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"Znüni" für die Personenfreizügigkeit

Erwin Fischer (l.) und Heinz Felber möchten am 25. 9. mit ihrem "Ja" zu den Gewinnern gehören. swissinfo.ch

Nur bei einem Ja am 25. September hat der Werkplatz Schweiz eine gesicherte Zukunft, sagen Schweizer Unternehmer und luden zu einem Fabrik-Znüni ein.

Dieser Inhalt wurde am 29. August 2005 - 22:25 publiziert

Mit Reden, Verpflegung und Wettbewerb wollte man aufzeigen, wie wichtig die bilateralen Verträge mit der EU für gesicherte Arbeitsplätze in der Schweiz sind.

"Mein Unternehmen hat keine Kundschaft im Ausland" sagt Heinz Felber, Geschäftsleiter der Tankred-Informatik im bernischen Wiler bei Seedorf, der mit seinem Betrieb als eine von fünf Berner Firmen am ersten schweizweiten Fabrik-Znüni (Vormittagsimbiss) mitmachte.

"Aber meine Kunden brauchen für ihren Austausch mit dem Ausland meine Software," begründet Felber sein Engagement. "Und wenn meine Kunden ins Ausland liefern und von dort importieren können, geht es auch meiner Firma gut."

Grundlage für das Wachstum

Schweizweit hatten am Samstag, 27. August, 100 Unternehmen und Gewerbebetriebe, zum ersten Nationalen Fabrik-Znüni eingeladen. Organisiert wurde der Anlass vom Komitee "Schweizer Wirtschaft für die Bilateralen".

Ziel der Manifestation war es, sichtbar zu machen, dass ein Drittel aller Arbeitsplätze vom Export in die EU-Länder abhängig ist. Die Zustimmung zur Ausweitung des Abkommens über die Personenfreizügigkeit am 25. September ist nach Ansicht des Komitees eine wichtige Grundlage für das Wachstum und für neue Arbeitsplätze in der Schweiz.

Der Einladung folgten nach Angaben der Veranstalter rund 40'000 Menschen. Allein in Basel und Baden sollen je weit über 1000 Menschen teilgenommen haben.

Erwartungen nicht erfüllt

In der grosszügigen Halle der Tankred-Informatik waren die Mitarbeiter auf einen grossen Gästeansturm vorbereitet. 900 Einladungen waren verschickt worden, es warteten Getränke, Bratwürste brutzelten auf dem Grill. Auch Produkte aus der bäuerlichen Produktion der Umgebung sowie Produkte aus dem Welt-Laden warteten auf einen Käufer.

Den Anlass besuchten aber nur gut 15 Personen; der Rest setzte sich aus Tankred-Angestellten, Rednern und Journalisten zusammen. Der geringe Besucheraufmarsch brachte Erwin Fischer, Bernischer Grossrat, Präsident der Wirtschaftskammer Biel-Seeland und Gastreferent aber nicht aus dem Konzept.

Wider die Rosinenpicker

Fischer betonte die Wichtigkeit und den Erfolg des bilateralen Weges für die Schweiz. Ganz wichtig sei der Sinn einer verlässlichen Lösung für beide Partner: "Die EU und die Schweiz, beide brauchen eine konsequente Haltung. Wie würden wir reagieren, wenn die EU plötzlich einen Teil rausbrechen würde!" verteidigte er die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf die neuen EU-Länder.

Weiter prangerte er die so genannten "Rosinenpicker" an. Viele Schweizerinnen und Schweizer kauften billigere Lebensmittel im Ausland ein, die Zähne liessen sie sich in Ungarn richten - nur der eigene Zahltag sei unantastbar.

Neue Impulse dank Immigration

Fischer rief zudem dazu auf, doch endlich aus der Geschichte zu lernen, denn die Immigration in die Schweiz habe auch immer neue Impulse ausgelöst. Er wies auf die Firmengründungen von Brown Boveri, heute ABB, Maggi und die Schweizer Uhrenindustrie hin. Die weltbekannten Schweizer Uhrenfirmen wurden vor ein paar hundert Jahren durch eingewanderte, geflüchtete Hugenotten aus der Taufe gehoben.

Er führte auch Beispiele aus jüngerer Zeit an. So seien die früher als "Tschinggen" verschrienen italienischen Einwanderer "sauberer, arbeitsamer und ordentlicher als mancher Schweizer".

Auch sei ohne Immigranten aus Tschechien und der Slowakei ein reibungsloses Funktionieren der Schweizer Spitäler nicht denkbar und ohne die "Ossis", die ehemaligen ostdeutschen Angestellten in Hotels, wäre auch die Schweizer Hotellerie und Gastronomie weit abgeschlagen, zeigte sich Fischer überzeugt.

Er wies darauf hin, dass Fritz Bösch, Gründer und Verwaltungsrats-Präsident der international tätigen Feintool-Gruppe aus Lyss im Berner Seeland, vor Jahren auch noch als "fremder Fötzel aus Zürich" betrachtet worden sei.

Vor allem sei es die Angst vor Überfremdung, welche viele Menschen zu einem Nein an der Urne veranlassen würde. "Angst ist aber ein schlechter Ratgeber", so Fischer.

Nicht ganz 99 Luftballons...

Um 13 Uhr wurden dann Wettbewerbs-Ballone dem Spiel der Lüfte preisgegeben. Wessen Adresse wird wohl am weitesten transportiert? Jene des fleissigen Tankred-Mitarbeiters, jene der 9-Jährigen, die ihre Eltern zum Anlass begleitete oder diejenige des Grossvaters, der aus Solidarität mit seinem Enkel am Fabrik-Znüni teilnahm?

Eines ist klar: Ein Schweizer Gastbetrieb wird nicht davon profitieren, denn die Gewinnerin, der Gewinner darf ein Wochenende in Prag verbringen.

swissinfo, Etienne Strebel, Wiler bei Seedorf

In Kürze

100 Unternehmen und Gewerbebetriebe haben am 27. August schweizweit zu einem Fabrik-Znüni eingeladen.

Drei Fabrik-Znünis mussten wegen der Hochwasser-Katastrophe abgesagt werden.

Gemäss den Veranstaltern, dem Komitee "Schweizer Wirtschaft für die Bilateralen", haben rund 40'000 Menschen am Fabrik-Znüni teilgenommen.

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