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Kairo (awp/sda) - In Ägypten brechen die verhärteten Fronten auf: Nach über eineinhalb Wochen der Demonstrationen und Proteste begannen am Wochenende in Kairo die Verhandlungen über die Zukunft Ägyptens.
Vizepräsident Omar Suleiman traf sich am Sonntag mit Vertretern der Oppositionskräfte, um über Reformen und mehr Demokratie im Land zu diskutieren. An den Gesprächen waren nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Mena ausser den Muslimbrüdern auch die liberale Wafd-Partei, die linksgerichtete Partei Tagammu und eine Gruppe beteiligt, welche die seit Tagen protestierenden Demonstranten eingesetzt hatten.
Im Anschluss an das Treffen erklärten beide Seiten, man habe sich auf die Einsetzung einer Gruppe geeinigt, die weitere Gespräche vorbereiten solle. Ein Sprecher der Muslimbruderschaft sagte, das Treffen habe guten Willen gezeigt, aber keine substanziellen Fortschritte erbracht.
Die Erklärung der Regierung deutete zugleich an, dass Präsident Husni Mubarak weiter im Amt bleiben solle, um die Reformen umzusetzen. Die Opposition ihrerseits bekräftigte ihre Forderung eines sofortigen Rücktritt von Mubarak.
Friedensnobelpreisträger Mohammed al-Baradei nannte die Gespräche zäh. "Der Prozess ist undurchsichtig." Niemand wisse, wer derzeit mit wem verhandle. Ein Problem sei zudem, dass der gesamte Prozess vom Militär gesteuert werde.
Suleiman liess nach dem Treffen eine Erklärung veröffentlichen, in der auch die Freilassung von verhafteten Oppositionellen, eine Garantie der Pressefreiheit und eine Aufhebung der Notstandsgesetze "entsprechend den Sicherheitsbedingungen" zugesagt wurde. Auch soll sich ein Ausschuss mit Verfassungsfragen befassen.
US-Aussenministerin Hillary Clinton begrüsste den Dialog zwischen Regierung und Opposition. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz warnte sie vor einem überstürzten Machtwechsel. Es bestehe die Gefahr, dass der Übergang "chaotisch" verlaufe oder gar in ein autokratisches System zurückführe. Auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel warnte vor einer übereilten Ablösung Mubaraks.
Die USA und Europa drängen auf eine Übergangslösung, in der Mubarak nicht sofort zum Rücktritt gezwungen wird. Auch Mohammed al-Baradei plädiert dafür, erst in einem Jahr in Ägypten neu wählen zu lassen.
Eine einjährige Übergangszeit mit einer "Übergangsregierung der nationalen Einheit" sei nötig, um freie und faire Wahlen zu gewährleisten, sagte er dem US-Fernsehsender CNN. Dem derzeitigen Regime die Aufsicht über Wahlen in den nächsten Monaten zu erlauben, würde zu einer "unechten Demokratie" führen.
Die ägyptische Regierung bemühte sich unterdessen, ein wenig Normalität in der Hauptstadt wiederherzustellen. Am Sonntag, dem ersten Arbeitstag der islamischen Woche, öffneten erstmals wieder viele Banken. Davor bildeten sich lange Schlangen. Auch der Verkehr floss wieder.
Die Proteste auf dem Tahrir-Platz gingen aber weiter. Am Sonntag versammelten sich dort erneut rund 10'000 Menschen. Hunderte beteten für die bei den Protesten umgekommenen Demonstranten. An einem anschliessenden christlichen Gottesdienst nahmen Christen und Muslime gemeinsam teil.
Die Demonstranten zeigten sich unbeeindruckt von den Rücktritten zahlreicher führender Mitglieder der Regierungspartei NDP. Unter anderen hatten am Samstag Generalsekretär Safwat al-Scharif und Mubaraks Sohn Gamal ihre Posten geräumt. Mubarak selbst wurde vom Staatsfernsehen weiterhin als Chef der Regierungspartei bezeichnet.
Mubarak ernannte Hossam Badrawi zum neuen NDP-Generalsekretär. Badrawi ist für seine guten Beziehungen zur Opposition bekannt.

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