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"Israel kann nur verlieren"

Leidtragend ist die Zivilbevölkerung: eine palästinensische Familie flüchtet vor den Bombeneinschlägen in Rafah im Süden des Gazastreifens.

(Keystone)

Die Schweizer Presse verurteilt die Gewalt im Nahen Osten einhellig. Wie beim Libanonkrieg würden auch hier die radikalen, islamistischen Gruppierungen gestärkt aus den Kämpfen hervorgehen, meinen mehrere Kommentatoren.

Die massiven Luftangriffe der israelischen Armee am Wochenende auf den Gazastreifen haben weltweit zu Protesten geführt, auch in den Medien.

"Israel kann nur verlieren", kommentiert Der Bund und erinnert an den Krieg, den das Land vor zweieinhalb Jahren gegen Libanon lostrat. Wie damals die Hisbollah werde jetzt die Hamas moralisch gestärkt aus den israelischen Angriffen hervorgehen.

Das Land sei im Dilemma. Hätte die Regierung nicht auf die Provokationen der Hamas reagiert, wäre sie "bei den Wahlen im Februar weggeputzt" und durch Kräfte der nationalistischen Rechten ersetzt worden, "die jeden Kompromiss mit den Palästinensern ausschliessen".

Parallelen zu Libanon

Auch die Neue Zürcher Zeitung zieht Parallelen zum "fatalen Libanon-Krieg" und fragt, wo in der Gewaltspirale die Perspektiven seien, die den betroffenen Menschen auf beiden Seiten glaubwürdige Auswege aus der festgefahrenen Konfrontation zeigen würden.

"Ruhe und Normalität werden im Gazastreifen auf längere Sicht nur durch kreative Politik zu erreichen sein – nicht durch Raketen und Bomben", schliesst die NZZ.

Der Tages-Anzeiger spricht von "tödlicher Verzweiflung" und meint damit nicht etwa die palästinensischen Extremisten, sondern die israelische Regierung.

"So imponierend die Militäroffensive im Gazastreifen erscheinen will, sie offenbart nicht die Stärke, sondern die Schwäche Israels. Mehr denn je braucht das Land internationale Hilfe, um aus dieser selbst verschuldeten Krise zu finden", schreibt der TA.

Provokationen der Hamas

Die israelischen Luftangriffe sind am Samstag zwar früher als erwartet, aber dennoch nicht aus heiterem Himmel über den Gazastreifen gekommen.

"Die radikalen palästinensischen Gruppierungen haben mit Raketenangriffen auf israelische Dörfer und Siedlungen einen massiven Gegenschlag bewusst in Kauf genommen", schreibt die Berner Zeitung. Sie seien deshalb "mitschuldig und mitverantwortlich für die dramatischen Ereignisse im Gazastreifen, für die Opfer und die schweren Schäden".

Die Rolle der USA

Die Westschweizer Presse stellt den israelisch-palästinensischen Konflikt in den globalen Kontext und erwartet zunehmende Spannungen in der ganzen Region des Nahen Ostens.

"Das Scheitern der amerikanischen Nahost-Politik, die letztlich für die blutigen Zusammenstösse verantwortlich ist, zeigt sich daran, dass es in acht Jahren nicht gelungen ist, eine diplomatische Öffnung zu ermöglichen", schreibt Le Temps.

24 Heures spekuliert, dass sich die israelische Regierung möglicherweise von einem Angriff hätte abhalten lassen, wenn sie auf den Widerstand der USA gestossen wäre.

"Doch der politische Wechsel in Washington zieht sich hin, und so waren alle Bedingungen erfüllt, dass das Jahr mit einer Kraftprobe im Gazastreifen endet."

swissinfo, Susanne Schanda

In Kürze

Israel hat am Wochenende die grösste Militäroffensive gegen den Gazastreifen seit dem Sechstagekrieg 1967 gestartet. Dabei kamen bisher rund 300 Menschen ums Leben.

Die israelische Luftwaffe bombardierte mit Dutzenden von Kampfflugzeugen rund 230 Ziele, darunter einen Fernseh-Sender, ein Ausbildungszentrum und zahlreiche Regierungsgebäude der radikal-islamischen Hamas.

Im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen wurden am Sonntag Panzer und Soldaten für eine Bodenoffensive zusammengezogen.

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Reaktionen

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Gewalt aufgerufen und das Nahost-Quartett eingeschaltet. Neben der UNO gehören dem Quartett die Europäische Union, die USA und Russland an.

Die Schweiz hat die Reaktionen der israelischen Streitkräfte auf die Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen als "unverhältnismässig" verurteilt und alle Konfliktparteien zur Zurückhaltung aufgerufen.

Israel habe das Recht, sich zu verteidigen, teilte das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit. Dies müsse jedoch unter Beachtung des humanitären Völkerrechts erfolgen. Das EDA verurteilte auch den Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen heraus.

In der arabischen Welt und im Iran stiess der massive Angriff Israels auf Wut und Ablehnung. Staatsoberhäupter in der Region kritisierten die "Besatzungsmacht" Israel und forderten sie auf, die "kollektive Bestrafung" der Gaza-Bewohner einzustellen.

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