Abgeschnitten: Engelberg leckt seine Wunden

Engelberg ist immer noch von der Umwelt abgeschnitten. swissinfo.ch

Zu grossen Teilen unter Wasser und vom Rest der Welt abgeschnitten: In Engelberg in der Innerschweiz normalisiert sich das Leben nur langsam.

Dieser Inhalt wurde am 25. August 2005 - 16:21 publiziert

Die Behörden haben die Touristen aufgefordert, den zerstörten Kurort auf dem Luftweg zu verlassen. swissinfo hat Eindrücke gesammelt.

Der Anflug im Helikopter zeigt ein Bild der Verwüstung. Das Dorf am Fusse des Titlis, ganz hinten im Tal, kann nur noch auf dem Luftweg erreicht oder verlassen werden. Auch die Lebensmittel werden mit dem Helikopter eingeflogen.

Mehrere Brücken sind weggerissen, der Aa-Bach hat weite Teile der Landschaft überschwemmt, das Bahnhofsquartier und die Schienen stehen unter Wasser. Vor dem Dorf ist ein Viadukt zusammengebrochen. Engelberg ist weder mit der Bahn noch auf der Strasse erreichbar.

Touristen sollen den Ort verlassen

Trotz einer leichten Beruhigung in der Nacht auf den Donnerstag bleibt die Situation kritisch. Die Geologen des Krisenstabes schliessen – vor allem bei weiteren Niederschlägen – örtliche Steinschläge und Erdrutsche nicht aus.

Angesichts des Ausmasses der Katastrophe erstaunen die Ruhe, die Solidarität und eine gewisse Heiterkeit, die in Engelberg stimmungsmässig überwiegt. Zusammen mit dem Krisenstab haben sich die Hoteliers darauf geeinigt, die Touristen zur Rückkehr anzuhalten.

Bis zum Beginn der Wintersaison will Engelberg keine neuen Touristen mehr empfangen. Aus Sicherheitsgründen, aber auch im Interesse der Räumungs- und Wiederaufbauarbeiten.

Behörden bleiben ruhig

An jeder Kreuzung im Dorf dasselbe Bild: Frauen und Männer in Gummistiefeln, welche den Feuerwehrleuten und Armeeangehörigen zu Hilfe eilen. "Wir Bergler verlieren die Ruhe nicht so schnell", erklärt der Chef des Krisenstabes, Martin Odermatt.

"Selbst wenn wir ab und zu die Herrschaft über die Situation verlieren, entscheiden wir nicht überstürzt und behalten ruhig Blut. In Engelberg haben wir glücklicherweise weder Tote noch Verletzte zu beklagen."

Erstaunte Einwohner

Seit Menschengedenken hat man in Engelberg noch nie etwas Vergleichbares erlebt. "Wir leben seit Tagen im zweiten Stock, da die unteren Stockwerke unseres Hauses völlig unter Wasser stehen", erzählt eine Einwohnerin swissinfo. "Wir haben versucht, das Wasser abzupumpen. Das hat überhaupt nichts gebracht. Das ganze Quartier ist unter Wasser. Strom, Warmwasser und das Telefon funktionieren nicht mehr."

Ein Bauer betrachtet erstaunt die Wassermengen, die seinen Hof umspülen. Das Land, welches er vom nahe gelegenen Kloster pachtet, ist völlig überschwemmt. Aber der Mann zeigt keinen Anflug von Zorn. "Glücklicherweise befinden sich meine Tiere auf der Alp. Das ist die Natur. Damit muss man leben."

Touristen ausgeflogen

Das Hochwasser hat rund 1500 Touristen in Engelberg eingeschlossen. Die meisten von ihnen haben aber ihren guten Mut nicht verloren. So das Ehepaar Horvers aus Holland, das am Sonntag auf dem Campingplatz ihr Zelt aufgeschlagen hatten.

Sie wurden mitten in der Nacht geweckt und sofort evakuiert. Ihr Auto mussten sie zurücklassen. Ihre Rückreise in ihre Heimatstadt in der Nähe Eindhovens soll in den nächsten Tagen erfolgen.

"Panik ist keine ausgebrochen, und wir hatten auch keine Angst, aber ohne Strom und Warmwasser wurde es rasch ungemütlich", sagt der Holländer. Schliesslich hätten sie per Handy ihren Sohn erreicht, damit er ihnen die Heimreise organisieren könne.

swissinfo, Mathias Froidevaux, Engelberg

Fakten

In Engelberg mussten in der Nacht auf Montag 200 Personen (Einwohner und Touristen) evakuiert werden. Praktisch alle Einheimischen konnten am Mittwoch Abend wieder in ihre Häuser zurückkehren.
Mitte Woche befanden sich noch rund 1000 Touristen in Engelberg. 500 waren bereits von Armee- und privaten Helikoptern ausgeflogen worden.

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In Kürze

Von Samstag bis Montag hat es im Obwaldner Kurort Engelberg ununterbrochen geregnet. In nur 48 Stunden fielen 190 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Die Aa trat über die Ufer und führte die Rekordmenge von 160 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Ein Grossteil des 3900 Einwohner zählenden Dorfes Engelberg wurde überflutet.

Zwei Tage nach Ende der Niederschläge kann der Ort immer noch nur auf dem Luftweg erreicht werden. Strasse und Schiene sind unterbrochen.

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