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AKTIEN FRANKFURT/Ausblick: Gewinnmitnahmen - Vorgaben belasten

Dieser Inhalt wurde am 17. November 2009 - 08:20 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Angesichts insgesamt negativer Vorgaben dürfte der deutsche Aktienmarkt am Dienstag zum Auftakt etwas unter Gewinnmitnahmen leiden. Der X-Dax, der auf Basis des Dax-Futures den ausserbörslichen Stand des deutschen Leitindex anzeigt, lag kurz nach 8.00 Uhr bei 5.788 und damit 0,29 Prozent unter dem Dax-Xetra-Schluss vom Vortag.
Ein Marktteilnehmer sprach von einer notwendigen Verschnaufpause nach zuletzt wieder deutlichen Kursgewinnen. Zwar hatten überraschend deutlich gestiegene Oktober-Einzelhandelsumsätze sowie positive Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke zur Erholung der heimischen Wirtschaft die Indizes an Wall Street auf neue Jahreshochs getrieben. Der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial verlor jedoch seit dem Xetra-Schluss vom Vortag 0,32 Prozent. Auch in Asien tendierten die Märkte schwächer. Am Nachmittag dürften die US-Erzeugerpreise sowie die Daten zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung neue Impulse geben.
RWE könnten laut Händlern Kursgewinne verzeichnen. Der Versorger will den fehlgeschlagenen Expansionsversuch in den USA endgültig beenden und sich komplett von American Water trennen. Derzeit laufe die Platzierung von 37,4 Millionen American-Water-Aktien, hatte das US-Unternehmen am Montagabend mitgeteilt. Zudem habe RWE den Investmentbanken eine Mehrzuteilungsoption von 3,7 Millionen weiteren Anteilen eingeräumt. Sollten auch diese platziert werden, hält RWE nach Angaben von American Water keine Anteile am amerikanischen Wasserversorger mehr. Ein Börsianer rechnet angesichts der schnellen Verabschiedung mit einer freundlichen Kursreaktion. Gehe die Platzierung durch, bedeute dies einen Verkauf des Restanteils von 60 Prozent innerhalb von nur fünf Monaten.
Dagegen drohen Lufthansa nach kritischen Aussagen des Managements Kursverluste. "2010 wird eine schwierige Herausforderung für uns werden", sagte Vizechef Christoph Franz der "Financial Times Deutschland" (FTD). "Wir sind in der Lage, genügend Tickets abzusetzen, aber wir sind nicht in der Lage, dabei das Preisniveau zu heben. Und ich sehe offen gestanden auch keinerlei Tendenz für eine nachhaltige Erholung." Neben den krisenbedingten Einnahmeausfällen bei Premiumkunden machen Europas grösster Airline vor allem die hohen Personalkosten und die Konkurrenz durch Billigflieger zu schaffen. Die seit Juni von Franz verantwortete Sparte Passage - dahinter verbergen sich die Kernmarke Lufthansa und Regionaltöchter wie die Cityline - schreibt derzeit Verluste. Nach Aussagen von Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber droht auch dem Gesamtkonzern in diesem Jahr ein Minus. Ausserdem dementierte Franz in der "Börsen-Zeitung" Pläne für eine Übernahme des Konkurrenten SAS Group . "Die Aussagen über ein verlustträchtiges Passagiergeschäft und die Margen dürften heute den Kurs belasten", kommentierte ein Händler.
Bei Merck sorgte hingegen eine Abstufung schon vor Handelsstart für schwache Notierungen. Morgan Stanley senkte das Votum für die Titel des Pharma- und Chemiekonzerns von "Equal-weight" auf "Underweight" und das Kursziel von 66 auf 61 Euro.
Im MDax könnten Kuka fester in den Handel starten. Walter Bickel werde sich als neuer Vorstand für das Tagesgeschäft (COO) auf die Weiterentwicklung und Umsetzung des laufenden Kostensenkungsprogramms konzentrieren, hatte Kuka noch am Montagabend mitgeteilt. Die Ernennung eines COO sollte der Aktie helfen, sich besser als der Markt zu entwickeln, sagte der Börsianer. Auch die Veränderungen im Management in den beiden wichtigsten Sparten des Unternehmens sollten stützen. Anleger könnten hoffen, dass damit etwas frischer Wind in den Konzern kommt, fügte der Börsianer hinzu.
Bei den Technologiewerten trauen Experten Smartrac einen freundlichen Auftakt zu. Der niederländische Funktechnik-Anbieter beschaffte sich frisches Geld für seine jüngste Übernahme. Über eine Kapitalerhöhung nahm das Unternehmen 20,9 Millionen Euro ein, wie die Niederländer am Montag in Amsterdam mitteilten. Die insgesamt 1,35 Millionen Aktien gingen an einen geschlossenen Zirkel von Investoren. Helfend zur Seite stand dabei die Privatbank Berenberg. Pro Aktie nahm Smartrac 15,50 Euro ein. Ein Börsianer äusserte sich positiv, dass die Kapitalerhöhung so problemlos platziert werden konnte. Dies dürfte auch der Markt honorieren. Bereits vorbörslich legte die Aktie um knapp fünf Prozent zu.
Drägerwerk könnten laut Händlern von einem Pressebericht profitieren. Der Medizin- und Sicherheitskonzern habe die Bedingungen festgezurrt, zu denen er den 25-Prozent-Anteil von Siemens an seiner Medizinsparte zurückkaufen wolle, schreibt die "Financial Times Deutschland" (FTD) ohne Angabe von Quellen. Der Kaufpreis soll bei mindestens 230 Millionen Euro liegen. Weil Drägerwerk von Investoren und bei Banken dafür nicht genügend Mittel einwerben konnte, solle nach aktuellem Stand Siemens mit einem Verkäuferkredit (Vendor Loan) von rund 60 Millionen Euro einspringen. Ein Drägerwerk-Sprecher habe einen Kommentar verweigert, aber Verhandlungen bestätigt, heisst es weiter. "In früheren Berichten wurde ein Preis von 275 bis 300 Millionen genannt, den Analysten als teuer erachtet hatten", sagt ein Händler. "Ein Preis von 230 Millionen Euro sollte daher leicht positiv für Drägerwerk gesehen werden." Auf die Siemens-Aktie dürfte die Nachricht kaum einen Kurseinfluss haben.
gl/rum

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