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TOKIO (awp international) - Die Talfahrt an der Tokioter Börse geht angesichts der drohenden Atomkatastrophe weiter, wenn auch in moderatem Tempo: Der Nikkei-225-Index verlor am Donnerstag 1,44 Prozent auf 8.962,67 Punkte. Damit erwies sich die Erholung vom Vortag mit einem Plus von mehr als fünf Prozent als Strohfeuer angesichts der weiter bedrohlichen Lage am havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins. Verschärft wurde die Unsicherheit am Markt von einem Rekord-Hoch des Yen, der Exportwerte belastete. Für den breiter gefassten Topix ging es um 0,84 Prozent auf 810,80 Punkte nach unten.
Händler betonten, dass der stark gestiegene Yen die heimische Wirtschaft schwäche. Die japanische Währung war in der Nacht zum Donnerstag auf ein Rekordhoch zum US-Dollar gestiegen. In einem chaotischen von starken Sprüngen gekennzeichneten Handel mussten zeitweise nur noch 76,25 Yen für einen Dollar bezahlt werden - so wenig wie noch nie in der Geschichte. Zuletzt konnte der US-Währung gegenüber dem Yen wieder etwas zulegen. Dollar-Käufe vor allem von japanischen Importunternehmen und Spekulanten verringerten die Kursgewinne des Yen. Zuletzt stand der Dollar bei 79,135 Yen, das waren allerdings immer noch rund 4 Yen weniger als noch vor dem verheerenden Erdbeben und Tsunami am vergangenen Freitag. Händler führten die starken Yen-Gewinne darauf zurück, dass japanische Investoren und Versicherer dringend Geld brauchen, um die Schäden aus der Natur- und Nuklearkatastrophe in der Heimat zu bezahlen. Das steigert die Nachfrage nach Yen.
EXPORTWERTE SCHWACH
Der starke Yen ist schon seit Jahren eines der grössten Probleme der japanischen Wirtschaft, da dies die Exporte verteuert. Mitte 2007 kostete ein Dollar noch mehr als 120 Yen. Vor der Natur- und Nuklearkatastrophe hatte sich der Yen allerdings in einer Bandbreite zwischen 80 und 85 Yen zumindest stabilisiert. Exportunternehmen wie zum Beispiel der Autohersteller Toyota erhielten damit allerdings zuletzt deutlich weniger Yen für in den USA verkaufte Produkte. Viele Analysten und Experten rechnen nun damit, dass die japanische Regierung bald am Devisenmarkt einschreiten wird, um Spekulation einzudämmen. Dabei sei auch eine international koordinierte Aktion denkbar, hiess es. Die japanische Regierung selbst bestätigte, dass es noch in dieser Woche eine Telefonkonferenz der G7-Finanzminister geben wird.
Vor allem Exportwerten litten unter dem starken Yen. Die Aktien von Toyota verloren 2,24 Prozent auf 3.270 Yen, die von Canon 3,34 Prozent auf 3.470 Yen. Zu den grösseren Verlierern zählten auch Bankenwerte. So sackten Mitusbishi UFJ Holdings um 4,72 Prozent auf 363 Yen ab, für Sumitomo Mitsui Financial (SMFG) ging es um 2,49 Prozent auf 2.511 Yen nach unten.
Wie schon zuletzt rutschten die Aktien von The Tokyo Electric Power, der Betreiberfirma des Katastrophenreaktors Fukushima Eins, ab. Sie verbilligten sich um 13,36 Prozent auf 798 Yen und haben damit seit dem Handelsschluss am vergangenen Donnerstag - dem letzten Handelstag vor der Naturkatastrophe in dem Inselstaat - rund 63 Prozent eingebüsst.
TRANSPORT- UND STAHLWERTE GEGEN DEN TREND IM PLUS
Gegen den Trend im Plus waren unter anderem Central Japan Railway mit plus 1,47 Prozent auf 623.000 Yen. Noch stärkere Gewinne verbuchten Japan Steel Works mit einem Aufschlag von 5,51 Prozent auf 536 Yen sowie die Titel des Pharmaunternehmens Shionogi mit einem Plus von 6,44 Prozent auf 1.355 Yen. Hier habe die Hoffnung auf eine steigende Nachfrage in Japan gestützt, sagten Börsianer.
Unterdessen stellte die japanische Notenbank (BoJ) den Märkten am Donnerstag erneut zusätzliche Milliarden zur Verfügung. Es seien weitere fünf Billionen Yen (45 Milliarden Euro) kurzfristige Notfall-Liquidität in die Märkte gepumpt worden, teilte die Notenbank mit. Damit summiert sich die Summe der kurzfristigen Notfallmassnahmen mittlerweile auf 33 Billionen Yen. Die Währungshüter hatten am Montag den Rahmen für Rückkäufe von Staatsanleihen erhöht. Mit den Schritten will die Notenbank einen Kollaps der Finanzmärkte angesichts des drohenden Super-GAUs in Fukushima verhindern.
Der Kampf gegen die Katastrophe in dem Atomkraftwerk Fukushima Eins wird indes aus der Luft geführt: Zwei Armee-Hubschrauber warfen für ein Kühlmanöver Tonnen von Wasser über dem Reaktor 3 ab, wie der Fernsehsender NHK zeigte. Zusätzlich gingen Wasserwerfer in Stellung. Zudem soll die Stromversorgung wiederhergestellt werden.
chs/rum

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