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"Ohne Wasser keine Nahrung"

Zuviel Wasser wird verschwendet.

(Keystone)

Die Schweiz will international Akzente setzen: Empfehlungen eines Symposiums zeigen grossen Handlungsbedarf.

Pro Wassertropfen müsse in der Landwirtschaft mehr Wirkung erzielt werden.

Wir brauchen täglich zwei bis vier Liter Wasser zum Leben, und Unmengen für die Produktion unserer Nahrung: Rund 1000 Liter Wasser sind nötig, um auf dem Feld ein Kilogramm Weizen bzw. ein Kilo Mehl zu produzieren, 2500 Liter braucht es für ein Kilo Reis und über 15'000 Liter für ein Kilo Rindfleisch.

Der Druck auf die knapp werdende Ressource Wasser droht die Ernährungslage für die über 800 Millionen Hungernden weiter zu verschärfen.

Der Welternährungstag 2003 habe im Internationalen Jahr des Wassers eine ganz besondere Bedeutung, betont Anton Kohler, Leiter des Schweizer FAO-Komitees.

Bedeutung des Wassers für nachhaltige Landwirtschaft

Auf dessen Initiative hin haben das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und die Schweizer Hochschule für Landwirtschaft (SHL) Fachleute aus dem In- und Ausland zu einem Symposium im bernischen Zollikofen eingeladen mit dem Ziel, Lösungsansätze und Empfehlungen zu erarbeiten.

"Wir werden sie an die FAO weiterleiten", erläutert Kohler. Die Schweiz, die bei der FAO sehr aktiv mitwirkt, wolle die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung des Wassers in einer nachhaltigen Landwirtschaft lenken, zumal in vielen armen Regionen Investitionen in die ländliche Entwicklung vernachlässigt worden seien.

Grosser Handlungsbedarf

Mehr Wirkung pro Tropfen in der Landwirtschaft erzielen, mehr Gewicht auf traditionelle landwirtschaftliche Methoden legen, sorgsam haushalten auf jeder Ebene, Konsumenten den unsichtbaren ("virtuellen") Wert des Wassers im Essen bewusst machen. Wasserprobleme nicht nur technisch angehen, sondern auch in andere Politiken aufnehmen und internationale Grundsätze dazu erarbeiten, wem das Wasser gehört und wie die Nutzung geregelt wird: In diesen Bereichen orteten die Symposiumsteilnehmer dringenden Handlungsbedarf.

Einig waren sich die Fachleute insbesondere im Ansatz, dass Wasser ein öffentliches Gut ist und die Gesamtverantwortung für Wasserversorgung beim Staat liegt, wobei der gerechte Zugang zu Wasser sowohl global wie lokal geregelt werden müsse.

Da diese Fragen in der Welthandelsorganisation (WTO) verhandelt werden, müsse die Rolle der FAO und ihr Einfluss auf die WTO gestärkt werden. Die Teilnehmer empfehlen der FAO wie auch Bundesbehörden, alles daran zu setzen, dass in der WTO neben rein ökonomischen auch soziale, ökologische und politische Aspekte verstärkt berücksichtigt werden.

Nationales Forum

Das Symposium regte zudem ein nationales "Forum for action" an, da sich in der Schweiz viele Fachleute und Institutionen mit den Bereichen Wasser und Ernährung befassten. Es gelte auch, vermehrt Wissen auszutauschen, denn vielerorts gebe es lokal angepasste Bewässerungssysteme, die nicht nur eine nachhaltige Landwirtschaft, sondern auch neues Wachstum ermöglichten.

Die Ethnolologin Corinne Wacker zeigte im Vergleich zwischen dem Wallis und dem indischen Ladakh, wie selbst in ökologisch marginalen Berggebieten Oasen entstehen können, wenn Gletscherwasser in Suonen bzw. Kleinbewässerungssysteme geleitet wird.

Einen vielversprechenden Ansatz zeigte Crispino Lobo, Direktor der indischen Watershed Organisation Trust (WOTR): Regenwasser lässt sich durch den Bau von Gräben und Kanälen "ernten" und nachhaltig nutzen, was die Armut in Trockenlandwirtschaftszonen deutlich reduziert.

Die Nutzbarmachung von Wassereinzugsgebieten erfordere allerdings die Beteiligung der lokalen Bevölkerung und eine verstärkte Mobilisierung öffentlicher und privatwirtschaftlicher Mittel.

Multifunktionale Landwirtschaft

Um die Abwanderung aus ökologisch fragilen oder gar geschädigten Gebieten aufzuhalten, wo die Mehrheit der Armut und Hunger Leidenden lebt, sei diese Art Landschaftspflege dringend nötig, folgerte Lobo. Die Bauern müssten für diese Arbeit jedoch bezahlt werden.

FAO-Komitee-Leiter Anton Kohler pflichtete ihm bei: "Wir müssten klar Leistungen an die Landschafts- und Umweltpflege bezahlen und Subventionen von der Produktion abkoppeln", räumte Kohler ein. Der Begriff "multifunktionale Landwirtschaft" sei auf Druck der USA in der FAO verpönt.

Klar ist für Kohler, dass Agrarsubventionen des Nordens zugunsten der weltweiten Ernährungssicherung abgebaut werden müssen.

swissinfo und Viera Malach, InfoSüd


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