"Nao as Guerra de Bush"

Mit wehenden Fahnen, Spruchbändern, Sprechchören, Musik und Tänzen zog die Menschenmenge durch Porto Alegre. swissinfo.ch

Eine riesige Demonstration eröffnete das Weltsozialforum (WSF) in Porto Alegre. Tausende von Menschen aus unzähligen Gruppierungen marschierten für die unterschiedlichsten Forderungen.

Dieser Inhalt wurde am 24. Januar 2003 - 08:49 publiziert

In der Ablehnung eines neuen Irak-Krieges waren sich aber alle einig.

Zwei Stunden vor Beginn der Demonstration ist der Platz vor dem zentralen Markt heillos überlaufen: Aus riesigen Lautsprechern dröhnt südamerikanische Revolutionsmusik, donnern feurige Reden. Über den Köpfen im Gedränge schwenken Aktivistinnen und Aktivisten Fahnen: palästinensische, rote, brasilianische, regenbogenfarbige, kubanische, solche mit Hammer und Sichel, die tibetische, und omnipräsent weht das Kürzel PT der Arbeiterpartei des frischgewählten Präsidenten Luiz Ignacio Lula da Silva; wahlweise im roten oder gelben Stern.

So viele Forderungen wie Menschen an der Kundgebung

Als sich die Menschen hinter dem Block des Weltfrauenmarsches einreihen und die vierspurige Strasse zwischen den Häuserschluchten füllen, fordern sie auf Transparenten "No Sangre per Petroleo - Kein Blut für Öl", "Stop the War - Stoppt den Krieg" oder einfach "Paz - Frieden".

Demonstriert wird auch gegen die Privatisierung öffentlicher Güter und Dienste und die Abholzung des Tropenwaldes, für Land für Landlose, Frauenrechte und Menschenrechte, bessere Arbeitsbedingungen in Call-Centers oder die Unabhängigkeit der von Marokko beanspruchten Südsahara. Papierschnipsel regnen von einer Brücke hinab auf den Zug, Menschen singen, trommeln, spielen Strassentheater oder gehen verkleidet auf hohen Stelzen.

Davos versus Porto Alegre

"Es ist enorm vielfältig und lebendig. Das mobilisiert Gefühle und den emotionalen Verstand", kommentiert SP-Nationalrat Rudolf Strahm. "Da ist ein riesiger Kontrast zum kalten Managerkapitalismus in Davos."

Diesen Kontrast thematisiert auch die brasilianische Zeitung "O Estado de S. Paulo": Auf der Titelseite ist ein Foto eines Scharfschützen auf einem Dach des verschneiten Schweizer Skiortes zu sehen. Im sechsseitigen Extrabund montieren Festungswächter auf einem halbseitigen Foto Absperrgitter vor dem Luxushotel Arabella Sheraton, auf dem Bild darunter flanieren Jugendliche im Weltjugendcamp in Porto Alegre. Am Flughafen Zürich rangeln Kantonspolizisten mit vermummten Demonstrierenden und Armeehelikopter fliegen im gesperrten Luftraum über Davos.

Der einzige Helikopter über der unüberschaubar langen Demonstration in Porto Alegre ist derjenige des Fernsehens. "Das Sozialforum ist eine enorm grosse Geschichte für die brasilianischen Medien", sagt Rafael Monacu, den seine Fernsehstation aus Sao Paulo anreisen liess. Hunderte von Fotografen und Dutzende von Kameraleuten begleiten den Umzug, der teilweise einem Volksfest gleicht.

Freundliche Sicherheitskräfte

Und während sich die Schweizer Polizisten in der Schweiz auf "Terror und Krieg" (O Estado de S. Paulo) vorbereiten, hält sich die örtliche Polizei diskret im Hintergrund. "Ich habe keinen einzigen Wasserwerfer gesehen", sagt Gabrielle Andina von den SP-Frauen. "Es ist der Beweis, dass, wenn die Bevölkerung nicht falsch informiert wird, Tausende von Globalisierungsgegnern durch die Stadt ziehen können und alles friedlich bleibt."

Das bestätigt auch Jus-Student André Fayermann aus Porto Alegre: "Die Polizei ist hier um uns zu schützen, und das tut sie." Die Polizei habe sogar die Weisung erhalten, im Jugendcamp den Konsum weicher Drogen zu tolerieren und nur gegen Dealer vorzugehen, ergänzt ein Kollege.

Sonnenuntergang vor dem musikalischen Finale

Die Spitze des Umzuges kommt gerade rechtzeitig zum atemberaubenden Sonnenuntergang an der "Pôr-do-Sol" an. Noch während über einer Stunde werden Menschen aus dem Umzug ankommen.

Die Polizei schätzt die Zahl der Demonstrierenden - offensichtlich stark untertrieben - auf 43'000 Menschen. Die Organisatoren des WSF gehen am frühen Abend von 70'000 Personen aus. In einem Festzelt gibt es Essen und im Amphitheater installieren sich die ersten Musik-Vorbands. Alle warten auf Paulino da Viola, einem der beliebtesten Künstler Brasiliens. Bis spät nachts wird noch gefeiert.

Die ersten Anlässe und Konferenzen des Weltsozialforums werden schon in wenigen Stunden beginnen.

swissinfo-Sonderkorrespondent Philippe Kropf, Porto Alegre

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