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"Beobachter der Ohnmacht"

EAPPI-Beobachter dokumentieren auch die Bauarbeiten an der "Sperranlage" Israels. (Bild: EAPPI)

Schweizer dokumentieren in Israel und Palästina Verletzungen der Menschenrechte, begleiten Palästinenser durch Strassensperren und unterstützen israelische Friedens-Aktivisten.

Aufhalten können sie Ereignisse wie den umstrittenen Mauerbau durch ihre Präsenz aber nicht.

"Auf riesigen Sattelschleppern werden die 1 Meter breiten und 9 Meter hohen Beton-Elemente herantransportiert und aufgerichtet", schildert Hansueli Gerber den Bau der Sperranlage im Westjordanland.

Bulldozer und Kran arbeiten unter dem Schutz israelischer Scharfschützen, Soldaten halten Bauern in Schach, deren Olivenbäume entwurzelt werden, deren Ernte zerstört wird.

Der pensionierte Dorfpfarrer Gerber ist einer von 6 Schweizerinnen und Schweizern, die gerade aus Israel und Palästina zurückgekommen sind. Drei Monate lang haben sie als zivile Beobachter in den besetzten Gebieten und Israel ausgeharrt. Am Mittwoch traten sie in Bern vor die Medien.

Menschenrechts-Verletzungen dokumentieren

Ihren Einsatz leisteten sie im Rahmen des "Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel" (EAPPI), einer internationalen Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen. In der Schweiz wird diese Bewegung vom Verein "Peace Watch Switzerland" vertreten.

"Passiver Schutz und Dokumentation von Menschenrechts-Verletzungen, Öffentlichkeits-Arbeit im Heimatland und Solidarität durch die Präsenz vor Ort", fasst Projekt-Koordinator Markus Marti die Ziele der Bewegung zusammen.

Israelische Friedens-Aktivisten unterstützen

Die Beobachter sind nicht nur in den besetzten Gebieten vor Ort, sondern auch auf der Israelischen Seite. Florence Nicole beispielsweise war in Jerusalem stationiert.

"Wir haben israelische Friedens- und Menschenrechts-Organisationen bei Beobachtungs-Einsätzen, Demonstrationen und Gerichtsverhandlungen begleitet", sagt die ehemalige Mitarbeiterin des Aussenministeriums EDA mit einer Friedenstaube aus Perlmutt am Revers.

"Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich an einer Demonstration teilgenommen. In Tel Aviv forderten 150'000 Personen die Aufnahme von Friedensgesprächen."

EDA bezahlt 50'000 Franken

Das EDA unterstützt den Schweizer Verein dieses Jahr mit 50'000 Franken. "Das Projekt entspricht den Zielen und Grundsätzen der zivilen Friedensförderung und Stärkung der Menschenrechte", heisst es im entsprechenden Faktenblatt.

"Am Programm sind selbstverständlich christliche, muslimische, jüdische sowie nicht-religiöse Menschen und Organisationen beteiligt", führt Matthias Hui vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) aus.

"Zivile Friedenskräfte organisieren sich professionell, verweigern sich der militärischen Logik und solidarisieren sich mit den Opfern." Dies seien bescheidene, aber konsequente Schritte zu einem nachhaltigen Frieden.

Ohnmächtig zuschauen und fotografieren

"Als ökumenischer Beobachter tue ich nichts, schaue nur zu und fotografiere", so Gerber. Er bezeichnet sich deshalb auch als "Beobachter der Ohnmacht". "Ich habe gelernt, wie ohnmächtig sich die Einheimischen fühlen. Ihre einzige Verteidigungs-Waffe ist, nicht zu flüchten und an Ort zu bleiben."

Die Freiwilligen wissen, dass sie Ereignisse wie den Mauerbau nicht aufhalten können. Die Reaktion der lokalen Bevölkerung bestärkt sie aber, dass ihre Arbeit nicht umsonst ist.

"Die Friedens-Organisationen haben unsere Solidarität sehr geschätzt und uns immer gerne aufgenommen", sagt die pensionierte EDA-Mitarbeiterin Nicole.

Eine andere Bebachterin erinnert sich an eine Schulleiterin, die ihre Schule um eine weitere Klasse erweitern will, seit die palästinensischen Schülerinnen und Schüler von zivilen Beobachtern begleitet werden.

Internationaler Schutz gefordert

In einem offenen Brief fordern die zurückgekehrten Schweizerinnen und Schweizer internationalen Schutz in den besetzten Gebieten. "Wir können bezeugen, dass die palästinensische Bevölkerung kein normales Leben führen kann."

Illusionen macht sich bei EAPPI niemand: Am Dienstag dieser Woche sind in Jerusalem 20 neue ökumenische Beobachter aus sechs Ländern angekommen. Sie werden weiter Palästinenser durch Strassensperren begleiten, in Ambulanzen mitfahren, Übergriffe und den Mauerbau dokumentieren sowie Friedens-Aktivisten unterstützen.

swissinfo, Philippe Kropf

Fakten

Trägerschaft von Peace Watch Switzerland: HEKS, Mission 21, horYzon, Christlicher Friedensdienst.

Patronat: Schweizer Evangelischer Kirchenbund (SEK).

Die Aktion läuft seit bald zwei Jahren.

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In Kürze

Die palästinensische Bevölkerung kann kein normales Leben führen.

Das ist der Eindruck von sechs Schweizerinnen und Schweizern, die in Israel und Palästina als ökumenische Beobachter im Einsatz waren.

Ihre Mission wird vom EDA finanziell unterstützt und ist Teil eines internationalen, ökumenischen Projektes.

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