"Die Welt um uns herum schläft nicht"

swissinfo.ch

Seit 12 Jahren lebt Helen Freiermuth im Ausland, neuerdings in Kanada. Jetzt kandidiert sie für die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) des Kantons Zürich für den Nationalrat.

Dieser Inhalt wurde am 13. September 2007 - 12:14 publiziert

Die FDP schickt insgesamt sechs Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer ins Rennen für die Parlamentswahlen am 21. Oktober.

"Ich habe jetzt ein paar Wanderjahre hinter mir, vieles gesehen und gelernt und bin in der Lage, der Schweizer Politik neue Impulse zu geben", sagt Helen Freiermuth gegenüber swissinfo.

Eine internationale Perspektive will die Auslandschweizerin einbringen und kandidiert daher für einen Sitz im Nationalrat.

Die Wanderjahre begannen vor 12 Jahren, als ihr Mann ein Angebot erhielt, in Schanghai eine Firma aufzubauen. "China hat mich schon immer fasziniert, deshalb war ich sofort dabei", sagt Freiermuth. Darauf folgten sechs Jahre in den USA, seit kurzem lebt sie mit ihrer Familie in Kanada.

Kontakt zur Heimat

Die Schweiz besuchen Freiermuths mindestens ein Mal im Jahr, um Familie und Freunde zu besuchen. Durch E-Mail, Internet und günstige Telefontarife sei es heute einfach, mit der Heimat in Kontakt zu bleiben.

"Früher muss das Auswandern ein grosser Schritt gewesen sein, als man sich wirklich für immer verabschieden musste", vermutet die Politikerin.

Auch über das Geschehen in der Schweiz könne man sich heute leicht über die elektronischen Ausgaben der Tageszeitungen informieren.

Als sie vor 12 Jahren mit ihrem Mann und den zwei damals noch kleinen Kindern ausgewandert ist, hat sie nur bedauert, die in der Zürcher FDP begonnene politische Karriere nicht fortsetzen zu können. Dazu bietet sich jetzt Gelegenheit.

Schulen und Konsulate

Als Schwerpunkt ihrer Politik nennt die ehemalige Lehrerin die Ausbildung: "Ich habe zwei Töchter auf drei Kontinenten zur Schule geschickt und ebenso viele Ausbildungssysteme kennengelernt."

Dabei sei ihr bewusst geworden, dass das System in der Schweiz nach wie vor gut sei. Dennoch warnt Freiermuth: "Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Denn die Welt um uns herum schläft nicht. Wir müssen sicherstellen, dass das Ausbildungswesen den nötigen Stellenwert behält."

Ein weiteres Anliegen von Helen Freiermuth ist die Positionierung der Schweiz im Ausland. Sie bedauert, dass immer mehr Konsulate geschlossen werden, weil dadurch der Bezug der Schweiz zu ausländischen Stellen eingeschränkt werde.

"Politik ist überall lokal"

Sie werde oft gefragt, warum Auslandschweizer im Parlament vertreten sein sollten, wenn sie doch gar nicht im Land selbst lebten; Politik sei lokal. Darauf sagt die FDP-Kandidatin: "Politik ist überall lokal. Wenn man als Auslandschweizer Erfahrungen mit anderen Systemen gemacht hat, öffnet das den Horizont und gibt Impulse, die man im Heimatland einbringen kann."

Die Sozialdemokratische Partei (SP), die selbst keine Auslandschweizer in die Wahl schickt, hat die Idee lanciert, für Kandidatinnen und Kandidaten der Fünften Schweiz eine bestimmte Sitzzahl zu garantieren und sie wie einen 27. Kanton zu behandeln.

"Das ist ein zweischneidiges Schwert", findet Helen Freiermuth. Obwohl die Auslandschweizer von ihrer Anzahl her 14 oder 15 Nationalratssitze verdienen würden. "Aber ausschliesslich die Interessen der Auslandschweizer zu vertreten, da zweifle ich doch, ob das wirklich eine volle Berechtigung hat."

swissinfo, Susanne Schanda

Fakten

Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer kandidieren für den Nationalrat.
Schweizerische Volkspartei (SVP): 33
Freisinnig-Demokratische Partei (FDP): 6
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP): 1
Grüne Partei: 1

End of insertion

DIE KANDIDATIN

Helen Freiermuth wurde 1958 in Luzern geboren.

Nach dem Lehrerseminar schloss sie 1985 ihre Ausbildung an der Höheren Fachschule für Wirtschaft ab.

Seit 1982 Mitglied der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) Zürich, seit 1998 bei der FDP Schweiz International.

1995-2001 lebte sie in Schanghai/China.

2001-2007 in Gainesville, Georgia/USA.

Seit Sommer 2007 in London, Ontario/Kanada.

Helen Freiermuth ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Sie hat rund 20 Jahre Berufserfahrung in der Ausbildung, als Lehrerin und Erwachsenenbildnerin, u.a. an der Deutschen Schule in Schanghai.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen