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Zeitgenössischer Tanz Steps bringt die Welt auf Schweizer Bühnen

Steps feiert sein 30-jähriges Bestehen im Zeichen des Mutes. Künstler aus Europa, Asien und Afrika tanzen für das 1988 ins Leben gerufene Festival für zeitgenössischen Tanz. Ein Gespräch mit der künstlerischen Leiterin Isabella Spirig. 

Festival Steps 2018

Steps feiert die Multikulturalität: Auf dem Bild die deutsch-französische Compagnie Wang Ramirez mit EVERYNESS.

(Steps 2018)

Die Zahlen sprechen für sich und spiegeln die Ambitionen des Migros-Kulturprozent-Tanzfestivals Steps, das alle zwei Jahre stattfindet. Bis zum 5. Mai treten zehn internationale und zwei lokale Tanzkompanien auf 36 Bühnen in 31 Schweizer Städten auf.

Das italienisch-, deutsch- und französischsprachige Publikum kann Stücke von Künstlern aus Europa, Asien und Afrika bestaunen. Aus der Schweiz kommen zwei Vorstellungen: "Speechless Voices" von Cindy Van Acker und "Take Off!", das Bachelor Studenten und Studentinnen der beiden Hochschulen für darstellende Kunst vereint, La Manufacture in Lausanne, und die Zürcher Hochschule der Künste.

Steps zieht ein sehr heterogenes Publikum an, das neugierig ist auf Neuheiten und Vielfalt. Für diese Ausgabe werden 30'000 Zuschauer erwartet.

swissinfo.ch: Blicken wir auf die Tanzwelt der letzten 30 Jahre. Was hat sich hier in der Schweiz im Allgemeinen und in Steps im Besonderen verändert? 

Isabella Spirig: In der Schweiz hat sich der Tanz in den letzten drei Jahrzehnten stark emanzipiert. Seine Dynamik wird nun erkannt. Vor zwanzig Jahren kannten unsere Theaterregisseure die Welt der Choreographie noch nicht wirklich. Heute integrieren viele von ihnen exzellente Tanzperformances in ihr Programm. Hinzu kommt die relativ junge Anerkennung des Tänzerberufs durch den Bund. Seither hat sich die choreographische Kunst in unserem Land entwickelt und erhält mehr Achtung.

Mit Blick auf Steps sind die eingeladenen Compagnien heute anspruchsvoller als jene, die das Festival in der Vergangenheit empfing. Anspruchsvoller mit Blick auf die Technik, denn wie jeder weiss, haben sich diese Möglichkeiten in den letzten 30 Jahren stark weiterentwickelt. Nicht verändert hat sich die Vielfalt, die Steps immer verteidigt hat, sowohl mit Blick auf die Kunst auch als auf die Herkunft. Die Stücke kommen aus der ganzen Welt, jedes mit seinem eigenen Stil.

Isabella Spirig

(Steps 2018)

swissinfo.ch: Die Auswahl der Stücke ist nicht einfach. Mit welcher Waffe gehen Sie auf die Jagd?​​​​​​​

I.S.: Was mir hilft ist das Netzwerk. Dabei geht es nicht nur darum, ein dickes Adressbuch zu haben, sondern auch darum, eine enge Beziehung mit den Künstlern zu pflegen. Sie sind meine Inspirationsquelle. Wir stehen ständig im Austausch. Sie erzählen mir woran sie gerade arbeiten oder fragen mich, ob ich von dieser libanesischen Choreografin oder jener koreanischen Tänzerin schon gehört habe. "Jagen" bedeutet auch, in den Studios vorbeizuschauen und den Ansatz der Kulturschaffenden zu verstehen.

swissinfo.ch: Gibt es ein Land, das Sie mit Blick auf den Tanz besonders interessiert?  

I.S.: Diese Frage zu beantworten, ist schwierig. Walter Boris Fischer, Gründer von Steps und Leiter des Festivals während der ersten zehn Jahre, mochte amerikanische Compagnien besonders. Er lud sie regelmässig ein. Ich interessiere mich für die Arbeit israelischer Compagnien. Eine von ihnen, LEVexterner Link, ist übrigens in dieser Ausgabe mit dem Stück "Love Chapter 2" vertreten. Aber ich funktioniere nicht nach Land. Was meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist das Thema des Stücks oder die Botschaft, die es vermittelt: Besteht ein Zusammenhang mit der Aktualität, mit Gesellschaftsfragen?

swissinfo.ch: Sie stellen diese Ausgabe unter das Zeichen des Mutes – eine soziale Frage. Warum diese Wahl? 

I.S.: Zuerst ein Hinweis: Ich begann mit der Programmierung dieser Ausgabe im Herbst 2016. Damals – und auch heute noch – herrschte in unseren Gesellschaften ein Gefühl der Angst und Unsicherheit. Angst vor dem Fremden und dem Unbekannten, das dieser repräsentiert. Angst vor neuen Ideen, vor Instabilität. Der Tanz kann uns viel Hoffnung geben oder uns ermutigen, uns von dieser Angst zu befreien. Die Stücke, die ich ausgewählt habe, zeugen davon. 

swissinfo.ch: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

I.S.: "Noetic" und "Icon", zwei Choreographien des belgisch-marokkanischen Sidi Larbi Cherkaoui, aufgeführt von schwedischen und belgischen Tänzern. In seinem Werk lässt der Künstler verschiedene Religionen, Rassen und Kulturen Seite an Seite leben. Durch seine Stücke vermittelt er die Aussage, dass die Zusammenarbeit stärker macht.

Ein anderes Beispiel ist "Beytna" von der libanesischen Compagnie Maqamat. Auch hier feiert das von Tänzern unterschiedlicher Herkunft –Afrika, Europa und Asien – aufgeführte Stück die Durchmischung bei einem gemeinsamen Essen auf der Bühne in Freundschaft.

swissinfo.ch: Steps spielt auf 31 verschiedenen Bühnen in der Schweiz – eine einzigartige Formel in Europa?

I.S.: Soweit ich weiss, ja. Für die Künstler ist das eine aussergewöhnliche Gelegenheit: Sie können so nicht nur die verschiedenen Landschaften der Schweiz kennenlernen, sondern auch das vielfältige Publikum und dessen Reaktionen, die von Region zu Region anders sind. Das Feedback der Künstler spricht Bände über die kulturelle Sensibilität des Publikums. Deutschsprachige haben zum Beispiel nicht den gleichen Humor wie die französischsprachigen Westschweizer.

swissinfo.ch: Folgt Ihnen das Schweizer Publikum?

I.S.: Ja, es vertraut uns und ist neugierig. Ich versuche stets Stücke im Programm aufzunehmen, die nur während einer Veranstaltung wie Steps zu sehen sind. Stücke also, die nicht unbedingt dem klassischen Angebot entsprechen. Mein Ziel ist es, das Publikum zu verführen und zu verwöhnen.


(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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