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FRANKFURT (awp international) - Mögliche Zugeständnisse an Griechenland und die boomende deutsche Wirtschaft haben den Dax am Dienstag klar über die zuvor hart umkämpfte Marke bei 7.200 Punkten geschoben. Der Leitindex gewann am Nachmittag 1,96 Prozent auf 7.300,50 Punkte und lag damit nur knapp unter seinem Tageshoch von 7.319 Punkten. Der MDax mittelgrosser Werte stieg um 1,38 Prozent auf 10.878,95 Punkte und der TecDax kletterte um 0,60 Prozent auf 916,83 Punkte.
In Griechenland verdichten sich die Informationen über eine mögliche Einigung zum Erhalt der dringend benötigten nächsten Tranche der Finanzhilfe über zwölf Milliarden Euro. Einem Pressebericht zufolge rückt die Bundesregierung zudem von ihrer Position weiterer Griechenlandhilfen nur mit einer "weichen Umschuldung" ab und gibt damit für Händler Andreas Lipkow von MBW Fairtrade positive Impulse für den Aktienmarkt. Bislang sieht die offizielle Position der Regierung neue Mittel für das hochverschuldete Euro-Land nur unter Beteiligung privater Investoren vor. Das Signal sei, "den Komapatienten so lange am Leben zu halten, bis die Organe wieder von alleine arbeiten können", so Lipkow. Derweil rutschte die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals seit sieben Monaten wieder unter drei Millionen. Zudem sind die Börsen in Grossbritannien und den USA nach dem langen Wochenende wieder geöffnet, was für etwas mehr Schwung sorgt.
BASF AN DAX-SPITZE - SIEMENS FÜR ATOMAUSSTIEG BEREIT - GOLDMAN-STUDIEN
Bei ruhiger Nachrichtenlage aus den Unternehmen kletterten BASF-Papiere mit plus 3,89 Prozent auf 64,33 Euro an die Dax-Spitze. Die Chemietitel hatten seit Anfang Mai bis zu 15 Prozent verloren und Händler sehen entsprechend Erholungspotenzial. Zusätzlichen Auftrieb gab Analyst Richard Logan von Goldman Sachs, der sein Kursziel von 82 auf 93 Euro angehoben und die Papiere auf der Empfehlungsliste belassen hat. Siemens-Aktien zählten mit plus 3,01 Prozent auf 93,11 Euro ebenfalls zu den Dax-Favoriten. In einer aktuellen Studie beleuchtete Unicredit-Analyst James Stettler die Auswirkungen des möglichen Atomausstieg Deutschlands für den Konzern. Siemens ist nach Ansicht des Experten mit seinen Gas- und Windturbinen sowie einer ganzen Bandbreite an energieeffizienten Lösungen sehr gut aufgestellt, um von den anstehenden Veränderungen profitieren zu können. Der Experte empfiehlt Siemens-Aktien zum Kauf mit einem Kursziel von 115,00 Euro.
Bayer-Aktien erholten sich derweil um 1,85 Prozent auf 56,85 Euro. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge gibt der Pharmakonzern die US-Produktion des Multiple-Sklerose-Mittels Betaferon 2013 auf und lagert sie komplett an den Konkurrenten Boehringer Ingelheim aus. Volkswagen legte am Morgen wie erwartet das offizielle Übernahmeangebot für den Münchner Lastwagenbauer MAN vor. Die Aktie von MAN war mit plus 0,22 Prozent einer der schwächsten Dax-Werte.
Weitere Kaufempfehlungen von Goldman Sachs trieben die Anteile von Fresenius und FMC an. Analystin Veronika Dubajova hat sowohl die Aktien des Gesundheitskonzerns als auch des Dialyse-Spezialisten mit "Buy" bewertet. Bei Fresenius sei das Kerngeschäft angesichts eines historisch überdurchschnittlichen Umsatzwachstumspotenzials unterbewertet. Ihr Kursziel liegt bei 85,00 Euro, die Aktien gewannen 0,53 Prozent auf 71,46 Euro. Bei FMC gefällt Dubajova insbesondere die gute Positionierung, um starke demographische Trends auszunutzen. Zudem sei auch hier das Wachstumspotenzial nicht ausreichend eingepreist. Die Expertin setzte ein Kursziel von 63 Euro an, die Aktien verteuerten sich um 0,94 Prozent auf 50,040 Euro.
PRAKTIKER AM MDAX-ENDE - ROTH & RAU ERTEILT ÜBERNAHMESPEKULATIONEN ABSAGE
Praktiker-Anteile drückte eine Deutsche-Bank-Studie dagegen mit minus 2,18 Prozent auf 6,335 Euro an das MDax-Ende. Die Experten hatten das Kursziel für die Papiere der Baumarktkette auf 7,00 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Hold" belassen. Insgesamt seien die Zahlen zum ersten Quartal enttäuschend gewesen und der Ausblick sei eher unklar ausgefallen.
Papiere von Roth & Rau sackten im TecDax um 2,59 Prozent auf 22,600 Euro ab. Der Solarzulieferer war bereits am Vorabend nach Handelsschluss Spekulationen über ein mögliches Übernahmeangebot des Schwarzwälder Solarunternehmers Jürgen Gutekunst entgegengetreten. Der Vorstand erachtet die Spekulationen für "haltlos". Zuvor hatte Gutekunsts Beteiligung an Roth & Rau die Schwelle von 15 Prozent überschritten. Ein Börsianer rechnete nach den Unternehmensaussagen erst einmal nicht mit einer ausgeprägten Kursreaktion.
Ansonsten setzte der Bereich Erneuerbare Energie die tags zuvor durch die neuen Atompläne ausgelöste Erholungsrally fort. Vorreiter spielten die Aktien von Q-Cells mit einem Sprung um 7,97 Prozent auf 2,073 Euro, gefolgt von Nordex mit plus 3,65 Prozent auf 7,048 Euro./ag/tih

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