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125 Jahre mit dem Blick gen Himmel

Auch heute noch gibt es für Meteorologen atmosphärische Geheimnisse.

(swissinfo.ch)

Die 1881 gegründete MeteoSchweiz spielt seit Jahrzehnten eine unentbehrliche Rolle für die Landwirtschaft, die Luftfahrt, den Tourismus und viele andere Wirtschaftssektoren.

Angesichts der extremer werdenden Klimaphänomene wird die Arbeit der Meteo-Experten immer wichtiger für die Sicherheit der Bevölkerung.

"Wir dürfen nie vergessen, dass die Natur sich grundsätzlich chaotisch verhält", sagt Peter Binder, Forschungs-Verantwortlicher bei MeteoSchweiz, gegenüber swissinfo. "Wahrscheinlich werden 100-prozentig genaue Wettervorhersagen nie möglich sein."

Auch wenn die Meteorologie niemals eine 100-prozentig genaue Wissenschaft sein wird, so hat sie doch in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Heute treffen in der Schweiz 85% der Vorhersagen für den kommenden Tag zu.

Vorbei sind also die Zeiten, als die Meteorologen als Witzfiguren galten und ihre Vorhersagen mit jenen von Astrologen oder Scharlatanen verglichen wurden.

Zwischen Skepsis und Aberglauben

Die Gründung von MeteoSchweiz geht ins Jahr 1881 zurück. Zu dieser Zeit herrschte, auch bei den Wissenschaftern, grosse Skepsis gegenüber den Wettervorhersagen, die nicht nur als ein Ding der Unmöglichkeit, sondern auch als praktisch nutzlos betrachtet wurden.

Trotz dieser Skepsis beschloss die Schweizer Regierung, diese neue Wissenschaft zu unterstützen. Und diese konnte erst noch dazu dienen, den damals in der Bevölkerung weit verbreiteten Aberglauben zu bekämpfen.

Die meteorologischen Bulletins, die nun in den Zeitungen publiziert wurden, waren – und das war kein Zufall – meistens begleitet von einem Text, der präzisierte, dass es sich dabei "nicht um eine Prophezeiung, sondern um eine höchst begründete Vermutung" handle.

Qualitätssprung ab den 20er-Jahren

Die Wettervorhersagen, die vor allem von den Bauern befolgt wurden, hatten damals noch keine grossen Ambitionen und Verantwortlichkeiten. Ab den 20er-Jahren, mit der Entwicklung der Luftfahrt, wurde die Meteorologie jedoch praktisch gezwungen, einen Qualitätssprung zu machen. Ihre Beobachtungen und Analysen verbesserten sich spürbar.

Zum ersten Mal hatte die junge Wissenschaft eine soziale Funktion. Diese sollte sich bis in die heutige Zeit immer mehr entwickeln.

Bulletins für alle

Heute ist fast jeder Wirtschaftszweig an den Wettervorhersagen interessiert, von der Luftfahrt bis zur Schifffahrt, der Bauwirtschaft bis zum Ingenieurwesen, der Landwirtschaft bis zur Wasserkraft-Energieproduktion, den Hotels bis zu den Restaurants.

Auch in ihrer Freizeit verfolgen grosse Teile der Bevölkerung aufmerksam die Wettervorhersagen: Massentourismus, Volks- oder Extremsportarten sind abhängig von der Wetterlage. Nicht zu vergessen jene Leute, die sensibel oder gar allergisch auf schroffe Wetterwechsel reagieren.

Um den wachsenden Bedürfnissen gerecht zu werden, hat MeteoSchweiz in den letzten Jahrzehnten ein breites Angebot an Dienstleistungen geschaffen: Windstärke-Messungen für die Luftfahrt, phenolische Beobachtungen für den Obstbau, Klimastudien für Versicherungsanstalten, lokale Bulletins für Alpin- und Wassersport, Polleninformationen.

Gefährdete Schweiz

Die Meteorologie spielt auch im Bereich der Prävention von Naturkatastrophen eine immer wichtigere Rolle. Wegen der schnellen, durch menschliche Aktivitäten verursachten Klimawechsel können immer häufiger meteorologische Extrem-Situationen auftreten.

Die Schweiz mit ihrer alpinen Landschaft zählt zu jenen Regionen der Welt, die unter den Folgen von Überschwemmungen, Erdrutschen oder Felsabbrüchen stark leiden könnte. Ausserordentliche Kälte- oder Hitzeperioden können zudem dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit von vielen, insbesondere alten Menschen haben.

Auf MeteoSchweiz angwiesen

Künftig werden die Behörden immer mehr auf die Vorhersagen von MeteoSchweiz angewiesen sein, um den Launen der Natur vorbeugen und die Sicherheit der Bevölkerung garantieren zu können.

"Heute ist die Bevölkerung in Sachen Klimafragen äusserst sensibilisiert", sagt Peter Binder. "Bei jedem ausserordentlichen Klimawechsel wird gefragt, ob dieser von Menschenhand verursacht wurde."

Die weltweite Klimaerwärmung sei eine Quelle grosser Beunruhigung. "Der CO2-Ausstoss und die Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre haben einen Einfluss auf das Klima", so Binder weiter.

Schwieriges Gelände

125 Jahre nach ihrer Entstehung in der Schweiz befindet sich die Meteorologie im Verhältnis zur Klimaentwicklung auf unserem Planeten immer noch "in den Windeln". Auch wenn diese Wissenschaft heute über neue Instrumente wie Satelliten, Radarinstallationen, Raumsonden, Computer und so weiter verfügt, dank denen Phänomene erkannt werden, die vor wenigen Jahrzehnten noch nicht erfasst werden konnten.

Trotz der Hilfe immer besserer Klimamodelle bleibt die Schweiz mit ihrer alpinen Landschaft ein schwieriges Gelände für Meteorologen.

"Wir sind konfrontiert mit einer extrem zerklüfteten Landschaft und mit Gebirgsketten, welche Niederschläge, Wolkenbildung und Hochnebel stark beeinflussen", erklärt Binder. "Mehr als 85-prozentig richtige Wettervorhersagen zu machen, ist also ein sehr anspruchsvolles und teures Unterfangen."

swissinfo, Armando Mombelli
(Übertragung aus dem Italienischen: Jean-Michel Berthoud)

In Kürze

Seit 1863 werden in der Schweiz meteorologische Daten systematisch gesammelt. Dazu wurden 88 Stationen geschaffen, die von der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (SANW), die bis 1988 Schweizerische Naturforschende Gesellschaft (SNG) hiess, geführt werden.

1881 entstand gemäss einem Entscheid der Schweizer Regierung die Meteorologische Zentralanstalt, die heutige MeteoSchweiz.

Infolge der wachsenden Bedürfnisse der Luftfahrt wurde 1927 der meteorologische Flugsicherheitsdienst geschaffen. 1936 folgte der Sturmwarnungsdienst für Berg- und Seeregionen, 1951 der Frostwarnungsdienst für Landwirtschaftszonen.

Seit 1993 liefert MeteoSchweiz tägliche Pollenberichte.

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Fakten

MeteoSchweiz, die dem Eidg. Departement des Innern (EDI) angegliedert ist, liefert Informationen zu Wetter und Klima für die Bevölkerung sowie für öffentliche und Privatunternehmen.

MeteoSchweiz beschäftigt rund 270 Personen. Zudem arbeiten 800 nichtprofessionelle Personen als Beobachter für die Messstationen.

MeteoSchweiz wird rund zur Hälfte vom Bund finanziert. Das restliche Budget wird finanziert durch die bezahlten Dienste: Spezial-Meteo-Bulletins, Klima-Studien, Windmessungen, phenolische Beobachtungen etc.

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