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Adecco hält Jahresergebnis erneut zurück

Unsicherheit hält an: Wie angeschlagen ist der Stellenvermittler Adecco?

(swissinfo.ch)

Der grösste Personaldienstleister hat die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2003 erneut verschoben. Die Börse reagierte negativ.

Adecco hatte die Publikation der Zahlen bereits im Januar ein erstes Mal abgesagt, wegen Problemen in der Buchhaltung.

Der mit Buchhaltungsproblemen konfrontierte Personaldienstleistungs-Konzern Adecco stösst Anleger und die internationale Finanzwelt erneut vor den Kopf: Die weltweite Nummer 1 in der Personalvermittlung hat die auf Dienstag angekündigte Präsentation der Jahresergebnisse 2003 völlig unerwartet abgesagt.

Die mit der Untersuchung der Bilanzprobleme beauftragte New Yorker Anwaltskanzlei müsse vor der Publikation des Jahresergebnisses 2003 zuerst noch einige Aspekte abschliessend klären, begründete Adecco in einer Mitteilung vom Montag die erneute Verschiebung. Die Rechnungsprüfer von Ernst & Young hätten zwar bedeutende Fortschritte gemacht, abgeschlossen seien die Revisionsarbeiten aber noch nicht.

Einen neuen Termin für die Veröffentlichung der Zahlen und die Generalversammlung nannte Adecco nicht. Das Datum solle aber "sobald als möglich" vorgelegt werden.

Der Konzern wäre gegenüber seinen Kreditbanken verpflichtet, die Jahresrechnung bis am 26. April vorzulegen, will nun aber einen Aufschub beantragen. Das Unternehmen betonte erneut, dass es weiterhin keine Hinweise auf grössere Unterschlagungen oder Unregelmässigkeiten gebe.

Sinkflug an der Börse, Kritik an Kommunikation

Die Reaktion an der Börse auf die schlechten Neuigkeiten kam postwendend: Nach Handelsbeginn sackte das Papier bis zu 6,6% ab; bei Handelsschluss lag der Kurs schliesslich um 4,2% tiefer auf 65,15 Franken.

"Ich war sehr überrascht von der Mitteilung über die erneute Verschiebung der Präsentation der Jahreszahlen 2003", sagte Rolf Kunz, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), gegenüber swissinfo. Wie ernst die Lage sei, zeige der unmittelbare und starke Kursverlust des Titels an der Börse.

Investoren, die auf der sicheren Seite bleiben wollten, empfiehlt Kunz ein Zuwarten, bis die Zahlen und die Ergebnisse der Untersuchung vorlägen. Bis es soweit sei, sei der Adecco-Kurs mit einem grösseren Risiko behaftet. Chris Burger von der Bank Vontobel sagte, dass die erneute Verschiebung peinlich, aber nicht wirklich überraschend sei.

"Klar ist Adecco immer noch der weltweit führende Stellenvermittler", so Kunz weiter, "aber es ist offensichtlich, dass das Unternehmen in diesem Jahr eine viel bessere Kommunikation hätte betreiben können."

Schlussstrich unter Probleme?

Analysten schätzten die Schadensumme der Unregelmässigkeiten zwischen 50 Mio. und gut 100 Mio. Euro (bis 155 Mio. Franken). Sie erwarteten, dass Adecco am Dienstag einen Schlussstrich unter die Mitte Januar bekannt gewordenen Buchhaltungsprobleme ziehen werde.

Mitte Januar hatte Adecco erhebliche Probleme in der Buchhaltung und in der Kontrolle im Nordamerika-Geschäft gemeldet und den Jahresabschluss ein erstes Mal auf unbestimmte Zeit verschoben.

Einige Wochen später kam dann eine Art Entwarnung: Es gebe keine Hinweise auf für das Gesamtunternehmen bedrohliche, breit angelegte Unterschlagungen oder Unregelmässigkeiten.

Genauere Informationen lieferte Adecco aber bis heute nicht. Begründet wurde das Stillhalten mit gesetzlichen Bestimmungen in den USA. Anleger und die Analysten befürchteten darauf einen Finanzskandal grösseren Ausmasses.

Die Probleme hatten bei Adecco immerhin zu einem Köpferollen geführt: Finanzchef Felix Weber musste gehen, und mit ihm der Leiter des Nordamerika-Geschäfts.

Vorläufiges Quartalsergebnis 2004

Immerhin nannte Adecco Eckdaten für das erste Quartal 2004. Der Umsatz stieg in Lokalwährungen um 5% auf 3,8 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITA) und unter Ausschluss der Kosten im Zusammenhang mit der Prüfung der Buchhaltungsprobleme werde unter dem Wert des Vorjahresquartals von 113 Mio. Euro erwartet.

Die Schulden inklusive ausserbilanzieller Positionen wurden per Ende März unter 850 Mio. Euro verringert, hiess es weiter.

Gemäss Obligationenrecht hat Adecco bis Ende Juni Zeit, um ihre Generalversammlung durchzuführen. Die Einberufung der GV muss spätestens 20 Tage vor dem Termin stattfinden und Anträge bekannt geben.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Adecco ist die grösste Personalvermittlungs-Agentur der Welt.
Sie entstand 1996 aus den Unternehmen Adia und der französischen Ecco.
Das Unternehmen beschäftigt 28'000 Mitarbeitende in 68 Ländern (5800 Niederlassungen).
Pro Jahr werden weltweit knapp vier Mio. Menschen an 250'000 Unternehmen vermittelt.
Adecco ist an der Schweizer Börse, in New York (NYSE) und an der Euronext kotiert.
Der Konzern wies 2002 einen Umsatz von 25,1 Mrd. Franken aus, was ein Rückgang von 8% gegenüber dem Vorjahr bedeutete.

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In Kürze

Am 12. Januar dieses Jahres verloren die Adecco-Aktien vorübergehend 48% ihres Wertes.

Die Gesellschaft musste die Bekanntgabe der Jahresergebnisse verschieben.

Durch den massiven Kurssturz fühlten sich etliche Aktionäre betrogen.

In den USA laufen bereits verschiedene Sammel-Klagen gegen den Schweizer Zeitarbeits-Konzern.

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