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AKTIEN FRANKFURT/Eröffnung: Leichte Verluste - Vorgaben belasten

Dieser Inhalt wurde am 17. November 2009 - 09:50 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Negative Vorgaben haben am Dienstag zu leichten Gewinnmitnahmen am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Im frühen Handel fiel der Dax um 0,38 Prozent auf 5.782,91 Punkte. Der MDax gab um 0,22 Prozent auf 7.423,54 Punkte nach und der TecDax musste Verluste von 0,23 Prozent auf 780,10 Zähler hinnehmen.
Ein Marktteilnehmer sprach von einer notwendigen Verschnaufpause nach zuletzt wieder deutlichen Kursgewinnen. Zwar hatten überraschend stark gestiegene Oktober-Einzelhandelsumsätze sowie positive Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke zur Erholung der heimischen Wirtschaft die Indizes an Wall Street auf neue Jahreshochs getrieben. Der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial verlor jedoch seit dem Xetra-Schluss vom Vortag 0,31 Prozent. Auch in Asien tendierten die Märkte schwächer. Am Nachmittag dürften die US-Erzeugerpreise sowie die Daten zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung neue Impulse geben.
Für Lufthansa-Titel ging es nach kritischen Aussagen des Managements um 1,59 Prozent auf 11,130 Euro bergab. "2010 wird eine schwierige Herausforderung für uns werden", sagte Vizechef Christoph Franz der "Financial Times Deutschland" (FTD). "Wir sind in der Lage, genügend Tickets abzusetzen, aber wir sind nicht in der Lage, dabei das Preisniveau zu heben. Und ich sehe offen gestanden auch keinerlei Tendenz für eine nachhaltige Erholung." Neben den krisenbedingten Einnahmeausfällen bei Premiumkunden machen Europas grösster Airline vor allem die hohen Personalkosten und die Konkurrenz durch Billigflieger zu schaffen. Die seit Juni von Franz verantwortete Sparte Passage - dahinter verbergen sich die Kernmarke Lufthansa und Regionaltöchter wie die Cityline - schreibt derzeit Verluste. Nach Aussagen von Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber droht auch dem Gesamtkonzern in diesem Jahr ein Minus. Ausserdem dementierte Franz in der "Börsen-Zeitung" Pläne für eine Übernahme des Konkurrenten SAS Group . "Die Aussagen über ein verlustträchtiges Passagiergeschäft und die Margen belasten den Kurs", kommentierte ein Händler.
Bei Merck KGaA sorgte eine Abstufung für Abschläge von 3,05 Prozent auf 64,74 Euro, was die Aktie ans Dax-Ende drückte. Morgan Stanley senkte das Votum für die Titel des Pharma- und Chemiekonzerns von "Equal-weight" auf "Underweight" und das Kursziel von 66 auf 61 Euro. Analyst Andrew Baum begründete dies mit den aus seiner Sicht überzogen optimistischen Erwartungen an Erbitux gegen Lungenkrebs und Mylinax gegen Multiple Sklerose. Er sieht weitere Risiken für deutliche Prognosesenkungen am Markt: Immerhin liege seine Gewinnschätzung für 2011 um 14 Prozent unter dem Konsens.
RWE-Papiere verloren moderate 0,21 Prozent auf 62,43 Euro. Der Versorger will den fehlgeschlagenen Expansionsversuch in den USA endgültig beenden und sich komplett von American Water trennen. Derzeit laufe die Platzierung von 37,4 Millionen American-Water-Aktien, hatte das US-Unternehmen am Montagabend mitgeteilt. Zudem habe RWE den Investmentbanken eine Mehrzuteilungsoption von 3,7 Millionen weiteren Anteilen eingeräumt. Sollten auch diese platziert werden, hält RWE nach Angaben von American Water keine Anteile am amerikanischen Wasserversorger mehr. Ein Börsianer sah die schnelle Verabschiedung als grundsätzlich positiv für den Kurs. Gehe die Platzierung durch, bedeute dies einen Verkauf des Restanteils von 60 Prozent innerhalb von nur fünf Monaten.
Im Technologiesektor liess eine freundlich aufgenommene Kapitalerhöhung Aktien von Smartrac um 0,84 Prozent auf 15,65 Euro steigen. Der niederländische Funktechnik-Anbieter beschaffte sich frisches Geld für seine jüngste Übernahme. Über eine Kapitalerhöhung nahm das Unternehmen 20,9 Millionen Euro ein, wie die Niederländer am Montag in Amsterdam mitteilten. Die insgesamt 1,35 Millionen Aktien gingen an einen geschlossenen Zirkel von Investoren. Helfend zur Seite stand dabei die Privatbank Berenberg. Pro Aktie nahm Smartrac 15,50 Euro ein. Ein Börsianer äusserte sich positiv, dass die Kapitalerhöhung so problemlos platziert werden konnte. Dies honoriere auch der Markt.
Drägerwerk verloren nach einem Pressebericht marktkonforme 0,27 Prozent auf 29,02 Euro. Der Medizin- und Sicherheitskonzern habe die Bedingungen festgezurrt, zu denen er den 25-Prozent-Anteil von Siemens an seiner Medizinsparte zurückkaufen wolle, schreibt die "Financial Times Deutschland" (FTD) unter Berufung auf eine mit der Sache vertraute Person. Der Kaufpreis soll bei mindestens 230 Millionen Euro liegen. Weil Drägerwerk von Investoren und bei Banken dafür nicht genügend Mittel einwerben konnte, solle nach aktuellem Stand Siemens mit einem Verkäuferkredit (Vendor Loan) von rund 60 Millionen Euro einspringen. Ein Drägerwerk-Sprecher habe einen Kommentar verweigert, aber Verhandlungen bestätigt, heisst es weiter. "In früheren Berichten wurde ein Preis von 275 bis 300 Millionen genannt, den Analysten als teuer erachtet hatten", sagt ein Händler. "Ein Preis von 230 Millionen Euro sollte daher leicht positiv für Drägerwerk gesehen werden."
gl/rum

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