines ganzen Stadtquartiers an dieser Stelle stark machen. Evers basiert seinen Vorstoss auf einen Entwurf, den der Berliner Architekt Bernd Albers bereits vor einigen Jahren erstellt hatte. 

Der aktuelle Plan zur Überbauung des Berliner Regierungsviertels. (Bernd Albers)

Der aktuelle Plan zur Überbauung des Berliner Regierungsviertels.

(Bernd Albers)

Die Schweizer Botschaft würde demnach in eine grossflächige Bebauung des Spreebogens integriert. Bernd Albers schwebt eine Parzellierung in einzelne normal- bis mittelgrosse Gebäude vor, "eine typische Berliner Blockbebauung", wie er gegenüber swissinfo.ch erklärt. "Es müsste doch eigentlich auch im Interesse der Schweizer sein, ihre isolierte Lage zu ändern", sagt der Architekt, der viele Jahre in Zürich gelebt hat. "Die derzeitige Situation ist ja nicht befriedigend." 100'000 Quadratmeter Wohn-, Geschäfts- und Bürofläche sollen hier entstehen – quasi um die Botschaft herum. Zur Spree soll eine "Promenade mit urbaner Qualität" das Viertel mit Leben füllen. 

Das Projekt wird noch viel zu reden geben

Von Seiten der Botschaft will sich man sich auf Anfrage von swissinfo.ch zu diesen Plänen nicht äussern. Noch sind diese nichts als Zukunftsmusik. Das Land Berlin ist Eigentümerin der fraglichen Grundstücke. Doch im Regierungsviertel muss man eine Einigung mit dem Bund und dessen Sicherheitsbedürfnissen finden. Architekt Albers sieht darin eine der grössten Herausforderungen für das Projekt. Der Bebauungsplan sieht derzeit hier eine Grünfläche vor. Er müsste im Konsens von Bund und Land geändert werden, erst dann könnte eine Ausschreibung erfolgen.

Die Bundesregierung könnte an neuen Bürogebäuden durchaus Interesse haben. Noch residieren einige Bundesministerien mit tausenden Mitarbeitern in Bonn. Doch seit langem mehren sich die Stimmen, die einen kompletten Restumzug nach Berlin fordern. Damit würde der Bedarf an Büroraum im Regierungsviertel wachsen. Der soll nach Evers Vorstellung in dem Spreebogen ebenso entstehen wie privater Wohnraum, den Berlin derzeit dringend benötigt.

Architekt Albers und Politiker Evers schätzen, dass sie in zwei Jahren der Realisierung ein gutes Stück näher sein könnten. Evers möchte sich nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im September dieses Jahres mit den betroffenen Parteien und auch der Schweizer Botschaft an einen Tisch setzen. Vorausgesetzt, seine Partei ist an der nächsten Regierung Berlins beteiligt. Das steht derzeit in den Sternen. Bernd Albers will seinen Entwurf daher auch gar nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen. Wer ihn letztendlich vorantreibt, ist ihm egal. Hauptsache, im Spreebogen tut sich endlich städtebaulich endlich etwas. 

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