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Pilotprojekt


Autonom fahrende Postautos in Sitten




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Präsentation des autonom fahrenden Busses in Sitten. (Keystone)

Präsentation des autonom fahrenden Busses in Sitten.

(Keystone)

Stellen Sie sich vor, Sie bestellen mit dem Smartphone einen Bus. Er kommt, Sie steigen ein und sehen keinen Chauffeur. Die Stadt Sitten im Wallis wird zum Testgelände für zwei autonom fahrende Postautos. Das Pilotprojekt wurde am Donnerstag vorgestellt.

"Kommen Sie rein, es hat Platz für neun Leute", sagt Pascal Lecuyot, unser Begleiter imgelben Postauto. Die Türen schliessen mit einem Rascheln. Das Elektrofahrzeug fährt computerunterstützt, aber ohne Gas- und Bremspedal los.

Das fünf Meter lange Fahrzeug beschleunigt langsam und wir überqueren die sonnendurchflutete Place de la Planta und blicken auf die schneebedeckten Alpen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 45 Kilometer pro Stunde. Für den Versuch ist sie auf 20 Kilometer beschränkt.

Der Bus umrundet die Weihnachtsbäume auf dem Platz, hält vor Fussgängern und stoppt abrupt, als ihm ein Mann mit einem Abfallkarren vor die Nase kommt.

Dank verschiedener Sensoren, GPS und Radar kann der Bus Hindernisse erkennen. 

Heute ist der Tag, an dem die Medien mit dem Projekt bekannt gemacht werden. Der Testbetrieb für die Bevölkerung und für Touristen beginnt im Frühjahr 2016. Die Busse werden in der Altstadt von Sion und auf der Strecke zum Schloss Tourbillon eingesetzt werden.

Schmale Strassen

Die autonom fahrenden Busse sind das Resultat einer Zusammenarbeit zwischen PostBus, einer Tochtergesellschaft der Post und dem start-up BestMile, das 2014 von Absolventen der ETH Lausanne gegründet worden ist.

"Ziel ist es nicht, die existierenden Buslinien zu ersetzen, sondern das öffentliche Verkehrsnetzt in Sitten auszubauen", sagt BestMile-Mitbegründer Raphaël Gindrat. "Wir werden dorthin fahren, wo es zu kompliziert ist und wo die Strassen zu schmal sind." BestMile und die ETH Lausanne haben in zwei Jahren Arbeit die mathematischen Algo-Rhythmen entwickelt, die es den Fahrzeugen erlauben, zu navigieren, Verkehrszeichen zu lesen und Fussgängern und andern unerwarteten Hindernissen auszuweichen.

Die Busse können aus der Ferne überwacht werden. Das wird es der Post erlauben, mehrere Busse gleichzeitig zu überwachen und zu kontrollieren, ob sie den Fahrplan einhalten. Während der Testphase wird ein Postangestellter mit an Bord sein. Das hat rechtliche Gründe. Der Angestellte wird aber auch für die Sicherheit sorgen, die Passagiere begrüssen und ihre Frage beantworten.

Versuche in Lausanne

"Langfristig jedoch werden die Busse autonom unterwegs sein und das Kontrollzentrum wird entscheiden können, ob die Route geändert werden muss oder sonst ein Problem besteht. Eine Person wird bis zu 50 Fahrzeuge überwachen können", sagt Gindrat.

In Zukunft werden sich die Passagiere mit ihrem Smartphone über den Standort des nächsten Fahrzeuges informieren und mit einem Klick einen Bus bestellen können.

Grindrat sagt, die chauffeurlose Technologie habe dank den sechs Monaten dauernden Versuchen auf dem Campus der ETH Lausanne grosse Fortschritte gemacht. Die Versuche wurden in Zusammenarbeit mit der französischen Firma Navya durchgeführt. 8000 Studenten machten eine Fahrt.

Zu langsam

Doch, es gab auch Studenten, die sagten, sie gingen lieber zu Fuss, weil die Busse zu langsam seien und zu oft vor Objekten einen Halt einlegten.

Die autonom fahrenden Google-Cars haben zum Teil mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, wenn am Boden Abfall liegt oder wenn es Schlaglöcher hat. Sie haben zudem Probleme, Polizisten zu erkennen, die das Fahrzeug zum Stopp auffordern. Noch unklar ist, wie die Busse in Sion bei starken Schneefällen reagieren werden.

"Das ist offensichtlich sehr komplex", sagt Gindrat. "Wir werden nicht mit 80 Kilometer in der Stunde fahren, sondern lediglich zwischen 20 und 40. Es stimmt, die Fahrzeuge auf dem ETH Campus legten die ganze Zeit einen Stopp ein. Doch der technologische Fortschritt ging sehr schnell. Wir gehen in die richtige Richtung."

Bei der Präsentation in Sitten waren nicht alle Anwesenden begeistert. Einheimische fanden, die Fahrzeuge seien zu langsam, andere fragten sich, ob das Stadtzentrum der richtige Ort sei. "Für einen Bus sind die Fahrzeuge eher niedlich, aber Sitten ist nicht Zürich oder Genf. Es ist eine kleine Stadt, ich komme überall mit dem Fahrrad oder zu Fuss hin. Diese Busse sind eher Spielzeuge."

Potentielle Kunden

Sitten bedeutet der erste kommerzielle Einsatz für die Busse und wenn die Versuche in der Altstadt erfolgreich verlaufen werden, könnten weitere Linien mit bis zu zehn Bussen erschlossen werden, wie Offizielle an der Präsentation sagten.

Laut BestMile interessieren sich auch andere Städte für die Fahrzeuge, darunter einige Schweizer Städte wie Freiburg, aber auch Städte in Grossbritannien, Deutschland und Australien.

Unklar ist, welche Auswirkungen chauffeurlose Busse auf die Schweiz haben werden. Laut PostBus wurden damit keine Chauffeurstellen eingespart und die autonomen Fahrzeuge werden nicht auf den bestehenden Strecken eingesetzt, sondern dort, wo der öffentliche Verkehr Lücken hat.

"Haben Sie keine Angst vor dem Fortschritt!", sagte PostBus CEO Daniel Landolf. "Wir werden auf unseren regulären Strecken weiterhin Chauffeure einsetzen, selbst wenn unsere autonomen Busse operationell sein werden."

Fehlende Gesetze

Die gesetzlichen Grundlagen für das autonome Fahren fehlen bisher. Die Technologie entwickelt sich schnell, doch es fehlen klare Regeln zur Haftung im Falle eines Unfalls. In Europa gibt es noch keine Gesetze zum autonomen Fahren, doch das Thema stehe auf der Agenda der europäischen Kommission, sagt Gindrat: "Es braucht Zeit, aber ein Projekt wie das von Sitten kann zeigen, dass es funktioniert und so helfen, die gesetzlichen Grundlagen auszuarbeiten."

"Heute gibt es noch keine Gesetze für autonome Fahrzeuge. Um mit den Bussen fahren zu können, brauchen wir eine Spezialbewilligung. Wir führen Gespräche mit den Bundesbehörden und diskutieren, wie wir in dieser Frage weiterkommen werden". sagt Philippe Cina, der Koordinator von Sitten-Wallis Mobility Lab. "Es geht vorwärts. Von Seiten der Bundesbehörden gibt es keinen Widerstand. Sie sind interessiert an der Frage, wie wir mit entsprechenden Sicherheitsmassnahmen diese Technologie in Schweizer Städten anwenden."

swissinfo.ch

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