"Dieses Abenteuer braucht viel Ausdauer"

Harlin vor einer Skulptur aus Eigergestein am Eigerplatz in Bern. swissinfo.ch

Die meisten Leute denken nicht daran, auf einen einzigen Berggipfel zu klettern. John Harlin III hat seinen Versuch wieder aufgenommen, alle Gipfel entlang der Schweizer Landesgrenze zu besteigen.

Dieser Inhalt wurde am 06. Juli 2011 - 08:15 publiziert
Dale Bechtel, Julia Slater, swissinfo.ch

Der amerikanische Bergsteiger und Schriftsteller John Harlin III ist in die Schweizer Alpen zurückgekehrt, um sein Abenteuer zu vollenden.

Harlin, der im letzten Jahr mit Kayak und Mountain-Bike am nördlichen und westlichen Rand der Schweiz unterwegs war, will nun die Berggipfel an der Grenze zu Italien und Österreich bezwingen.

Harlin wird auf seiner Reise exklusiv für swissinfo.ch Videos drehen, Bilder schiessen und über seine Erlebnisse und Strapazen berichten.

swissinfo.ch: Wie fühlen Sie sich vor dem Start zur letzten Etappe ihres Grenzabenteuers?

John Harlin: Ich habe gemischte Gefühle. Ich freue mich sehr, diesen Teil des Landes zu sehen und ich will die Gipfel in Angriff nehmen. Gleichzeitig bin ich nervös, weil ich doch sehr grosse Höhenunterschiede werde überwinden müssen.

swissinfo.ch: Spitzenbergsteiger sind normalerweise zwischen 20 und 30 Jahre alt. Sie sind mehr als 50-jährig. Wie werden Sie die Anstrengungen bewältigen?

J.H.: Mein Vater schenkte mi einen Körper, der immer noch stark ist und ich habe trainiert. Doch dieses Abenteuer braucht viel Ausdauer.

Ich habe nicht mehr die Geschwindigkeit, die ich als junger Mann hatte und auch nicht mehr dieselbe Kraft. Aber ich habe immer noch den gleichen Willen.

swissinfo.ch: Worauf freuen Sie sich am meisten?

J.H.: Auf die Vielfalt. Ich freue mich auf die hohen Gipfel, auf das Matterhorn. Der Aufstieg auf den Dent d'Herens ist aus der technischen Kletterperspektive sehr interessant. Aber auch auf das mehr tropische Ambiente im Tessin freue ich mich.

swissinfo.ch: Letztes Jahr haben Sie sich beide Füsse gebrochen. Wovor fürchten Sie sich am meisten?

J.H.: Der Unfall passierte an einem Ort, von dem ich wusste, dass er einer der gefährlichsten der Tour ist. Ich hatte auch Glück im Unglück. Es hätte schlimmer kommen können. Technisches Klettern ist meine Passion. Ich fürchte die schwierigen Passagen nicht.

Meine Hauptsorge gilt den Abstiegen und ich frage mich, wie meine Knie das aushalten werden. Ich habe mit einem Knie-Chirurgen gesprochen. Er hat mir ein paar einfache Übungen empfohlen und mir gesagt, dass ich damit mühelos Höhenunterschiede von 30'000 Metern in der Woche aushalten werde.

swissinfo.ch: Kann es sein, dass Sie sich einmal sagen müssen, es sei zu gefährlich, weil es schneit oder stürmt?

J.H.: Das Wetter ist ein anderes grosses Thema. Schlechtes Wetter kann Sie daran hindern, den Aufstieg fortzusetzen. Wenn es einige Tage schlechtes Wetter hat, dann werde ich warten müssen. Ich kann auch Routen suchen, die weniger wetterabhängig sind.

swissinfo.ch: Wie schwer ist Ihr Gepäck?

J.H.: Am schwersten sind natürlich das Wasser und die Nahrungsmittel, die ich mitnehmen muss. Da hängt natürlich einiges davon ab, für wie viele Tage ich Reserven mitnehmen muss.

Ich habe vorhin mein Gepäck samt der Kamera gewogen. Es war 14 Kilogramm schwer. Die Kamera wiegt zwischen 2 und 3 Kilogramm. Ich muss also noch etwas Gepäck wegnehmen.

swissinfo.ch: Wird es Zeiten geben, in denen Sie aus dem Zelt schauen und keine Lust haben werden, raus zu gehen?

J.H.: Das wird das längste Abenteuer sein, das ich jemals in Angriff genommen habe. Ich weiss, es wird Momente geben, in denen ich lieber an den Luganer See Baden gehen oder sonstwie ausspannen würde. Aber das Ganze ist für mich eine Herausforderung, und ich werde mich in diesen Momenten überwinden müssen.

swissinfo.ch: Wenn das Abenteuer hinter sich haben, werden Sie dann die Schweiz vergessen?

J.H.: Fragen Sie mich das am Ende. Ich denke, dass ich nachher eine Zeitlang genug haben werde vom Bergsteigen auf hohe Gipfel.

Grenzgeschichten

John Harlin III begann sein Abenteuer im Juni 2010. Damals wollte er die Schweiz entlang der knapp 1900 Kilometer langen Grenze aus eigener Muskelkraft umrunden – zu Fuss, per Velo und Kajak.

Doch nach wenigen Tagen brach er sich bei einem Unfall beide Füsse. Ein Helikopter der Air-Glaciers rettete den Bergsteiger und flog ihn ins Spital von Sitten.

Nachdem seine Knochen wieder geheilt waren, nahm er das Projekt wieder in Angriff: Im Herbst 2010 paddelte er auf dem Rhein, fuhr mit dem Velo um Schaffhausen, auf dem Mountain-Bike der Grenze im Jura entlang und durchquerte den Genfersee im Kajak.

Diesen Sommer wird er im Uhrzeigersinn von der Ostschweiz ins Wallis wandern und bergsteigen.

Sein Abenteuer wird er in der Nähe des letztjährigen Unglücksortes beim Mont Dolent beenden. Dort kommen die Grenzen von Italien, Frankreich und der Schweiz zusammen.

Während er entlang der Grenze unterwegs ist, sendet Harlin Berichte, Fotos und Videos über sein Mobiltelefon.

Sie werden als Teil eines Online-Tagebuchs auf der englischsprachigen Site von swissinfo.ch. publiziert.

Mit Hilfe einer Funktion zur geographischen Referenzierung (Geotagging), kann man Harlins Bewegungen in Realzeit auf einer speziellen Schweizer Landkarte von Google Maps verfolgen und die Orte entdecken, über die er schreibt.

Harlins Fotos werden zudem auf Picasa aufgeschaltet und tausende seiner Fans können über ihre Facebook-Profile direkt auf dem neusten Stand bleiben.

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