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"Auch andere Regionen brauchen Solidarität"

Hilfswerke warnen: Ob Hilfe für Tsunami-Opfer andere Krisenherde nicht vergessen. Keystone

Die Bevölkerung in der Schweiz zeigt sich ausserordentlich solidarisch mit den Betroffenen der Flutkatastrophe in Südostasien.

Dieser Inhalt wurde am 05. Januar 2005 - 12:51 publiziert

Hilfsorganisationen hoffen, dass die Spendenbereitschaft auch in anderen Krisengebieten zum Tragen kommt.

Am nationalen Sammeltag der Glückskette vom Mittwoch gingen insgesamt 62 Mio. Franken an Spendengeldern ein. Bereits vor diesem Tag waren der Sammelplattform rund 50 Mio. Franken für die Betroffenen in Südostasien überwiesen worden - so viele Spenden wie noch nie vor einem Sammeltag.

Die in der Glückskette zusammen geschlossenen Hilfsorganisationen und die Humanitäre Hilfe des Bundes sprechen denn auch von der grössten Hilfsaktion, die je im Ausland gestartet wurde.

Mit über 60 vor Ort eingesetzten Experten - Mediziner, Logistiker, Wasser- und Bauspezialisten - handelt es sich personell um das grösste Engagement des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH).

Auch andere Regionen leiden

Die vom Bundesrat gesprochenen 27 Mio. Franken bewegen sich im Mittelfeld. Für Nothilfe infolge der Kriege im ehemaligen Jugoslawien und insbesondere im Kosovo und nach den Überschwemmungen in Osteuropa waren mehr staatliche Hilfsgelder geflossen.

"So gewaltig und erschütternd die Katastrophe in Südasien ist, wir müssen auch an anderen Orten arbeiten", erklärt SKH-Vizechef Marco Ferrari.

Trotz der tragischen Ereignisse in Indonesien, Sri Lanka und Thailand dürften die Aktivitäten in anderen Regionen nicht abgebaut werde, doppelt Karl Schuler vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) nach. So sehr Schuler die gegenwärtige Spendenbereitschaft freut, "wäre Solidarität auch für andere Regionen dringend nötig".

Nähe entscheidend

Vor dem Seebeben galt die Krise im sudanesischen Darfur als die grösste humanitäre Katastrophe. In der Region kamen mehr als 100'000 Menschen ums Leben, über eine Million wurden vertrieben.

Diese Tragödie habe vergleichsweise wenig bewegt, bedauert Schuler. Die Sammlung der Glückskette für Darfur hat bisher lediglich zwei Mio. Franken erbracht.

Für die Spendenbereitschaft seien meist die persönliche Betroffenheit wie auch die Bekanntheit der betroffenen Regionen Ausschlag gebend, erklären Fachleute.

"Chronische Katastrophen" finden kaum Gehör

Grösste Solidarität stellen sie bei Naturkatastrophen fest: Als absoluten Spendenrekord - 74 Mio. Franken - hatte die Glückskette bisher die Sammlung für die Unwetter-Betroffenen im Wallis und im Tessin im Jahr 2000 bezeichnet.

Nach dem Hurrikan Mitch in Mittelamerika (1989) konnten 34 Mio. Franken und nach dem Erdbeben in Iran (2002) zehn Mio. Franken gesammelt werden.

"Je weiter weg sich Katastrophen oder Konflikte ereignen, desto schwieriger ist es, Gelder zu mobilisieren", bedauert SRK-Mitarbeiter Schuler. Spendenunwilligkeit ortet er insbesondere dann, wenn es sich um politisch komplexe Krisen wie in Darfur handelt, die als "man made" gelten.

Für Betroffene von Konflikten, über die nicht in Medien berichtet werde, gebe es kaum Hilfsleistungen. Auch die Appelle bei "chronischen Katastrophen" wie Aids oder Dürren würden kaum gehört.

Appelle für Afrika

Die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Föderation (IFRC) kritisiert eine "Asymmetrie der Hilfe": Während etwa für den Irak kurz nach Kriegsbeginn 2,5 Mrd. Franken zusammenkamen, konnte trotz UNO-Appell nur eine ähnliche Summe für 22 Länder Afrikas mit 40 Millionen Notleidenden aufgetrieben werden - zu wenig.

Für die humanitäre Hilfe in Afrika brauche es deutlich mehr Mittel, forderte IKRK-Präsident Jakob Kellenberger kürzlich in Genf. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz benötige dieses Jahr 970 Mio. Franken für Einsätze in rund 80 Ländern, allen voran in Sudan, Irak, den palästinensischen Gebieten und Israel, in Afghanistan und Liberia.

Millionem Menschen leiden Hunger

Die Hilfsexperten hoffen, dass die jetzt bekundete breite europäische Solidarität andauert und auch in anderen Krisengebieten zum Tragen kommt.

Die Lage in Asien dürfe nicht von den Bedürfnissen Millionen anderer Menschen ablenken, betont das Welternährungs-Programm (WFP), noch immer litten über 800 Millionen Menschen weltweit chronisch Hunger.

swissinfo, Viera Malach und Dominique Schärer, InfoSüd

Fakten

Am nationalen Sammeltag sind der Glückskette insgesamt 62 Mio. Franken an Spendengeldern zugesagt worden.
Damit hat die humanitäre Sammelplattform seit dem Seebeben vom 26. Dezember 2004 insgesamt 114 Mio. Franken gesammelt.
Der Bund stellt für die Katastrophenregion in Südostasien 27 Mio. Franken zur Verfügung.

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In Kürze

Die Solidarität mit den Flutopfern in Südostasien ist enorm.

Hilfswerke mahnen, dass auch andere Regionen, wie zum Beispiel die Region Darfur in Sudan, auf Hilfe dringend angewiesen seien.

Sie bedauern, dass Krisen, die in den Medien wenig Beachtung fänden, kaum Hilfeleistungen erhielten.

Auch Appelle bei "chronischen Katastrophen" wie Dürren und Aids würden kaum gehört.

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