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Umwelt und Wirtschaft


Weniger CO2-Ausstoss bringt nicht nur dem Klima etwas




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Der Bericht von ProClim wurde in Bern präsentiert, während im marokanischen Marrakesch die UNO-Klimakonferenz COP22 ihre Tore öffnete. (Keystone)

Der Bericht von ProClim wurde in Bern präsentiert, während im marokanischen Marrakesch die UNO-Klimakonferenz COP22 ihre Tore öffnete.

(Keystone)

Der Klimawandel als wirtschaftliche und gesellschaftliche Chance? Ein neuer Bericht der Schweizer Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) zeigt auf, dass sich Anpassungen an den Klimawandel auch positiv auswirken können.

Der Bericht hat zwei Hauptaussagen: Erstens werden die Ökosysteme in den Alpen sehr stark unter dem Klimawandel leiden. Denn dort wird die Erwärmung doppelt so hoch sein wie im weltweiten Durchschnitt.

Zweitens braucht es auf politischer, industrieller und gesellschaftlicher Ebene sofortiges und koordiniertes Handeln. Letzteres muss aber nicht unbedingt eine lästige Pflicht sein, im Gegenteil: Die Autoren betonen, dass die getroffenen Massnahmen gegen den Klimawandel durchaus wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile mit sich bringen können.

Unter der Leitung von ProClim, dem Forum für Klima und globalen Wandel der SCNAT, entstand der 200-seitige Bericht "Brennpunkt Klima Schweiz: Folgen und Risiken". Beteiligt waren auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Beratende Organ für Fragen der Klimaänderung OcCC.

"Der Bericht schafft neue Kriterien", so Thomas Stocker, Klimaforscher an der Universität Bern. Für alle Menschen, denen etwas an der Zukunft der Schweiz liege, sei der Bericht "ein Muss".

Wissenschaftler sammelten die für die Schweiz relevanten Daten aus dem letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC. Das Netzwerk von über 70 Klimaforschenden und –expertinnen sowie 40 Gutachtern ergänzten die gesammelten Daten zudem durch neuere Studien zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Alpenraum.

Anpassungen sind nötig – auf jedem Niveau

2015 erlebte die Schweiz das durchschnittlich wärmste Jahr seit 1864. Die Jahresdurchschnittstemperatur stieg seit 1850 um 1,8 Grad Celsius, rund doppelt so viel wie im globalen Mittel (etwa 0,85 Grad).

Die Folgen dieser Erwärmung seien bereits sehr deutlich sicht- und spürbar, so die Autoren des Berichts: Die Gletscher schwinden, die Schneefallgrenze steigt, es kommt häufiger zu extremen Wetterereignissen, Steinschlägen und Erdrutschen. Die Veränderungen werden sämtliche Bereiche der Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft betreffen, vom Tourismus über die Landwirtschaft und die Städteplanung bis hin zur Gesundheit.

Angesichts dessen sei das Ziel der Schweiz, bis 2030 die Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 50 Prozent zu senken (30 Prozent durch inländische Massnahmen und 20 Prozent über Projekte im Ausland) nur "ein erster Schritt", so die Forschenden. Der zweite wichtige Schritt sei eine Klimapolitik, die darauf ziele, Ende des 21. Jahrhunderts netto auf null Klimagasemissionen zu sein.

Der Präsident von ProClim, Heinz Gutscher, würde nun gerne Initiativen von der Schweizer Wissenschaft, der Geschäftswelt und der Regierung sehen, wie er swissinfo.ch erklärt. Dabei denke er beispielsweise an Wissenschaftler, die zusammen mit lokalen Politikern und Bürgern arbeiten. Es sei an der Zeit, dass die Forschenden die Universitäten und Labore verlassen und mithelfen würden, Lösungen zu finden. "Ich habe die Hoffnung, dass dieser Bericht eine Art erster Schritt in diese Richtung ist."

Massnahmen haben auch gute Seiten

Laut Bericht gehören Industrie, Geschäftswelt und Innovation einerseits zu den grössten Verursachern von Klimagasemissionen. Sie könnten die Gelegenheit aber auch am Schopf packen, Lösungen finden sowie neue Technologien entwickeln und kommerzialisieren.

Schweizer Firmen und Industrie müssten den Klimawandel in der Langzeitplanung berücksichtigen, fordern die Autoren – insbesondere indem sie die Menge des fossilen Brennstoffs mit Blick auf den Stromverbrauch und den Transportsektor reduzierten. Auch müssten sie externe Kosten internalisieren und den steigenden CO2-Preis berücksichtigen.

Schliesslich betonen die Autoren des Berichts auch, wie wichtig es sei, dass die Bürger und Bürgerinnen sich an den nötigen Anpassungen beteiligten. Sie geben Tipps zu energiearmem Wohnen, Fortbewegen und Essen. Mit weniger Energie auskommen, bedeute nicht automatisch negative Auswirkungen. Im Gegenteil, möglich sei sogar eine Verbesserung der Lebensqualität.

Haben Sie schon einmal eine klimafreundliche Massnahme ergriffen, die zu einer Verbesserung Ihrer Lebensqualität führte? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.


(Übertragen aus dem Englischen: Kathrin Ammann)



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