"Götter in Weiss" sehen rot

Assistenzärzte beim Protest in Lausanne. Keystone

Mit Warnstreiks und Protestmärschen haben in der ganzen Schweiz über 3000 Ärztinnen und Ärzte gegen den geplanten Zulassungsstopp protestiert.

Dieser Inhalt wurde am 27. Juni 2002 - 19:54 publiziert

Die Assistenz- und Oberärzte sehen rot: Rote Armbinden, rote T- Shirts und andere rote Kleidungsstücke, die viele von ihnen am Aktionstag trugen, sollten die Wut und die Alarmstimmung verdeutlichen, in der sich die junge Ärzteschaft befindet.

Während der Aktionstag in der Westschweiz mit ganz- oder halbtägigen Arbeitsniederlegungen markiert wurde, fanden in der Deutschschweiz höchstens kurze Warnstreiks über Mittag statt. In Basel nahmen am Donnerstagabend gegen 200 Personen an einem Protestmarsch durch die Innenstadt teil.

In der Mittagspause versammelten sich in zahlreichen Spitälern die Ärztinnen und Ärzte zu Diskussionen und unterschrieben ein Protestschreiben an Bundesrätin Ruth Dreifuss. Das Schreiben "Ärztestopp - So nicht!" wurde am Nachmittag einem Vertreter des Departements des Innern übergeben.

Einseitig und unausgereift

Der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO) als Organisator des Aktionstags kritisiert den zur Kostensenkung im Gesundheitswesen geplanten dreijährigen Zulassungsstopp als einseitig und unausgereift.

Mit einer solchen Übung werde zudem jene Gruppe getroffen, die dank ihrer Aus- und Weiterbildung mit den Prinzipien einer kostenbewussten Medizin am besten vertraut sei.

Kein Einfluss auf Kostenanstieg

Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) steht laut eigenen Angaben voll hinter den Aktionen des VSAO. Die Standesorganisation forderte den Bundesrat auf, auf die geplante Verordnungsänderung verzichten. Denn die verweigerten Praxisbewilligungen bedeuteten praktisch ein Berufsverbot für Fachärztinnen und Fachärzte.

Die Massnahme würde laut FHM zudem zu einem Stau bei den Weiterbildungsstellen im Spital führen mit dem Effekt eines längerfristigen Ärztemangels. Vor allem aber werde der Kostenanstieg nicht beeinflusst, da die Ansprüche weiter stiegen und die Medizin weitere Fortschritte mache.

Entscheid noch vor Sommerferien

Der Bundesrat will noch vor den Sommerferien über den Zulassungsstopp entscheiden. Nach Ansicht von Bund, Kantonen und Versicherern trägt die zunehmende Ärztedichte zur Kostensteigerung im Gesundheitswesen bei. Sie wollen deshalb bei Bedarf die Zulassung weiterer freier Arztpraxen für drei Jahre stoppen können.

swissinfo und Agenturen

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