"Plateau der Menschheit" - 49. Kunst-Biennale in Venedig

Kurator Harald Szeemann organisiert auch dieses Jahr wieder die Biennale - man darf auf Überraschungen gespannt sein. Keystone

Unter dem Titel "Plateau der Menschheit" öffnete am Samstag (09.06.) die 49. Kunst-Biennale Venedig ihre Tore. Die internationale Schau wurde vom Schweizer Harald Szeemann eingerichtet. Den Schweizer Pavillon bespielt der Luzerner Urs Lüthi.

Dieser Inhalt wurde am 10. Juni 2001 - 20:25 publiziert

Neben dem italienischen Pavillon in den Giardini stehen dem Schweizer Ausstelllungsmacher Harald Szeemann die historischen Hallen des Arsenals zur Verfügung. Auf insgesamt 20'000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigt er Arbeiten von rund 140 Kunstschaffenden aus aller Welt. Aus der Schweiz mit dabei sind das Künstlerduo Com & Com (Johannes M. Hedinger und Markus Gossolt), Helmut Federle, Ingeborg Lüscher, Chantal Michel, Arnold Odermatt, Niele Toroni, Not Vital und der 1968 verstorbene Ettore Jelmorini.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Biennale steht politisch engagierte Kunst. Thematisiert werden insbesondere ethnische, politische und religiöse Konflikte im Zeitalter der Globalisierung. Symptomatisch führt Joseph Beuys' soziale Utopie in Form der Skulptur «The End of the Twentieth Century» (1968) in Szeemanns Ausstellung ein.

In den Pavillons der Giardini di Castello sind dieses Jahr 31 Länderbeiträge zu sehen. Die Schweiz wird offiziell vertreten vom Luzerner Urs Lüthi und vom St. Galler Künstlerduo Norbert Möslang und Andy Guhl. Während Möslang/Guhl in der Kirche San Staë mit der Klanginstallation «sound shifting» präsent sind, bespielt Lüthi unter dem Titel «Art for a better life» den traditionellen Landes-Pavillon.

Verführerische Schönheit

«Die Biennale ist eine tolle Konstellation», findet Urs Lüthi im Gespräch. «Ich kann in den Räumen des Schweizer Pavillons mein eigenes Universum aufbauen und meine Arbeiten in ihrem spezifischen Kontext zeigen.» Dass dies während eines der repräsentativsten Kunstevents geschieht, wird zur willkommenen Zugabe. Jedenfalls für einen Künstler, der in seinem Schaffen von jeher nie nur die menschlichen Befindlichkeiten, Sehnsüchte und Illusionen ausgelotet, sondern stets auch die Kunst und ihre Spielregeln mitreflektiert hat.

«Art for a better Life» wird Weiss auf türkisfarbenem Grund auf einer der Innenwände des Pavillons zu lesen sein. Die Sehnsuchtsfarbe Türkis ist dabei genauso Programm wie der vielversprechende Text. Denn die ausgewählten Arbeiten, die zu Lüthis jüngstem, weit umfassenderen Werkkomplex der «Placebos&Surrogates» gehören, handeln alle irgendwie von den vielen bunten Instant-Versprechen und Heilmitteln unserer auf Glückseligkeit fixierten Gesellschaft.

Aber Lüthi wäre nicht Lüthi, lauerte nicht hinter diesen, der Werbelogik abgeschauten Strategien ein riesiges Fragezeichen. Der Künstler weiss um die Unbehaustheit des modernen Menschen, der wider besseres Wissen stets auf der Suche nach Ganzheit ist. Ein Streben, das auch für die auf Zeit angelegten verführerischen Universen des Urs Lüthi gilt, die, so der Künstler selber, «stets das Ganze wollen, das mir dann aber doch nie gelingt».

swissinfo und Agenturen

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