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"Green Finance" Genf will Umwelt-Ressourcen stärker mit Geld aufwiegen



Windkraftwerk auf dem Mont-Soleil im Berner Jura. Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Finanzwirtschaft mehr in grüne Technologien investieren.

Windkraftwerk auf dem Mont-Soleil im Berner Jura. Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Finanzwirtschaft mehr in grüne Technologien investieren.

(Keystone)

Eine Firma in Genf investiert in eine Technologie zur Verlängerung der Lebensdauer von Handy-Akkus. Dies ist ein Beispiel von Green Finance oder grüner Finanzierung, sprich dem Fluss von Risikokapital in saubere Energien und Technologien. Ziel ist die Begrenzung der Klimaerwärmung.

Die Firma Cavendish Kinetics will durch effizientere Datenverarbeitung erreichen, dass die Akkus von Handys ein längeres Leben haben. Damit hat es das US-Unternehmen auf das Radar von Quadia geschafft. Die Genfer Spezialisten machen sich für Kunden wie Cavendish Kinetics auf die Suche nach Investoren, die Risikokapital zur Verfügung stellen.

Quadia ist ein Gründungsmitglied von "Sustainable Finance Geneva", eines Verbands von rund 250 Investitions-Fachleuten.

Mobiltelefon-Benutzer müssten heute ihre Geräte viel zu häufig aufladen, sagt Guillaume Taylor von Quadia. In Zukunft würden die Nutzer technologische Entwicklungen immer häufiger danach bewerten, was sie punkto ökologischem Nutzen bieten, so der ehemalige Vermögensverwalter bei einer Privatbank.

Laut Christiana Figueres, Generalsekretärin der Klimarahmen-Konvention der Vereinten Nationen, sind jährlich Investitionen von einer Billion US-Dollar in sauberere Energie wie diese nötig, um zu verhindern, dass der Anstieg des weltweiten Temperaturmittels nicht über 2 Grad ansteigt.

Tagung der Klima-Rahmenkonvention

In Genf findet vom 8. bis 13. Februar 2015 eine Konferenz der Klima-Rahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change) statt.

Die Klima-Rahmenkonvention mit Sitz in Bonn (D) hat 196 Mitglieder, darunter praktisch alle Staaten der Welt. Sie ist die Grundlage des Kyoto-Protokolls von 1997 zur Begrenzung der industriellen Treibhausgase.

Die Konferenz in Genf ist die Vorbereitungskonferenz zum Klimagipfel in Paris vom Dezember 2015. Ziel des Gipfels ist die weitere Verminderung der schädlichen Treibhausgase, insbesondere der Kohlenstoffe, also des durch die Menschen verursachten Klimawandels.

Konkret wollen die Delegationsteilnehmer in Genf eine Verhandlungsgrundlage für Paris ausarbeiten. 

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Die Stadt Genf ist gut positioniert, um bei diesen Anstrengungen eine führende Rolle einzunehmen. An der Klimakonferenz im peruanischen Lima von letztem Dezember sagte Umweltministerin Doris Leuthard gegenüber swissinfo.ch, dass grüne Finanzierung Firmen im aufstrebenden nachhaltigen Finanzsektor in Genf gute Möglichkeiten bieten könnte.

"Es dreht sich alles um die Wirtschaftlichkeit", sagt Quadia-Vertreter Taylor weiter. Die Beibehaltung der wirtschaftlichen Leistung bei gleichzeitiger Verringerung der schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt ist zentral in der Strategie von Quadia.

Auch Luft und Wasser haben einen Wert

"Ist das Wachstum des Bruttoinland-Produkts (BIP) wirklich die Basis von allem?", hinterfragt Taylor. "Könnten wir kein BIP-Wachstum haben und trotzdem ein Wachstum in anderen Kapitalformen sehen?" Er ist der Meinung, auch Umwelt-Ressourcen wie Luft, Wasser und die Natur, von denen wir alle abhängig sind, hätten einen Geldwert.

"Wirtschaftswachstum bedeutet nichts, wenn man dabei die Umwelt zerstört. Das führt zu Negativwachstum. Wir müssen neu definieren, was zu Wirtschaftswachstum gehört, was Einnahmen bedeuten, was wir als Massstab nehmen, und wir müssen den quantitativen Wert von Indikatoren neu setzen."

Taylor sagt zwar, die Finanzwirtschaft könne das Problem sein im Zusammenhang mit Wachstum. Er glaubt aber, dass sie auch "das Gegenmittel, die Lösung sein könnte". Das Indiz dafür: Die Quadia erhalte von grösseren Unternehmen vermehrt Risikokapital zur Förderung nachhaltiger Projekte.

Eine zunehmende Anzahl grösserer Unternehmen in Genf, aber auch in Zürich, haben bereits Berater oder Abteilungen, die sich mit Green Financing befassen.

"Für den Schweizer Bankensektor macht das sehr viel Sinn", sagt Anton Hilber, Leiter Globalprogramm Klima bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Die Regierung sei "sehr erfreut" darüber, wie der Bankensektor "Strategien in nachhaltiger Finanzierung entwirft und sich selber positioniert", wenn man die Herausforderungen des Sektors in Betracht ziehe, so Hilber.

Genfs Pluspunkte

"Genf hat Pluspunkte", sagt Bertrand Gacon, Präsident der Vereinigung "Sustainable Finance Geneva". Er nennt die Präsenz zahlreicher internationaler Organisationen, spezialisierter Nichtregierungs-Organisationen, Stiftungen sowie die Finanzexpertise des Bankenplatzes. Doch auch diese Kombination konnte nicht verhindern, dass Genf 2012 das Rennen um den  Sitz des Green Climate Fund der Vereinten Nationen gegen Seoul verloren hat.

Ein wichtiges internationales Programm, das die Förderung nachhaltiger Finanzierung zum Ziel hat, ist die in Genf basierte Finance Initiative des UNO-Umweltprogramms UNEP, eine öffentlich-private Partnerschaft zwischen der UNO und dem Finanzsektor. Letztes Jahr startete die Finanz-Initiative am Weltwirtschafts-Forum (WEF) in Davos eine Umfrage darüber, wie der regulatorische Rahmen aussehen soll, um den Kampf gegen den Klimawandel besser in der Finanzwirtschaft zu verankern.

Die UNEP-Finanzinitiative wird auch von der Deza unterstützt. In der Schweiz wurde 2013 die nachhaltige Finanzwirtschaft in der jüngsten Studie auf 57 Milliarden Franken geschätzt. Im Mai dieses Jahres werden die neusten Zahlen erwartet.

Doch das Auftreiben von privatem Kapital für "grüne Finanzierung" ist schwierig. Laut Deza-Vertreter Hilber besteht keine Meldepflicht, und viele Unternehmen machten den Datenschutz geltend. Deshalb sei es schwierig, eine Gesamtsumme zu beziffern.

Für ihn ist es wichtig, dass der private Sektor Signale erhält, damit mehr Massnahmen gegen den Klimawandel eingeführt werden können. Bereits 2009 hätten sich verschiedene Länder verpflichtet, bis 2020 jährlich 100 Millionen US-Dollar zu investieren, darunter auch Mittel aus privater Hand. Deshalb sei zu erwarten, dass sich die Delegierten an der UNO-Klimakonferenz in Paris von kommendem Dezember (COP 21) "im Abkommen neu darauf verpflichten", so Hilber.

Staaten entscheidend

Hilber glaubt aber nicht, dass in Paris ein rechtlich bindendes, internationales Abkommen verabschiedet wird. "Das Herz des Abkommens sind die national festgelegten Verpflichtungen, die in den jeweiligen Ländern eingeführt werden müssen. Diese enthalten Anreize und Regeln, damit die privaten Sektoren neue Technologien fördern."

Der Trend zeigt nach oben: Im Bereich der nachhaltigen Finanzierung hat sich laut dem Deza-Vertreter der Markt für grüne Bonds verdreifacht. Mit solchen Bonds unterstützen grosse Finanzinstitute Unternehmen, die in grüne Technologie investieren. Letztes Jahr gab die Europäische Investmentbank (EIB) ihren ersten grünen Bond heraus. Darin verwalten Schweizer Banken 388 Millionen US-Dollar.

Für Hilber ist der Schweizer Markt für nachhaltige Finanzierung ermutigend, aber noch relativ neu. "Die Schweizer Banken sind im Wandel und haben links und rechts noch zu viele Feuer zu löschen. Doch es macht uns Hoffnung, dass sie eine Vision in diese Richtung haben", sagt er.

swissinfo.ch

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