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"In relaxter Alpengegend entsteht anderer Sound"



Die Lenk steht in diesen Tagen ganz im Zeichen des Jazz: Auftritt der Swiss Old Time Session.

Die Lenk steht in diesen Tagen ganz im Zeichen des Jazz: Auftritt der Swiss Old Time Session.

(swissinfo.ch)

Nicht Kuhglocken dominierten bis am Sonntag die Bergwelt an der Lenk im Berner Oberland, sondern jazzige Klänge. Nebst Konzerten von Profimusikern an den Lenker Jazz Tagen waren Dutzende Amateure anzutreffen, die sich in Workshops ihrer Passion hingaben.

"Das tönt ja schon viel besser! Und Achim, das war ein gutes Gitarrensolo", lobt Don Randolph, Lehrer für Posaune und Tuba. Er leitet einen Workshop für Swing in der Aula der Schule an der Lenk. Die neun Amateurmusikerinnen und –musiker spielen "In a mellow tone". Noch klingt nicht alles perfekt, aber bis zum Konzert am Samstag bleibt noch Zeit.

Die Leute haben sich zusammen mit über 50 weiteren Musikinteressierten eine Woche Zeit genommen, um sich in verschiedenen Stilrichtungen des Jazz weiterzubilden.

"Alle Leute können swingen, auch die Schweizer", sagt Randolph, der aus New Orleans stammt und seit 30 Jahren in Europa lebt, gegenüber swissinfo.ch. "Swing ist ein Gefühl, ein gewisser 'Vorwärts-Drive'. Auch Balkanländer kennen den Swing, nicht nur die USA."

Von Swing über Dixieland bis hin zu Bossa Nova

Nur einen Katzensprung von der Schulanlage entfernt wird ebenfalls eifrig geprobt: im Dancing des Hotels Wildstrubel. Es ist stickig und heiss. Mike Goetz studiert mit einer 8-köpfigen Band ein Bossa-Nova-Stück ein.

"Ich hätte es gerne etwas präziser und sauberer, da war noch ein Fremdkörper drin. Und rhythmisch passt noch nicht alles zusammen", sagt er geduldig. Der Aufbau eines Stücks ist harte Arbeit, vor allem für eine Band, die nur für kurze Zeit zusammen spielt. Das weiss auch Ilana Ganzfried, die zum dritten Mal an den Workshops teilnimmt.

"Es gefällt mir, zusammen mit Leuten zu musizieren, mit denen ich sonst nicht spiele. Es ist immer eine Überraschung, wie die Zusammensetzung der Band aussieht. Es entsteht ein gemeinsames Projekt, und dies in einer schönen Gegend."

Die Bernerin spielt seit vielen Jahren Saxophon und seit zwei Jahren zusätzlich Trompete. Die Woche an der Lenk gebe ihr die Gelegenheit, sich ihrer Leidenschaft, der Musik, zu widmen. "Und wenn das Wetter stimmt wie dieses Jahr, sind das fast meine schönsten Ferien."

Auch wenn der traditionelle Jazz nicht unbedingt ihr Stil sei und sie sich an der Lenk zeitgenössischere Musik vorstellen könnte, sei doch vielleicht gerade diese Konstanz gut. "Man weiss, was man hat, es ist weder trendy noch kompetitiv. Auch wenn die Frauen eher in der Minderheit sind, fühle ich mich wohl. Die Stimmung ist gut."

Profitieren in guter Atmosphäre

Christian Strickler, verantwortlich für Swissmusic bei swissinfo.ch und ebenfalls aus Bern, nimmt bereits zum sechsten Mal an den Workshops teil. "Mein Instrument, die Geige, die in der Jazzwelt etwas exotisch ist, wird hier gepflegt und geschätzt. Ich habe einen sehr guten Lehrer, der mir auch Einzelstunden gibt.

Neben der tollen Atmosphäre und dem schönen Ort schätzt Strickler vor allem die Professionalität der Lehrer. "Sie können nicht nur sehr gut spielen, sondern sind auch pädagogisch gut. So kann man als Schüler etwas mit nach Hause nehmen."

Strickler belegt zudem einen Kurs in Jazz-Harmonielehre. "Solche Kurse sind selten, die Migros bietet sie jedenfalls nicht an."

Offen, aber linientreu

Leiter der Workshops ist der Berner Pianist, Komponist und Produzent Mike Goetz. Er gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Schweizer Jazzmusikern, insbesondere der traditionelleren Stilrichtungen. So widmen sich denn auch die Kurse an der Lenk, die er seit 16 Jahren leitet, vor allem dem traditionellen Jazz.

"Wir sind unserer Linie treu geblieben, ohne dass wir es allzu eng sehen. Auch der exotische Bossa-Nova-Stil hat Platz", erklärt er im Gespräch mit swissinfo.ch.

Die Kursteilnehmer stammen aus der Schweiz und gehören eher der älteren Generation an. Aber es gibt immer wieder Ausnahmen. "Der Jüngste in diesem Sommer ist 17 Jahre alt." Das Gros der Teilnehmenden sind Amateure, aber auch einzelne Profis wie zum Beispiel Musiklehrer kommen zur Weiterbildung an die Lenk.

Attraktiv für beide Seiten

Die Workshops fanden zeitgleich mit den Jazz Tagen Lenk statt, werden aber separat organisiert. Die Kurs-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer können sich abends – wenn sie nicht gerade an einer Jam-Session mitmachen – auch mal zurücklehnen und einem der zahlreichen Konzerte zuhören.

Gemäss Nicole Wälti, der Organisatorin der Lenker Jazz Tage, profitieren beide Seiten. "Es ist ein Vorteil, dass die beiden Veranstaltungen parallel laufen. Uns bringt es Publikum, und umgekehrt hat der Workshop eine Basis, um den Schülern zusätzlich etwas zu bieten."

Violinist Christian Strickler macht vom Konzertangebot jedenfalls rege Gebrauch. "Auch wenn ich den alten Jazz nicht besonders mag, habe ich hier doch schon viele gute Interpreten gehört."

Weit weg von der Stadt

Die Distanz zur Stadt und die Ruhe in den Bergen wirkt sich laut Mike Goetz günstig auf die Stimmung und den Zusammenhalt aus. "Alles hier im Dorf liegt nahe beieinander. Man isst und trinkt zusammen, trifft sich bei Jam-Sessions und besucht gemeinsam Konzerte."

Und diese Bergidylle, so Christian Strickler, beeinflusse auch die Musik. "Das Umfeld wirkt sich auf den Sound aus, den man produziert. In hektischem Umfeld tönt die Musik anders als in der relaxten Alpengegend."

Gaby Ochsenbein, Lenk, swissinfo.ch

Workshops Lenk

Die Workshops unter der Leitung von Mike Goetz fanden 2010 zum 16. Mal statt - parallel zu den Jazz Tagen an der Lenk.

Die Kursteilnehmenden erhalten an fünf Tagen Einzelunterricht auf ihrem Instrument. (Trompete, Klarinette, Saxophon, Posaune, Tuba, Klavier, Kontrabass, Schlagzeug, Violine, Akkordeon).

Zudem erhalten sie Gelegenheit, in den Workshops als Bandmusiker Erfahrungen zu sammeln, Stilrichtungen: Dixieland, Swing, Bossa Nova).

Abgeschlossen wurde die Woche mit einem Grosskonzert aller Workshops auf der Hauptbühne.

Angeboten wurden zudem theoretische Fächer wie Harmonielehre oder Gehörbildung.

Die Jazz-Lehrer stammen aus der Schweiz, Belgien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und den USA.

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Jazz Tage Lenk

Die 22. Ausgabe der Jazz Tage an der Lenk (9. – 18. Juli 2010) widmeten sich einmal mehr dem traditionellen Jazz. (Dixieland, New Orleans, Swing, Blues).

Zentrum der Jazz Tage an der Lenk im Simmental, Berner Oberland,war das Festivalzelt auf dem Kronenplatz. Konzerte finden jeweils auch in verschiedenen Restaurants und Hotels des 2500-Seelen-Dorfes statt.

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