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"Jenin liegt in Schutt"

Jenin: Erst jetzt wird das Ausmass der Schäden sichtbar.

(Keystone)

Das palästinensische Flüchtlingslager Jenin im Westjordanland sieht aus wie nach einem Erdbeben. Dies erklärte IKRK-Sprecher Vincent Lusser in Genf.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) konnte einen kleinen Teil des Flüchtlings-Lagers kurz inspizieren. Für genaue Angaben über die Toten und das Ausmass der Schäden sei es noch zu früh, führte Lusser gegenüber swissinfo weiter aus. "Die Häuser sind total zerstört, die ganze Gegend liegt in Schutt", sagte Lusser.

Nach der Genehmigung der israelischen Armee seien zehn Mitarbeiter des IKRK und des palästinensischen Roten Halbmondes in das Lager gelassen worden. "Bis jetzt konnten sieben Tote geborgen werden", gab Lusser am Dienstagnachmittag bekannt.

Aufgrund der grossen Schäden in dem Flüchtlingslager gestaltet sich die Bergung nach Angaben des IKRK äusserst schwierig. "Technische Mittel und anderes Knowhow wie bei Katastropheneinsätzen nach Erdbeben sind notwendig", meinte Lusser.

Dies sei gegenwärtig aber nicht vorhanden. "Unter den Schuttbergen befinden sich auch noch Überlebende", befürchtet das UNO-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA), das die Einsätze mit dem IKRK koordiniert.

Kein Wasser, keine Medikamente

Wichtigste Aufgabe sei es, den Tausenden seit Tagen eingeschlossenen Zivilisten zu helfen sowie die Leichen zu bergen, fügte Lusser hinzu. "Es gibt im Lager noch sehr viele Zivilisten, die in ihren Häusern geblieben sind."

Die Verteilung von Lebensmitteln in Jenin war nach Angaben des UNWRA am Montag an einer zu spät erteilten Genehmigung der israelischen Armee gescheitert. Seit Tagen seien die Menschen dort ohne Wasser, Nahrung und Medikamente.

Die israelische Armee hatte zu Beginn ihrer Militäroperation vor zehn Tagen Jenin zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Trotz aller Proteste und Hinweise auf das humanitäre Völkerrecht und die Genfer Konventionen hatte Israel den Hilfsorganisationen keinen Zugang zum Lager gestattet.

Schlacht oder Massaker?

Die Hilfsorganisationen wollten sich nicht zum Vorwurf der Palästinenser äussern, die israelische Armee habe in dem Flüchtlingslager ein Massaker verübt.

Das IKRK geht davon aus, dass die Zahl der getöteten und festgenommenen Palästinenser genau ermittelt werden kann. "Alle in dem Lager lebenden Flüchtlinge sind bei der UNWRA registriert gewesen. Deshalb wird die Zahl der Getöteten festgestellt werden können", meinte Lusser.

Amnesty fordert Aufklärung

Amnesty International (AI) rief den UNO-Sicherheitsrat auf, unverzüglich eine unabhängige Untersuchung von Menschenrechts-Verstössen in Jenin einzuleiten.

Zuvor hatte die Menschenrechts-Organisation in London unter Berufung auf eigene Experten mitgeteilt, dass in dem Lager "Hunderte von Palästinensern" umgekommen seien. "Wir fürchten, dass entscheidende Beweise zerstört werden, falls Israel weiterhin die Aussenwelt von dem Lager abschottet", sagte AI.

Augenzeugen hätten Amnesty berichtet, dass bewohnte Häuser von israelischen Panzern zerstört und anschliessend dem Erdboden gleich gemacht worden seien, teilte AI mit. Kinder seien in den Strassen verblutet.

Alina Kunz Popper und Agenturen


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