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"Swiss Room" an Universität Pittsburgh eingeweiht

Swiss Room: Rustikaler Hörsaal an der Universität Pittburgh.

Swiss Room: Rustikaler Hörsaal an der Universität Pittburgh.

An der Universität Pittsburgh im US-Staat Pennsylvanien ist Ende April der "Swiss Room" offiziell eröffnet worden. Für die dortige Schweizer Gemeinde ist damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen.

Von nah und fern waren sie gekommen, um an der Feier teilzunehmen, an der neben Vertretern der Universität und der Schweiz unter anderem der Männerchor Helvetia aus Pittsburgh auftrat.

Überall waren Schweizer Dialekte zu hören. Die Freude, dass ein Projekt, das eine lange Vorbereitungszeit hinter sich hat, erfolgreich zu Ende gebracht wurde, zog sich wie ein roter Faden durch das Wochenende.

Der Raum der Schweiz befindet sich in der so genannten Cathedral of Learning, dem imposanten, 163 Meter hohen und denkmalgeschützten Wahrzeichen von Pittsburgh. Die "Kathedrale des Lernens" ist grösser als alle anderen Universitätsgebäude der westlichen Hemisphäre und symbolisiert das Engagement der Stadt für Bildung und Forschung auf internationaler Ebene.

Erbaut in den späten 1920er-Jahren im gotischen Stil, erinnert der Bau tatsächlich an eine Kathedrale. Eine weitere Eigenheit sind die "Nationality Rooms" – Räume, die jeweils einem Land gewidmet und entsprechend ausgestattet sind. Sie sollen nicht nur Erbe und Traditionen dieser Länder honorieren, sondern auch den Austausch unter den Menschen unterschiedlicher Herkunft fördern.

Diese Räume sind nicht einfach eine Art Museum, sie werden aktiv für Vorlesungen genutzt und sind daher auch mit modernster Technologie ausgestattet.

Was lange währt, wird endlich gut

Lange hatte es gedauert, doch am vergangenen Wochenende war es endlich soweit: In der Kathedrale des Lernens gibt es nun auch einen "Schweizer Raum". Die Schweiz ist das 29. Land, das mit einem solchen Zimmer vertreten ist.

Schon in den 1970er-Jahren war in Kreisen der Schweizer Gemeinde in Pittsburgh die Idee gewälzt worden, doch auch einen "Schweizer Raum" einzurichten, wie Heinz Kunz, emeritierter Professor und eine treibende Kraft hinter dem Projekt, gegenüber swissinfo.ch erklärt. Konkret hatte sich aber in den folgenden Jahrzehnten kaum etwas getan.

1996 schliesslich, damals seit ein paar Jahren Schweizer Honorarkonsul in Pittsburgh, lancierte Kunz die Idee erneut, zusammen mit Fred Carlson, dem damaligen Präsidenten der Swiss-American Society of Pittsburgh. 1998 wurde ein Komitee gegründet und das Projekt ernsthaft in Angriff genommen.

Architekten und Holzschnitzer

2005 gelang es dem Komitee, den bekannten Schweizer Architekten Justin Ruessli, der auch die Residenz des Schweizer Botschafters in Washington umgebaut hatte, als künstlerischen Leiter für das Projekt zu gewinnen. Im Frühling 2006 stiess der Pittsburgher Architekt Stephen Altherr, der auch Schweizer Wurzeln, hat zum Team – und im November 2008 der Tischler, Möbelschreiner und Holzschnitzer Richard Sink aus French Creek in West Virginia.

Sink war verantwortlich für alle Holzarbeiten im Schweizer Raum, die Wandvertäfelungen, die Tische und Stabellen, das Lehrerpult und die Deckenverkleidung. Sink hat zwar keine Schweizer Wurzeln, wie er im Gespräch mit swissinfo.ch erklärt.

Doch er wohnt in der Nähe von Helvetia, wo noch heute Nachfahren der Schweizer Immigranten leben, welche die Siedlung gegründet hatten, und alte Traditionen und Volksbräuche aufrecht halten. Sink ist aktiv in einer Volksmusikgruppe, wo er anderem er Bass spielt und das Alphorn bläst. Es sei für ihn eine "Ehre, durch meine Mitarbeit Teil dieser Reflektion von Traditionen und Geschichte der Schweiz" geworden zu sein.

Schwierige Finanzierung

Dass es so lange gedauert hat, bis der Schweizer Raum Realität wurde, hatte unter anderem mit der Finanzierung zu tun. Kunz hatte gehofft, dass das Projekt von der offiziellen Schweiz zumindest einen Zustupf, eine Anfangsfinanzierung erhalten würde, doch war daraus nichts geworden. Bei Pro Helvetia habe es schon vor vielen Jahren geheissen, solche Projekte würden nicht unterstützt, bedauert Kunz.

"Vom Generalkonsulat in New York wurden wir aber in all den Jahren immer wieder ermutigt und moralisch unterstützt, insbesondere von Botschafter François Barras, dem jetzigen Amtsträger, und von dessen Vorgängern."

Schliesslich habe das Projekt nicht zuletzt dank drei grossen Geldgebern und der Hilfe zahlreicher weiterer Spender, auch von Schweizern und Schweizerinnen in aller Welt, zu einem "sehr guten Abschluss" gebracht werden können, freut sich Kunz.

Zusammenfassend bezeichnet Kunz den Tag der Einweihung als "Krönung vieler Jahre harter Arbeit, es ist ein wirklich ein glücklicher Tag für mich".

"Ich freue mich für all die Leute, die am Projekt beteiligt waren, aber auch für die kommenden Generationen, die nun diesen Raum besuchen werden können und etwas über grundsätzliche Werte und Traditionen und das Erbe der Schweiz lernen werden können."

Schaufenster für die Schweiz

Die Kathedrale des Lernens wird nicht nur von Studierenden und den Lehrenden genutzt, sie wird auch von Touristen oft besucht. Dass die Schweiz nun mit einem eigenen Raum vertreten ist, dürfte sie in Pittsburgh in Zukunft sichtbarer machen, hiess es am Einweihungs-Wochenende verschiedentlich.

Botschafter Barras, der Schweizer Generalkonsul in New York, der an der Einweihungsfeier teilnahm, rühmte die "grossartigen Bemühungen" der Schweizer Gemeinde in Pittsburgh. "Ich gratuliere und danke allen dafür, was Sie hier für die Schweiz getan haben." Es sei ein wichtiger Tag für die Schweizer Gemeinde und die schweizerisch-amerikanischen Beziehungen.

Er verwies auf die Bedeutung, die Bildung und Forschung für die Schweiz und die USA hätten und auf bestehende Kooperationen in diesen Bereichen. "Der Schweizer Raum wird helfen, diese Beziehungen zu vertiefen und neue Wege zur Zusammenarbeit zu erschliessen."

Der Swiss Room

Aufgrund der Vorgaben der Universität Pittsburgh müssen die Länder-Räume eine Zeit vor 1787 spiegeln, dem Gründungsjahr der Universität.

Der Raum ist nach einem Zürcher Zimmer aus dem Kloster Fraumünster aus dem 16. Jahrhundert gestaltet, das im Landesmuseum in Zürich zu sehen ist.

Zentrales Thema des Schweizer Raums ist die Bildung. Der Raum soll der langen Geschichte der öffentlichen Bildung des Menschen in der Schweiz Ausdruck geben, mit Jean-Jacques Rousseau und Johann Pestalozzi als Beispiele.

Daneben sollen auch Werte der Schweiz wie Demokratie, Gerechtigkeit, Frieden vermittelt werden.

Zur Ausstattung gehören vier Tische – sie stehen für die vier Sprachen des Landes – 26 Stabellen für die 26 Kantone und das Lehrerpult für die Schweiz.

Dazu kommt eine alte Landeskarte der Schweiz in Latein von 1720 und ein Kachelofen nach einem Modell der Familie H. H. Graf, das in Schloss Wülflingen in Winterthur ausgestellt ist. Ein Nachfahre der Familie, Ed Graf, lebt in Pittsburgh und vermittelte die Kontakte.

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Pittsburgh und die Schweiz

Pittsburgh mit seinen rund 361'000 Einwohnern ist die zweitgrösste Stadt in Pennsylvanien. Der Bundesstaat ist einer der fünf amerikanischen Gliedstaaten mit der grössten Dichte an Einwohnern mit Schweizer Vorfahren.

In der Region Pittsburgh und West Virginia leben rund 74'000 Personen mit Schweizer Wurzeln. Die Zahl der Schweizer und Schweizerinnen in Pittsburgh liegt zwischen 3000 und 3500.

Zudem sind 14 Schweizer Unternehmen in der Region aktiv, darunter ABB, UBS und Acutronic.

  

1966 schlossen sich die diversen Gruppierungen in der Swiss-American Society of Pittsburgh zusammen. Auf diese Zeit gehen ersten Ideen zur Einrichtung eines Schweizer Raums in der "Kathedrale des Lernens" zurück.

1998 wurde das "Komitee für einen Schweizer Raum" (Swiss Nationality Room Committe) gegründet. Kurz darauf wurde die Universität Pittsburgh über das Vorhaben informiert. Eine erste Fundraising-Veranstaltung im Mai 1998 brachte rund 11'000 Dollar ein. Bis 2012 kommen insgesamt 340'000 Dollar zusammen.

Ben Roethlisberger, Quarterback des Football-Teams Pittsburgh Steelers mit Schweizer Wurzeln und ehemaliger Goodwill-Botschafter des Programms Swissroots, spendete den Erlös aus der Versteigerung signierter Artikel.

21./22. April 2012: Der Schweizer Raum in der Kathedrale des Lernens wird offiziell eingeweiht.

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swissinfo.ch


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