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Afrikas Bedürfnisse illustrieren die Herausforderung

Die Mehrheit der Menschen in Mali leben von weniger als einem Dollar pro Tag.

(swissinfo.ch)

Verbrechen, Krankheit, Analphabetismus und Armut sind nur einige der Hürden, welche die internationale Gemeinschaft und die schwarzafrikanischen Länder überwinden müssen, um den digitalen Graben zu schliessen.

swissinfo beleuchtet die Herausforderungen, vor denen zwei so unterschiedliche afrikanische Staaten wie Mali und Südafrika stehen.

Bei der Fahrt über die roten, ungeteerten Strassen Bamakos, der Hauptstadt Malis, kann man sich nur schwer vorstellen, wie die Bevölkerung dieses Landes jemals voll in die weltweite Informationsgesellschaft integriert werden soll.

Am Strassenrand weiden Ziegen auf Müllhaufen, während die Frauen Kleider in Eimern voll schmutzigem Wasser waschen und die Männer an strohbedeckten Marktständen ihre Waren feilhalten.

In Mali, einem der ärmsten Länder der Welt, gelten Strom, fliessendes Wasser, Rohrleitungen - ja sogar ein überdachtes Nachtquartier – als Luxus.

Die Vorstellung, modernste Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) in einer Gesellschaft einzuführen, in der mehr als 60% der Bevölkerung von weniger als einem Dollar pro Tag leben, ist gewagt.

Telekommunikation

Wie tief der viel beschworene digitale Graben wirklich ist, wird einem erst bewusst, wenn man erfährt, dass weniger als 1% der Bevölkerung Malis Zugang zu einem Telefon hat.

Doch Regierungsvertreter und Entwicklungs-Spezialisten sind sich einig, dass traditionelle Informations- und Kommunikations-Technologien wie Radio und Telekommunikation viel zu einer Verbesserung der hiesigen Lebensqualität beitragen könnten.

"Es braucht nicht für alle eine eigene Telefonleitung, aber es wäre schon toll, wenn zumindest jedes Dorf oder jede Gemeinde einen Anschluss hätte", sagt Melchior Lengsfeld, Leiter des Büros der Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas in Mali.

"Natürlich sind viele Leute sehr arm, doch sogar in ländlichen Gemeinschaften lässt sich feststellen, dass das wirtschaftliche Potential zunimmt, sobald den Leuten die entsprechenden Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen", fügt er hinzu.

Die Regierung hat versprochen, alle 703 ländlichen Bezirke des Landes mit der nötigen Telekommunikations-Infrastruktur auszustatten, und sie scheint entschlossen, dieses Versprechen zu halten.

Doch dazu sei die Regierung auf Unterstützung von aussen angewiesen, sagt Ousmanne Bamba vom Informatikministerium – und diese Unterstützung erhofft er sich vom Informationsgipfel in Genf.

"Unser Staat schafft das nicht allein. Wir brauchen öffentlich-private Partnerschaften sowie einen Solidaritätsfonds, um dieses Vorhaben zu realisieren", erklärt Bamba gegenüber swissinfo.

"Die Diskussion ist an einem entscheidenden Punkt angelangt und alle Beteiligten müssen nun Kompromiss-Bereitschaft zeigen, wenn ein Finanzierungs-Konsens zustande kommen soll."

Südafrika

Im Vergleich zu Mali hat Südafrika eine relativ hoch entwickelte technologische Infrastruktur: Rund 40% der städtischen Bevölkerung besitzen ein Telefon, und mehr als die Hälfte der Einwohner hat Zugang zu einem Computer.

Aber das Erbe der Apartheid-Politik, welche die schwarze Bevölkerung von der Teilnahme am politischen und wirtschaftlichen Leben weitgehend ausgeschlossen hatte, wiegt noch immer schwer.

Gemäss Angaben der Weltbank leben nur gerade fünf Millionen Südafrikaner - rund 13% der Bevölkerung - in Umständen, wie sie in der Ersten Welt üblich sind.

Am andern Ende der Skala fristen rund 22 Millionen Südafrikaner nach wie vor ein Leben unter Dritt-Welt-Bedingungen – die grosse Mehrheit davon jung, schwarz und arbeitslos.

Arbeitslosigkeit

Laut Ken Duncan von der Schweizerisch-Südafrikanischen Initiative für Zusammenarbeit (SSACI) hat diese wirtschaftliche Ungleichheit besonders unter Jugendlichen zu einer allgemeinen Ernüchterung gegenüber der Demokratie geführt.

"Laut neueren Umfragen sind die meisten jungen Südafrikaner ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft der Ansicht, Jugendliche hätten es heute schwieriger als noch vor fünf bis zehn Jahren", sagt Duncan zu swissinfo.



"Sie machen fast alle ausnahmslos die Arbeitslosigkeit für diesen Umstand verantwortlich." Duncan glaubt, ein gewisses Mass an ICT-Training könnte vielen jungen Südafrikanern den Weg aus der Arbeitslosigkeit weisen, indem es ihnen erlauben würde, in einem schnell wachsenden Sektor des Arbeitsmarktes Fuss zu fassen.

Auch er hofft, dass der Informationsgipfel zur Entstehung stärkerer öffentlich-privater Partnerschaften führen wird.

"Die Beteiligung der Privatwirtschaft ist absolut zentral, nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern wegen deren Management- und Ausbildungsfähigkeiten, die in Ländern wie Südafrika dringend nötig sind."

swissinfo, Anna Nelson in Africa
(Übertragung aus dem Englischen: Dieter Kuhn)

Fakten

Mali ist weiterhin eines der ärmsten Länder der Welt. Auf dem letztjährigen UNO-Index zur menschlichen Entwicklung belegt es Rang 164 unter 173 Ländern.
Mit einem Pro-Kopf-Bruttoeinkommen von 2692 Dollar gehört Südafrika weltweit zu den Ländern mit den grössten Einkommensunterschieden.

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In Kürze

Politiker, Vertreter der Zivilgesellschaft und Wirtschaftsführer tagen im Rahmen des Weltgipfels zur Informations-Gesellschaft vom 10.-12. Dezember in Genf.

Ziel des Treffens ist die Ausarbeitung eines Aktionsplans für den gleichberechtigten und erschwinglichen Informationszugang für alle Bewohner der Erde.

Im Zentrum der Diskussionen stehen zwei Themen: die Rolle der Privatwirtschaft bei der Überwindung des digitalen Grabens sowie die Schaffung eines Solidaritätsfonds zur Finanzierung von technologie-bezogenen Projekten in Entwicklungsländern.

Die grosse Mehrheit der Länder südlich der Sahara, die punkto Entwicklung und Technologie vor grossen Herausforderungen stehen, befürworten stärkere öffentlich-private Partnerschaften und den Solidaritätsfonds.

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