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"Extremer Backlash": Das SWI-Panel im Stream

Sie diskutierten zum Thema politische Teilhabe der Frauen: Estefania Cuero (unten links), Marie-Claire Graf, Regula Stämpfli und Renat Künzi (Moderator). Das swissinfo.ch-Panel war die Eröffnung der Aarauer Demokratietage 2021. swissinfo.ch

Wenn Frauen heute in Bewegungen wie #FridaysforFuture oder #metoo gegen Ungerechtigkeit und Ungleichheit kämpfen, freut das Marie-Claire Graf, Estefania Cuero und Regula Stämpfli nur bedingt: Die Politik hätte die Forderungen längst umsetzen sollen. Die Diskussion, die SWI swissinfo.ch zum Auftakt der Aarauer Demokratietage 2021 durchführte, finden Sie hier als Aufzeichnung.  

Dieser Inhalt wurde am 05. März 2021 - 17:30 publiziert

Gerechtigkeit und Gleichstellung beginnt für Regula Stämpfli, Politikwissenschaftlerin, Historikerin und Buchautorin, bei der politischen Teilhabe. Und genau hier ortet sie eines der Grundprobleme:

"Schon 1991 war ich mit Claude Longchamp für Swissfuture, die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung, durch die Schweiz gereist mit dem Slogan 'Die Zukunft wird weiblich'".

Doch das Gegenteil sei eingetreten: "Die politische Teilhabe befindet sich in den letzten 30 Jahren in einem extremen Backlash. Die Lage hat sich in allen Bereichen verschlechtert – im sozialen, habituellen und kulturellen Bereich wie auch in der Identity Politics, Diversity Politics und der Politics of Race", so Stämpfli, die auch den feministischen Podcast Die PodcastinExterner Link herausgibt. Dabei lägen die Instrumente wie beispielsweise Quoten längst auf dem Tisch.

Was sich jetzt ändern muss: Hier die ganze Debatte vom 4. März:  

"Es braucht eine Nulltoleranz"

"Es ist ja nicht so, dass ich keine anderen Hobbys hätte als Lobbyarbeit für Klimapolitik zu leisten", sagte Marie-Claire Graf, Schweizer Klimaaktivistin und UNO-Klimabotschafterin.

Auch Graf zeigte an, dass den Forderungen der Bewegungen #Klimastreik oder auch #FridaysforFuture nichts Radikales anhafte, wie dies rechte Politiker und Politikerinnen den Mitgliedern der Bewegung gern unterstellen.

"Was ich dagegen als radikal sehe, ist unsere heutige Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem mit dem Wissen, wohin wir hinsteuern – in den Suizid der Gesellschaft. In diesem Wissen liegt für mich das Radikalste überhaupt."

Heute zeige sich, dass Grenzwerte der falsche Weg seien, reiche Länder könnten sich bei Verletzungen rauskaufen. Es brauche die Nulltoleranz sowie die neue Kategorie des "Ökozid", damit Umweltsünder bestraft werden könnten, so Graf.

Nicht erreicht, was selbstverständlich ist

Auch Estefania Cuero Externer Linknimmt Stellung zum Vorwurf der Radikalität. Die Unternehmerin im Bereich Diversität und Empowerment sowie Doktorandin an der Universität Luzern sagt: "Die Forderungen der Bewegungen sind weder neu noch radikal. Bei den FridaysforFuture geht es darum, dass die Politikerinnen und Politiker einhalten, was sie sich vorgenommen haben. Bei BlackLivesMatter darum, dass die Gewalt gegen schwarze Menschen ein Ende findet." Das seien keine radikalen oder aussergewöhnlichen Forderungen, so Cuero.

Das Programm der Aarauer Demokratietage

Die Diskussion war die Startveranstaltung zu den 13. Aarauer DemokratietagenExterner Link, die in diesem Jahr dem Thema "Frauen und Politik" gewidmet sind. Veranstalter ist das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA). SWI swissinfo.ch ist Medienpartner des grössten jährlichen Demokratie-Events der Schweiz.

Am 11. März diskutieren Expert*innen aus dem In- und Ausland über das Instrument der Quoten in Parlamenten und deren Auswirkungen.

Am 18. März steht die Forschung über die politische Partizipation der Frauen im Zentrum.

Der letzte Demokratietag am 25. März ist Gender-Aspekten in der politischen Bildung gewidmet.

Die Zoom-Veranstaltungen sind jeweils donnerstags und dauern von 16 bis 18 Uhr. Hier können Sie sich anmeldenExterner Link.

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