Aufbruch ins Unbekannte

Eva Hefti an der Smugglers Bay bei den Whangarei Heads. Die Bucht ist nur zu Fuss erreichbar. zVg

Eva Hefti wagte das grosse Abenteuer und zog mit ihrer Familie nach Neuseeland, ohne das Land vorher besucht zu haben. Von der Schweiz aus hatte ihr Mann eine Arbeit gefunden und hat dank kürzeren Arbeitszeiten jetzt mehr Zeit für die Familie. Die 39-jährige Bernerin schätzt besonders das warme Klima im Kiwiland.

swissinfo.ch (das Interview wurde schriftlich geführt)

swissinfo.ch: Wann und warum haben Sie die Schweiz verlassen?

Eva Hefti: Wir (ich, mein Mann und unsere drei Buben) flogen im Juni 2017 mit einem One-way-Ticket nach Neuseeland (ohne jemals vorher da gewesen zu sein). Mein Mann Tom wollte schon seit längerem einen Auslandaufenthalt machen, um seinen beruflichen Horizont zu erweitern. Und nachdem unsere Zwillinge keine Babys mehr waren, konnte ich mir das auch vorstellen.

Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten, unter anderem zum Gastland, sind ausschliesslich jene der porträtierten Person und müssen sich nicht mit der Position von swissinfo.ch decken.

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Auf Neuseeland stiessen wir eher zufällig: Ich habe einen Blogpost über eine Familie gelesen, die nach Neuseeland zog – der hat uns sehr inspiriert. Nach einiger Recherche stellte sich heraus, dass der Beruf meines Mannes hier sehr gesucht ist. Von der Schweiz aus suchte er deshalb eine Stelle, und innerhalb von drei Monaten hatte er einen Arbeitsvertrag abgeschlossen. Sechs Monate später reisten wir nach Neuseeland.

swissinfo.ch: War es eine Reise ohne Rückkehr, oder haben Sie vor, einmal wieder in die Schweiz zurückzukehren?

E.H.: Wir planen einen Aufenthalt für rund zwei Jahre und werden dann voraussichtlich wieder in die Schweiz zurückkehren.

"Glace geht immer! Town Basin in unserer Heimatstadt Whangarei." zVg

swissinfo.ch: Welcher Arbeit gehen Sie nach? Wie läuft es?

E.H.: Ich gehe hier keiner bezahlten Tätigkeit nach und bin meistens mit meinen Kindern unterwegs. Allerdings führe ich gemeinsam mit Freundinnen unser Familien-Online-Magazin Kleinstadt.ch weiter.

Diese Arbeit hilft mir, hier ein gutes Gleichgewicht zu finden, und entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen ist die Teamarbeit über 12 Zeitzonen hinweg durchaus machbar.

swissinfo.ch: Wo leben Sie gegenwärtig, wie ist das Leben dort?

E.H.: Wir leben im Norden Neuseelands, ca. 2,5 Stunden nördlich von Auckland in der Kleinstadt Whangarei, der Hauptstadt der Region Northland. Hier gibt es alles Nötige, im Gegensatz zu Bern ist aber das kulturelle Angebot (Museen, Ausstellungen etc.) sowie die Auswahl an qualitativ hochwertigen Produkten viel kleiner.

Unser Alltag unterscheidet sich nicht massiv von demjenigen in der Schweiz, aber die Arbeitstage meines Mannes sind viel kürzer, und wir verbringen sehr viel Zeit als Familie zum Beispiel am Strand oder in der Natur.

Warten auf die Flut am Waipu Cove Beach. zVg

swissinfo.ch: Was ist in Neuseeland attraktiver als in der Schweiz?

E.H.: Die Weite und die menschenleeren, wunderschönen Strände sowie das angenehme Klima gefallen uns hier sehr. Auch ist die Mentalität hier insgesamt unkomplizierter als in der Schweiz, "no worries" ist der Standardsatz der Neuseeländer.

Die geringe Bevölkerungsdichte, der fehlende ÖV und die Abgelegenheit sind wohl die grössten Unterschiede zur Schweiz.

Die Flut kommt: Wo eben noch Strand war, lässt sich nun baden... In Rangiputa auf der Karikari-Halbinsel. zVg

swissinfo.ch: Wie denken Sie aus der Ferne über die Schweiz?

E.H.: Wie privilegiert wir in der Schweiz leben können mit unserem hohen Wohlstand. Und andererseits auch, dass wir oft wohl einen zu perfektionistischen Ansatz haben und vieles auch mit etwas weniger Aufwand gehen würde.

swissinfo.ch: Fühlen Sie sich manchmal fremd oder sind Sie gut integriert?

E.H.: Obwohl ich fliessend Englisch spreche, merke ich schon, dass insbesondere Gespräche mit tiefergehendem Inhalt nicht gleich leicht zu führen sind wie in meiner Muttersprache, das hemmt mich manchmal.

Und obwohl wir Freundschaften geknüpft haben, ist es doch etwas anderes, nur mit Menschen zusammen zu sein, die einen erst seit kurzer Zeit kennen.

Barfuss gehen ist in Neuseeland ganz normal, auch in der Schule tragen viele Kinder keine Schuhe. zVg

swissinfo.ch: Was freut Sie in Ihrem Alltag in der Fremde am meisten?

E.H.: Dass ich keine Wintersachen brauche, dass die Sonne so oft scheint, dass wir ans Meer fahren können, wann immer wir wollen, und dass unsere Kinder hier eine neue Kultur und Sprache kennenlernen dürfen.

Strandfahrten sind in Neuseeland vielerorts erlaubt. Hier an der Shipwreck Bay, Ahipara. zVg

swissinfo.ch: Nehmen Sie an Schweizer Wahlen und Abstimmungen teil?

E.H.: Ja, an den meisten Abstimmungen und Wahlen nehme ich per E-Voting teil.

swissinfo.ch: Was vermissen Sie von der Schweiz am meisten?

E.H.: Den gut ausgebauten öffentlichen Verkehr, feines Brot und natürlich unsere Familie und Freunde.

"Wunderschöner Wald in Rangiputa auf der Karikari-Halbinsel." zVg

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