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Wirtschaftskriminalität in der Schweiz Senioren besonders von Diebstahl und Betrug betroffen

Deux personnes discutent sur un banc public

61% der befragten Personen gaben nicht an, dass sie Opfer von Missbrauch geworden sind.

(Keystone)

Jeder vierte Senior ist in den letzten fünf Jahren Opfer eines Raubüberfalls oder Betrugs geworden. Die von Pro Senectute in Auftrag gegebene Studie zeigt erstmals das Ausmass des Missbrauchs von Menschen über 55 Jahren.

Ältere Menschen sind ein Hauptziel für Diebe und Betrüger aller Art. Eine vom Verein Pro Senectuteexterner Link in Auftrag gegebene Studieexterner Link zeigt das Ausmass des Finanzmissbrauchs älterer Menschen mit Wohnsitz in der Schweiz: Unter den über 55-Jährigen war in den letzten fünf Jahren jede vierte Person von Diebstahl oder Betrug betroffen. Jede fünfte Person erlitt dabei einen finanziellen Verlust.

Die Studie

Sie wurde vom Verein Pro Senectute, der grössten Organisation für Senioren und deren Familien in der Schweiz, in Auftrag gegeben.

Durchgeführt wurde sie vom Institut zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität an der "Haute école de gestion Arc" in Neuenburg.

Zwischen Februar und März 2018 beantworteten 1257 Menschen über 55 Jahre aus allen Sprachregionen per Post oder Telefon einen Fragebogen mit 50 Fragen.

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Die gestohlene Summe variiert in der Regel zwischen 300 und 400 Franken. Der grösste in dieser Studie gemeldete Verlust beträgt mehr als 500'000 Franken. Würde man die Ergebnisse auf alle in der Schweiz lebenden Personen über 55 Jahre ausweiten, ergäbe dies einen Verlust von rund 400 Millionen Franken pro Jahr.

Diebstahl verursacht Schäden

Fragwürdige Geschäftspraktiken sind die am häufigsten gemeldeten Betrugsfälle (59%). Dazu gehört beispielsweise der Verkauf unnötiger Dienstleistungen (Abonnements, Hausarbeiten, Versicherungen, Hörgeräte oder Sicherheitssysteme) oder unerwünschter Waren (Wein, Kosmetik, Lebensmittel).

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle werden Verträge telefonisch abgeschlossen, und Direktverkäufer können die hörgeschädigte oder verwirrte Person davon überzeugen, Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die diese nicht will. Die meisten Opfer kommen jedoch ohne finanzielle Verluste davon.

Graphique abus financiers

Grafik von verschiedenen Formen des Finanzmissbrauchs

Die Missbräuche, welche die schwerwiegendsten Folgen haben, sind Diebstahl. Sie betreffen nur 13% der gemeldeten Handlungen, aber in fast 9% der Fälle erleiden die Opfer finanzielle Verluste, die oft von einem Gefühl der Angst, Unsicherheit und Belästigung begleitet werden.

In Bern missbrauchte ein Dieb die Hilfsbereitschaft von Heinz Wyss und klaute diesem auf offener Strasse 1000 Franken aus dem Portemonnaie. 

SRF Video Betrug an Senioren

Opfer eines Diebstahls auf der Strasse

Missbrauch durch Angehörige

Unter den anderen genannten Missbräuchen sind 28% Formen der Cyberkriminalität (Phishing, Falschanzeigen) oder Betrug (falsche Rechnungen, Fremder in Not, falsche Gewinnversprechen).

Die Studie zeigt, dass sich Männer (28%) mehr Sorgen über Finanzmissbrauchs-Versuche machen als Frauen (23%). Menschen zwischen 55 und 64 Jahren sind von fragwürdigen Geschäftspraktiken, Cyberkriminalität und Betrug stärker betroffen als andere Altersgruppen. Menschen über 85 Jahren sind häufiger Opfer von finanziellem Missbrauch durch Angehörige.

Die Ergebnisse zeigen auch einen Unterschied zwischen den Sprachregionen: Ältere Menschen in der Westschweiz sind häufiger Opfer (36%) als jene in der Deutschschweiz (23%) oder in der italienischen Schweiz (12%).

Die Studie nennt zwei Faktoren, die diese Unterschiede erklären: Die Sprache – es gibt mehr Frankophone auf der Welt als Deutsch- oder Italienischsprachige und damit mehr potenzielle Betrüger – und den Zugang zu Informationen – die deutschsprachigen Schweizer sagen, dass sie über Betrügereien besser informiert seien als ihre Nachbarn im Westen der Schweiz.

Ziel dieser Studie war es, das Ausmass des Phänomens in der Schweiz genauer zu messen, um gezielte Präventionsmassnahmen zu entwickeln.

Das Ergebnis zeigt eine besonders besorgniserregende Erkenntnis: 61% der Befragten haben nie jemanden über den Missbrauch informiert, den sie erlitten hatten. Pro Senectute ist der Ansicht, dass die Aufhebung des Tabus und die Möglichkeit, offen über dieses Thema zu sprechen, wichtige Präventivmassnahmen sind.

Die häufigsten Missbräuche

Versuche: Verkauf unerwünschter Dienstleistungen (Abonnements, Hausarbeit, Versicherungen, Sicherheitsdienste), unberechtigte Beschaffung von Daten (Phishing), Verkauf von Waren zu überhöhten Preisen, Verkauf unnötiger Dienstleistungen (Zahnbehandlung, Hörgeräte, Alarmsysteme), falsche Gewinnversprechen (Erbschaft, Lotterie).

Mit finanziellem Verlust: Diebstahl an einem öffentlichen Ort, Diebstahl beim Geldabheben am Automaten, ein Fremder "in Not" bittet um Geld (weil er angeblich seine Brieftasche oder seine Schlüssel verloren hat), falsche Ankündigung im Internet, Versand unerwünschter Waren.

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Vorbeugen, ohne zu erschrecken

"Ältere Menschen sind oft zu selbstbewusst und leben in einem anderen Tempo", sagt Jörg Rickenmann, Koordinator bei Alter Egoexterner Link. Dieser Verein hat zum Ziel, ältere Menschen in der Westschweiz vor Missbrauch zu schützen. Dank der erhaltenen Zeugenaussagen hat der Verein bereits seit vielen Jahren das Ausmass des finanziellen Missbrauchs älterer Menschen erkannt.

Alter Ego konzentriert sich jedoch auf finanziellen Missbrauch durch Verwandte in einer Vertrauensbeziehung. Diese Form des Missbrauchs wird von den Opfern selbst sehr selten gemeldet und ist daher schwieriger zu messen. Für die Studie von Pro-Senectute haben 5% der Teilnehmenden erklärt, dass sie diese Art von Missbrauch erlitten hätten. Bei Personen über 85 Jahre beträgt die Quote 10%.

Dies sei ein Bereich, in dem Prävention schwierig umzusetzen sei, räumt Rickenmann ein. Aber bei allen anderen Formen des Finanzmissbrauchs gibt es "viel zu tun", sagt er. Zum Beispiel durch eine bessere Information älterer Menschen, durch Warnhinweise oder durch die Erhöhung der Sicherheit in bestimmten Risikozonen.

"Aber wir sollten auch nicht zu viel tun", sagt der Koordinator von Alter Ego. "Wir müssen einen Weg finden, die Botschaft zu vermitteln, ohne diese Menschen zu erschrecken."


(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)

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