"Flugschneise Süd - nie!"

In Zürich wehrten sich die Betroffenen gegen Südanflüge auf den Flughafen in Kloten. Keystone

Zwischen 8000 und 10'000 Menschen haben am Samstag in Zürich gegen die geplanten Anflüge des Flughafens Kloten von Süden her demonstriert.

Dieser Inhalt wurde am 05. Juli 2003 - 18:19 publiziert

Man sei nicht bereit, die Zeche für die verfehlte Luftverkehrspolitik zu bezahlen, so der Tenor.

Da Deutschland seine Anflugbeschränkungen auf den Flughafen Zürich-Kloten, die ab dem 10. Juli gelten sollten, zwar verschoben aber nicht aufgehoben hat, droht dem dicht besiedelten "Süden" der Stadt Zürich vermehrter und starker Fluglärm.

Ab dem Frühjahr 2004 wird der Flughafen Zürich-Kloten über das Glatttal und die Gemeinden am Pfannenstiel angeflogen. Die Bewohner dort machen sich aufs Schlimmste gefasst und wollen das vom Bund abgesegnete Anflugsystem nicht einfach so hinnehmen.

Behörden riefen zur Demo auf

Von einem denkwürdigen Anlass sprachen die Organisatoren der Kundgebung. Es sei selten, dass die Bevölkerung von Behördenvertretern ermuntert werde zu demonstrieren.

Viele Lokalpolitiker, darunter mehrere Mitglieder der Stadtzürcher Regierung mit Stadtpräsident Elmar Ledergerber an der Spitze, nahmen am Demonstrationszug teil.

Sie reihten sich in eine Menschenmenge ein, die gemäss Polizei 8000 Personen umfasste. Die Organisatoren sprachen von bis zu 10'000 Demonstranten.

Bissiger Spott für Regierungen und Unique

Die Kundgebungsteilnehmer machten die Flughafenbetreiberin Unique, den Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger und den Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ruedi Jeker für die verhasste Politik der Lärmverteilung verantwortlich. Alle drei wurden mit bissigen Spott- und Wutsprüchen bedacht.

"Niemand glaubt den Lügenworten von Jeker, Unique und Konsorten", hiess es auf einem Transparent. An Leuenberger ging gar der Vorwurf: "Todesschneise Süd: Das ist eventualvorsätzliche Tötung, Herr Bundesrat!"

Alternative "gekröpfter Nordanflug"

Als Alternative zum Südanflug schlagen die Verteter der Südlobby die sofortige Einführung des "gekröpften Nordanfluges" vor.

Unter dem "gekröpften Nordanflug" wird eine Route entlang der Rheingrenze von Nordwesten her Richtung Zürcher Unterland verstanden. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hält die Variante kurzfristig für nicht machbar.

Die Südlobby ist anderer Meinung. Sie unterstellt den Brhörden, sie würden diese Variante ablehnen, weil sie für den Flughafen eine Einbusse an Landekapazitäten bedeuten würde.

Der "gekröpfte Nordanflug" sei diejenige Anflugvariante, die am wenigsten Menschen zusätzlich mit Fluglärm belaste.

Südanflüge für Oktober vorgesehen

Die umstrittenen Südanflüge gibt es bislang noch nicht. Ab dem Flugplanwechsel im Oktober sollen in den von Deutschland verlangten Sperrzeiten jedoch auch Anflüge von Süden auf die Piste 34 durchgeführt werden.

Blindlandeanflüge werden von Süden allerdings nie möglich sein. Deutschland erlaubt bei ungenügender Sicht Anflüge von Norden.

Seit 17. April dürfen Flugzeuge gemäss einer einseitigen Rechtsverordnung Deutschlands in den Abend- und Morgenstunden nicht über Süddeutschland zum Zürcher Flughafen fliegen.

Deutschland griff zum Mittel der einseitigen Verordnung, weil die Eidgenössischen Räte in Bern den Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz über die Anflüge über Süddeutsches Gebiet abgelehnt hatten.

Deutscher Verkehrsminister: Kein Spielraum für Nachverhandlungen

In einem Interview mit der "SonntagsZeitung" sagte der deutsche Verkehrsminister Manfred Stolpe, es sei bedauerlich, dass die Schweiz den Staatsvertrag abgelehnt habe. Spielraum für Nachverhandlungen zum Staatsvertrag sieht er nicht.

Für eine gerechte Verteilung des Fluglärms gebe es keine Alternative zu den Südanflügen, sagte Stolpe. Den von der Swiss geforderten Lockerungen bei den Wochenendregeln gibt er keine Chance.

swissinfo und Agenturen

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