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"Herr Minister, sagen Sie..."

Der Schweizer Aussenminister Joseph Deiss mit seinem pakistanischen Amtskollegen Abdul Sattar.

(Keystone)

In Pakistan werden nicht nur die Klischees der Schweiz wahrgenommen. Dies erfuhr auch Aussenminister Deiss bei seinem Besuch.

"Herr Minister, was denken Sie zur Verfassungsmässigkeit des Referendums, das General Musharraf organisieren wird?" "Welches ist ihre Meinung zur Reform des Sicherheitsrates der UNO?" "Exzellenz, wie ist die Position der Schweiz im Kaschmir-Konflikt?"

Am Donnerstag bei den Medien in Islamabad prasselte ein veritables Feuerwerk von Fragen auf den Schweizer Aussenminister Deiss. Dieser war darüber gar nicht unzufrieden: "Ich habe da schon anderes erlebt", erzählt er. "Zum Beispiel im Nahen Osten, als ein Journalist unbedingt wollte, dass ich eine Erklärung kommentieren sollte - eine Erklärung von Lionel Jospin!"

"Die Frage zum Kaschmir-Konflikt ist sozusagen ein Ritual, sie wird allen ausländischen Ministern gestellt, die hier sind. Denn im Gegensatz zu Indien will Pakistan unbedingt, dass international darüber nachgedacht wird", erklärt Christian Dunant, Schweizer Botschafter in Islamabad.

Die schwarzen Kassen von Benazir Bhutto

Aufdringlich verhalten sich die pakistanischen Journalisten nicht gegenüber den Schweizern. Eher neugierig und begierig auf Äusserungen, die über die strikt geregelte Diplomatensprache hinaus gehen.

Nicht erfüllt werden diese Ansprüche bei der Frage nach den Geldern der früheren Präsidentin Benazir Bhutto. "Wir können dieses Geld nicht freigeben bis ein Gericht in Pakistan selber darüber entschieden hat", wiederholt Joseph Deiss mehrere Male.

"Es geht nicht bloss um Madame Bhutto", erinnert Mateen Haider, Reporterin des nationalen Senders PTVNews. "Mehrere frühere pakistanische Anführer haben ihre Gelder weggeschafft und verstecken sie bei Ihnen. Und in diesem Bereich erwarten wir mehr Zusammenarbeit von Ihren Behörden. Dieses Geld muss nach Pakistan zurück kommen, wir brauchen es, um die Armut bekämpfen zu können."

Mateen Haider ist keine absolute Gegnerin der Schweiz: "Ihr Land hat überhaupt nicht die Gefühle uns gegenüber wie die Amerikaner - sie haben hegemoniale Visionen gegenüber Regionen wie die Unsrige." Im Gegenteil, so der Journalist aus Islamabad weiter, man hoffe jetzt - als Mitglied der UNO - werde die Schweiz ihre Stimme für die unterdrückten Länder erheben.

Gute Vorurteile

"Im Allgemeinen bewundern die Leute, die unser Land besucht haben, die Schweiz", so die Feststellung von Christian Dunant, der seit zwei Jahren in Pakistan arbeitet. "Die Schönheit der Landschaft, die Sauberkeit, der Käse und die Schokolade - so ist etwa die Sammlung der positiven Klischees."

"In Bezug auf unsere Entwicklungs-Zusammenarbeit glaube ich sagen zu dürfen, dass sie sehr geschätzt wird", ergänzt der Botschafter. Zudem: "Da wo wir sind, kann jeder konkrete Resultate sehen. Diese Wirksamkeit wird sehr geschätzt."

Allerdings bedeute das nicht, so Dunant weiter, dass die Bevölkerung von morgens bis abends Allah für die Hilfe danke, welche die Schweiz ihnen bringe. "Ich bin sogar überzeugt, dass die meisten Menschen auf dem Land von der Existenz unseres Landes gar nichts wissen."

Marc-André Miserez, Islamabad

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