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#WeAreSwissAbroad Madeleine Weiss: "Ich liebe das Leben in Indonesien"

Madeleine Weiss

Madeleine Weiss mit einem geflochtenen, traditionellen Tablett. Auf solchen werden in Indonesien in der Regel Kräuter, Chilis etc. getrocknet. Oft werden sie auch dafür benutzt, Reis zu "putzen", das heisst, um kleine Steinchen oder Hülsen aus dem Reis zu picken.

(zVg)

Mit ihrem indonesischen Mann und zwei kleinen Buben zog die 31-jährige Madeleine Weiss nach Yogyakarta. Die Radiojournalistin und Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache liebt das unkomplizierte Leben an einem Ort, der nur eine Jahreszeit kennt.

swissinfo.ch: Wann und weshalb haben Sie die Schweiz verlassen? Haben Sie vor, einmal wieder in die Schweiz zurückzukehren?

Madeleine Weiss: Am 30. Juni 2015 sind wir – mein Mann, ich und unsere zwei kleinen Kinder, damals gerade einmal drei und 22 Monate alt – mit vier Koffern ins Flugzeug nach Indonesien gestiegen. Viel hatten wir nicht dabei. Wo, wie und von was genau wir leben würden, war damals noch unklar. Doch wir waren guten Mutes und voller Energie und Abenteuerlust.

Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten, unter anderem zum Gastland und über dessen Politik, sind ausschliesslich jene der porträtierten Person und müssen sich nicht mit der Position von swissinfo.ch decken.

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Zwei Jahre wollten wir bleiben; im Heimatland meines Mannes. Um zu leben, zu lieben – und um unseren Kindern zu zeigen, wie der Alltag in ihrer zweiten Heimat weit weg von der behüteten Schweiz aussieht. So damals unser Plan.

Mittlerweile sind die zwei Jahre längst vorüber und wir immer noch in Indonesien! Wir planen zwar nach wie vor, wieder zurück in die Schweiz zu gehen, doch wann genau das sein wird, steht derzeit noch in den Sternen.

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Es ist uns ein grosses Anliegen, auf swissinfo.ch Ihnen und Ihren Erlebnissen in Form von Porträts, Anekdoten und Geschichten eine Plattform zu geben.

(swissinfo.ch)

swissinfo.ch: Welcher Arbeit gehen Sie nach? Wie kam es dazu, wie läuft es?

M.W.: Wir führen ein Homestay, d.h. wir vermieten in unserem Zuhause in der javanischen Sultansstadt Yogyakarta ein Zimmer. Wöchentlich empfangen wir Reisende aus aller Welt.

Mein Mann chauffiert die Gäste jeweils als Tourguide durch die Gegend, holt sie ab und bringt sie dorthin, wohin sie gerade gerne gehen möchten. Ich kümmere mich derweil um Kinder, Haus und Garten und mache daneben noch gefühlte tausend andere Sachen.

Unter anderem unterrichte ich hier in Yogyakarta an einer Sprachschule Deutsch, schreibe Kolumnen und verschiffe viermal jährlich indonesische Delikatessen in die Schweiz. Gerade habe ich ausserdem ein indonesisches Kochbuch ins Deutsche übersetzt.

swissinfo.ch: Wo genau leben Sie gegenwärtig, wie ist das Leben dort?

M.W.: Ich lebe neben einem Reisfeld am Stadtrand der Stadt Yogyakartaexterner Link – nicht zu verwechseln mit der grossen, grauen Hauptstadt Jakarta. Yogyakarta ist viel kleiner, grüner, dörflicher – es geht hier allgemein gemächlicher zu und her.

Der Alltag in Yogyakarta ist einerseits geprägt von vielen alten javanischen Traditionen, andererseits leben in unserer Stadt aufgrund der vielen guten, im ganzen Land bekannten Universitäten überdurchschnittlich viele junge Menschen. Das macht die Stadt zu einem kreativen, lebendigen Ort, in dem Altes und Neues wunderbar miteinander verschmelzen. Ich liebe das Leben hier!

Familie mit zwei Buben in einem Taxi

Madeleine Weiss mit ihrem Mann Ari und den zwei Buben in einem Taxi.

(zVg)

swissinfo.ch: Wie ist die Küche dort?

M.W.: Ganz anders als die Schweizer Küche! Es gibt so zu sagen keine Milchprodukte und wenn, sind sie enorm teuer. Für einen "Mocken" Gruyère-Käse (gibt es ab und zu in ganz grossen Supermärkten mit internationalem Produkte-Sortiment) blättert man locker zehn Franken hin. Das ist bei einem durchschnittlichen indonesischen Monatsgehalt von 100 Franken ganz schön viel.

Käse ist hier also Mangelware – manchmal träume ich tagsüber oder auch nachts von den meterlangen Gestellen im Migros oder bei Coop, wo sich x-Sorten von Käse aneinanderreihen... und mir entgegenlächeln. ;-)

swissinfo.ch: Was ist in Indonesien attraktiver als in der Schweiz? Welches ist der grösste Unterschied zur Schweiz?

M.W.: Wir haben hier natürlich nicht vier Jahreszeiten, wie es sie in der Schweiz gibt. Es ist eigentlich das ganze Jahr über unverändert heiss. Nur manchmal, da kommt noch Regen dazu, aber heiss ist es auch dann.

Obwohl ich mich nie zu jenen Menschen zählte, die sich des Klimas wegen wünschten, in ein tropisches Land auszuwandern, schätze ich genau diesen Fakt nun doch sehr. Es macht das Leben nämlich sehr viel unkomplizierter.

Alleine schon Kleider braucht man deutlich weniger. So teile ich mir für meine Kleider ein kleines, schlankes Regal mit meinem Mann, und das reicht völlig aus. Schliesslich brauchen wir hier in Indonesien weder Jacken, noch Socken, noch Pullis. Dieses Reduzierte ist für mich ein Luxus, den ich nur ungern wieder hergeben würde.

Madeleine Weiss inmitten ihrer zahlreichen Nachbarinnen und Nachbarn

Madeleine Weiss inmitten ihrer zahlreichen Nachbarinnen und Nachbarn.

(zVg)

swissinfo.ch: Wie denken Sie aus der Ferne über die Schweiz?

M.W.: Die Schweiz bedeutet für mich Heimat. Dort komme ich her. Dort leben meine Eltern, meine Schwestern, meine Freunde. Daher liebe ich die Schweiz und vermisse sie ab und an auch ordentlich.

Was ich an der Schweiz besonders gut mag, sind die sauberen Flüsse und Seen, in die man im Sommer springen kann. Irgendwo im Nirgendwo oder aber auch mitten in der Stadt. Was gäbe ich dafür, dass man in den Flüssen der Stadt Yogyakarta baden könnte. Doch das ist aufgrund des Abfalls, der täglich darin entsorgt wird, leider schlicht undenkbar.

swissinfo.ch: Wie ist die politische Lage in Indonesien? Interessieren Sie sich für die Politik in Ihrem Wohnland?

M.W.: Ja, ich interessiere mich für die indonesische Politik. Ich höre mir gerne die News am Radio an. Wenn mein Indonesisch mal nicht ausreicht, bitte ich meinen Mann, mir etwas genauer zu erklären.

Was mich an Indonesien am meisten fasziniert, ist dieser gesunde Patriotismus, den die Indonesier und Indonesierinnen alle in sich tragen. In der Schweiz würde ich am 1. August wohl kaum eine Schweizerfahne vors Haus hängen – in Indonesien mache ich das – hier machen das alle. Man feiert voller Stolz miteinander den Geburtstag der Nation, man macht Spiele, Wettbewerbe und geniesst das fröhliche Beisammensein.

Madeleine Weiss mit Sohn auf einem Scooter

Madeleine Weiss fährt mit ihrem älteren Sohn zum Einkauf.

(zVg)

swissinfo.ch: Nehmen Sie an Schweizer Wahlen und Abstimmungen teil? Per Brief oder E-Voting?

M.W.: Mir ist es wichtig, dass ich auch als im Ausland lebende Schweizerin an aktuellen Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz teilnehmen kann. Leider kommt das Abstimmungscouvert allerdings oft erst so spät bei mir an, dass es zeitlich gar nicht mehr reicht, es rechtzeitig zum Abstimmungs- oder Wahlsonntag wieder zurück in die Schweiz zu schicken. Das ist schade. Ich hoffe, bald per E-Voting abstimmen zu können.

swissinfo.ch: Was vermissen Sie von der Schweiz am meisten?

M.W.: Im Sommer die langen Tage und das Baden im glasklaren See, im Herbst das Trinken eines frischen Sausers und die farbigen Wälder, im Winter die Stille draussen, wenn es schneit und die kuschelige Bettdecke, im Frühling die frische Luft und das üppige Blühen der Obstbäume.

Frau vor Tempel

In der Region um Yogyakarta sind überall Tempel zu finden.

(zVg)

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swissinfo.ch (das Interview wurde schriftlich geführt)

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