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Thomas Zurbuchen "In 20 Jahren sind wir auf dem Mars"

Thomas Zurbuchen, Forschungschef der Nasa

Thomas Zurbuchen, Forschungschef der Nasa.

(University of Michigan College of Engineering)

Der Berner Oberländer Thomas Zurbuchen ist Forschungschef der Nasa. Im Gespräch mit der Tageszeitung Blickexterner Link spricht der Herrscher über 5,85 Milliarden Dollar die wichtigsten Missionen der US-Raumfahrtbehörde und die Frage an, ob anderes Leben im Weltall möglich ist.

Thomas Zurbuchen, was suchen Sie genau im Weltall?

Thomas Zurbuchen: Es geht immer um die eine Frage: Gibt es im Universum noch anderes Leben als unseres? Das Leben auf der Erde ist bis heute das Einzige, das wir kennen.

Ein Prediger-Sohn im All

Thomas Zurbuchen (49) ist der Sohn eines Predigers aus Heiligenschwendi im Kanton Bern und der erste Studierte in seiner Familie.

Seit 2016 führte er als Forschungsleiter der US-Raumfahrtbehörde Nasa 104 Weltraummissionen mit einem Budget von 5,85 Milliarden Dollar durch.

1996 machte er sein Doktorat in Astrophysik an der Uni Bern und erhielt einen Preis des Schweizerischen Nationalfonds. Zwei Wochen später reiste er in die USA und blieb.

Seit 2008 ist er ordentlicher Professor der University of Michigan. Im selben Jahr erhielt er den Presidential Early Career Award for Scientists and Engineers, eine Auszeichnung für Jungforscher in den USA.

Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern bei Washington. Zurbuchens Alma Mater, die Uni Bern, feiert diesen Monat 50 Jahre Weltraumforschung.

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Wie wahrscheinlich ist es, dass es irgendwo anderes Leben gibt?

T.Z.: Als Wissenschaftler muss ich sagen: Ich weiss es nicht. Aber die Wahrscheinlichkeit ist klein, dass wir die Einzigen sind.

Wie klein?

T.Z.: Ich kann das nicht genau sagen. Aber ich weiss, dass es heute viel wahrscheinlicher ist als noch vor 20 Jahren. Als ich mein Doktorat schrieb, war die Wahrscheinlichkeit für Leben irgendwo im All noch zehn- oder sogar hundertmal kleiner.

Wie das?

T.Z.: Alles, was wir in der Weltraumforschung gefunden haben, macht es wahrscheinlicher, dass es noch anderes Leben gibt. So haben wir zum Beispiel dieses Jahr erst herausgefunden, dass jeder Stern Planeten hat. Und rund zehn Prozent der Sterne haben sogar erdähnliche Planeten, auf denen es Wasser geben kann.

Und was bedeutet das?

T.Z.: Jeder Stern hat ein Umfeld, auf dem es Leben geben kann. Das ist wie bei uns auf der Erde: Wir leben auf einem Planeten der Sonne. Das Leben ist also nicht auf dem Stern, sondern in dessen Umfeld entstanden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Menschen eines Tages eine Kolonie auf dem Mond, dem Mars oder sonst einem Planeten einrichten und dorthin auswandern können?

T.Z.: Es ist absolut wahrscheinlich, dass wir in einem Zeitrahmen von zehn bis zwanzig Jahren mit Menschen auf den Mars fliegen können.

Astronautin übt auf der Erde

Am schlafenden Vulkan Mauna Loa auf Hawaii üben Astronauten bereits für eine Mars-Mission.

(Keystone)

​​​​​​​Zeithorizont?

T.Z.: Wahrscheinlich die 2030er-Jahre. Das hängt von unseren Budgets und Partnerschaften ab. Gewisse Technologien müssen wir nicht mehr bei der Nasa entwickeln, weil es beispielsweise Elon Musk macht.

Sind auch die Pläne für Weltraumreisen für alle von Richard Branson oder Elon Musk realistisch?

T.Z.: Absolut, ja. Aber es ist schwierig. Wenn es einfach wäre, hätten sie es schon gemacht. Es gibt eben noch ungelöste Probleme.

Welche?

T.Z.: Erstens sind wir noch zu langsam. Wir müssen Raketen entwickeln, die viel schneller sind. Zweitens müssen die Lebenserhaltungssysteme effizienter werden, als auf einer heutigen Raumstation. Sie müssen zuverlässiger funktionieren, weil wir nicht einfach schnell für eine Reparatur zurückfliegen können. Wir wären für mehrere Jahre von allem abgehängt.

Der Mars-Rover Curiosity

Selfie des Mars-Rovers Curiosity aus dem Jahr 2013.

(Keystone)

Welches sind derzeit die wichtigsten Weltraummissionen?

T.Z.: Es sind drei: die Marsmissionen, die Europa-Jupiter-Mission und das James Webb Space Telescope.

Der Reihe nach: Worum geht's?

T.Z.: Strategisch wichtig sind die Marsmissionen. Wir wollen Proben mit allen ihren volatilen Teilen vom Mars auf die Erde herunterholen. Bisher haben wir erst einzelne Steine von Meteoriten, von denen wir nur vermuten, dass sie vom Mars stammen.

Wie weit sind Sie?

T.Z.: 2020 werden wir einen Mars-Rover auf die Reise schicken. Er wird das Einsammeln dieser Proben vorbereiten, aus denen wir Genaueres aus der früheren Bewohnbarkeit des Planeten und seine Entwicklung erfahren möchten.

"Zuerst ist es wichtig, dass der Lebensraum auf der Erde erhalten bleibt."

Thomas Zurbuchen

Ende des Zitats

Und bei der Jupiter-Mission?

T.Z.: Auch da geht es um die Erkundung, ob und wie Leben im All möglich ist. Dazu wird auf dem Mond Europa, der den Planeten Jupiter umkreist, ein riesiger Ozean unter einer Eisschicht untersucht.

Warum ist das wichtig?

T.Z.: Weil alle Theorien über Leben im Weltraum mit Wasser zu tun haben und den Gesteinsschichten, die es umgeben.

Und wozu dient das Teleskop?

T.Z.: Mit dieser Mission wird ganz weit zurück in die Anfänge des Universums geschaut, auf die ersten Sterne und Galaxien. Auch da geht es darum, nach Leben zu suchen und nach Orten, an denen Leben möglich sein könnte.

Wie wichtig finden Sie es überhaupt, neuen Lebensraum für uns im All zu finden?

T.Z.: Zuerst ist es wichtig, dass der Lebensraum auf der Erde erhalten bleibt. Aber es ist auch wichtig für die Menschheit, weiterzugehen und neues Land zu erschliessen.

Sie selber arbeiten auf der Erde. Hatten Sie nie Lust, Astronaut zu werden?

T.Z.: Es wäre super, wenn ich wie mit einem Flugzeug in den Weltraum reisen könnte. Das würde ich machen. Aber heute müsste ich mich zwei Jahre zum Astronauten ausbilden lassen. So viel Zeit will ich nicht dafür investieren. Aber vielleicht mache ich einen Überschallflug in einem Kampfjet. Dafür dauert die Vorbereitung nur vier Tage.

Zum Schluss: Wie gross sind die Chancen für Schweizer, an Weltraummissionen mitzufliegen?

T.Z.: Gross! Claude Nicollier hat bei den grössten Missionen mitgearbeitet. Er ist einer von bisher 530 Menschen, die im All waren. Damit ist der Schweizer Anteil an Raumfahrern doppelt so gross, wie er gemessen am Anteil an der Weltbevölkerung sein müsste.

(Erschienen im Blick externer Linkvom 7.9.2017)

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