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"Tlingit"- alte indianische Kunst im Zürcher Museum Rietberg

Tlingit-Kunst: Helm in der Gestalt einer Bergziege. (Bild: zvg)

In der Ausstellung "Tlingit" zeigt das Museum Rietberg Werke der Tlingit-Indianer. Die eindrücklichen Objekte stammen aus der Kunstkammer in St. Petersburg, die 1714 von Zar Peter I. gegründet wurde. Sie geben einen Einblick in die aussergewöhnliche Kultur eines Indianer-Volks im Nordwesten Alaskas.

Die Werke stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurden von russischen Pelz-Händlern und Forschern nach Russland gebracht. Es handle sich dabei um die weltweit älteste und wertvollste Sammlung von Tlingit-Kunst, erklärte die Museologin Monika Willi gegenüber swissinfo: "Dank guter Beziehungen des Museums Rietberg zum russischen Museum für Anthropologie und Ethnographie konnten wir die Ausstellung nach Zürich holen".

Objekte faszinieren auf Anhieb

Auch im Kunstlicht des Museums strahlen die Objekte Geheimnisvolles, Magisches aus. Eine besondere Anziehungskraft haben die hölzernen, bemalten und zum Teil mit üppigem Kopfputz geschmückten Schamanen-Masken und Helmen. Zum Teil sind es Menschengesichter in kraftvollen Mustern und Farben und zum Teil fantastische Köpfe von Mischwesen und von Tieren wie Bär, Wolf, Vogel oder Seelöwe.

Tlingit-Kunst zeichnet sich aus durch eine stark stilisierte, dekorative und faszinierende Formsprache. Die Holzschnitzerkunst war bei den Tlingit hoch entwickelt, und die Flechtarbeiten gehören zu den Feinsten ihrer Art.

Tlingit-Wappenpfahl für Zürcher Indianermuseum

In einem Zelt neben dem Museum Rietberg schnitzt der berühmteste Tlingit-Bildhauer, der 62-jährige Nathan Jackson, zurzeit einen rund sieben Meter langen Wappenpfahl. Das monumentale Kunstwerk soll später als Willkommenspfahl vor dem Indianermuseum der Stadt Zürich aufgestellt werden, das im Frühjahr 2002 an seinem neuen Ort im Seefeld eröffnet wird.

Auch Jacksons Frau Dorica kann bis zum 29. März bei der Arbeit beobachtet werden. Sie webt in einer komplexen Zwirn-Bindetechnik eine Chilkat-Decke.

Die Lebenswelt der Tlingit

Alaska, das riesige, weite Land am Rand der Arktis, ist auch heute noch grösstenteils unwegsame Wildnis. Seine Küste am Nordpazifik mit mildem, regenreichem Klima lieferte Nahrung im Überfluss und bot einen idealen Lebensraum. Hier entwickelte sich die hochstehende Kultur der Tlingit-Indianer. Sie blieb bis in das 18. Jahrhundert unberührt von europäischen Einflüssen.

Als Fischer, Jäger und Sammler bewohnten die Tlingit diesen Naturraum. Sie waren in zwei Stammeshälften unterteilt: in die Gruppe des Raben und in die Gruppe des Adlers. Diese Zweiteilung gewährleistete ein Gleichgewicht der Macht.

Die Tlingit kannten keine Tempel, keine Priester und keine Glaubenssätze. Individuellen religiösen Praktiken kam hingegen eine grosse Bedeutung zu. Eine wichtige Rolle spielten die Schamanen, weil sie einen besseren Kontakt zur Geisterwelt besassen als ihre Mitmenschen.

Heutzutage findet in der indianischen Bevölkerung eine Revitalisierung des traditionellen Zeremonial-Wesens statt. Die Tlingit sind zudem politisch sehr gut organisiert und ersuchen nach wie vor um die Wiedergutmachung des zugefügten Unrechts. Sie fordern nicht nur geraubtes Land zurück, sondern setzen sich gegen rücksichtslose Ausbeutung der Natur und ihrer Ressourcen durch Konzerne zur Wehr.

Alina Kunz Popper


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