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Landes-Vermessung


Trotz neuer Techniken: Kartographie behält ihren Platz




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Gleichzeitig mit seinem 175-Jahr-Jubiläum setzt das Bundesamt für Landestopographie auf Innovation. "Zeitreise" heisst das neue online-Tool. Welchen Stellenwert hat die Neuerung in einer Zeit von GPS und Google Maps?

"Zeitreise" ermöglicht Vergleiche von Schweizer Ortschaften oder Landschaften zwischen dem aktuellen Zustand und einem Zustand in früheren Jahrzehnten. Der User kann beispielsweise vergleichen, wie die Stadt Bern 1950 ausgesehen hat und wie sie heute aussieht. Er kann auch sehen, bis wohin sich der Aletsch-Gletscher vor 20 Jahren erstreckte.

Das Tool wurde aufgrund eines Gesetzes aus dem Jahr 2007 entwickelt. Dieses sieht vor, dass swisstopo sein historisches Kartenmaterial für die Öffentlichkeit zugänglich macht.

"Jeder, der der sich dafür interessiert, wie etwas früher auf einer Landkarte ausgehen hat, kann sich das jetzt ansehen. Wir erwarten eine breite Nutzung sowohl von Amateuren wie auch von Fachleuten", sagte der Kartenexperte Martin Rickenbacher von swisstopo bei der Präsentation von "Zeitreise".

Konkurrenz Smart-Phone?

Doch welche Rolle kann ein online-Tool überhaupt noch einnehmen in einer Zeit, in der fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung – und 83% der unter 30-Jährigen – ein Smartphone besitzen, mit dem sie von überall her Karten und GPS-Daten runter laden können?

"Natürlich gibt es bereits interaktive Karten von überall in Europa, mit denen Sie Veränderungen der Landesgrenzen über mehrere Jahrhunderte zurück verfolgen können", sagt Christian Rohr, Professor für Umwelt- und Klimageschichte an der Universität Bern. "Die Karten von swisstopo unterscheiden sich von den andern durch extrem hohe Auflösungen."

Bezug zur Höhe über Meer

Laut swisstopo umfasst das Tool drei historische Karten der Schweiz: Die nach dem gleichnamigen General benannte Dufour-Karte mit einem Massstab von 1:100'000, die Siegfried-Karte aus dem Jahr 1870 mit Massstäben von 1:25'000 und 1:50'000 und die aktuelle Schweizer-Karte, welche in allen drei Massstäben existiert. Swisstopo hat Karten mit Massstäben bis zu 1:1'000'000.

Rohr und seine Mitarbeiter haben kürzlich ihre historischen Klimadaten in Google Map eingezeichnet. Nun sind sie daran, die Daten in eine swisstopo-Karte zu übertragen. "Das erlaubt es uns, nicht nur viel genauere und optisch ansprechendere Karten zu gestalten, als mit Google Maps. Zudem können wir die Klimadaten in einen Bezug zur Höhe über Meer stellen."

Einfluss der Landwirtschaft

Rohr sagt gegenüber swissinfo.ch, das Tool erlaube es ihm auch, seinen Studenten zu zeigen, welche Veränderungen beispielweise das Flussbett der Gürbe im Laufe der Jahrhunderte gemacht habe. Die Gürbe ist ein 29 Kilometer langer Bach im Kanton Bern. Sein Flussbett wurde den Bedürfnissen der Landwirtschaft angepasst.

Die Geographin Heidi Haag sagt, die Tools seien besonders für Schulen und Universitäten sehr nützlich. Simon Poole, Präsident des Projektes Openstreetmap, an dessen Entwicklung sich weltweit mehr als eine Million User beteiligen, sieht ebenfalls vor allem einen pädagogischen Wert im neuen swisstopo-Tool. "Ich denke, es zeigt sehr schön die drastischen Veränderungen der schweizerischen Landschaft, vor allem in den vergangenen 50 Jahren."

Swisstopo Jubiläum

Zum 175-Jahr-Jubiläum führt swisstopo eine Reihe von Veranstaltungen durch.

Das Bundesamt beteiligt sich an verschiedenen Ausstellungen und Messen und wird dort seine Produktepalette einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.

Zu den Produkten gehören die Landeskarten, die Freizeitkarten oder die interaktiven Produkte. Bei Fachveranstaltungen können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch mehr über die aktuellen Techniken und Trends im Bereich der Geoinformation erfahren.

Im Laufe des Jahres werden neben dem Tool "Zeitreise" weitere interaktive Websites aufgeschaltet. So etwa ein Geographie-Quiz oder eine virtuelle Reise durch die Schweizer Geschichte.

Im September wird swisstopo am Sitz in Wabern bei Bern einen "Tag der offenen Tür" durchführen.

Neu dreidimensional

Christophe Girot, Professor für Landschafts-Architektur an der ETH Zürich benutzt das Tool, um mittels dreidimensionalen Tools sich eine Vorstellung über die Zukunft der Schweizer Topologie zu machen. "Wir setzen die swisstopo-Karten nicht konventionell ein, denn wir sind an dreidimensionalen Planungstools interessiert", sagt Girot. "Wir glauben, dass der Unterricht in Zukunft mit dreidimensionalen geographischen Informationssystemen erfolgen wird."

Auch swisstopo hat damit begonnen, sich eingehend mit der Entwicklung der dreidimensionalen Technologie auseinanderzusetzen. Also mit virtuellen Flügen über die Landschaft und der Möglichkeit, die Karten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Hohe Präzision

"Ich denke, dass die traditionelle Kartographie weiterhin ihre Berechtigung behalten wird", sagt Girot. "Die Schweiz leistet hier einen ausgezeichneten Beitrag. Ich kenne nur wenig Länder, die solch präzise Karten haben wie die Schweiz. Das ist sehr viel Wert. Die dreidimensionale Technologie ist für mich eine Ergänzung."

Simon Poole glaubt, dass die Zukunft des Bundesamtes in jenen Bereichen liegt, in denen dieses seine Stärken hat. "Wahrscheinlich wird es auch künftig eine wichtige Rolle einnehmen bei der Publikation von konventionellen Landkarten, denn niemand kann diese in einem schrumpfenden Markt günstiger herstellen. Sie werden zweifelsohne die erste Adresse für Geo-Informationen bleiben."


(Übersetzung aus dem Englischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch



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